Türkei 2014 – Ankara – Istanbul (21.04.2014)

Das Hotel dieser Nacht war das komfortabelste dieser Reise. Gute Betten, einwandfrei funktionierende Dusche, üppiges Frühstücksbuffet – und natürlich die überlebensgroßen amerikanischen Filmszenen überall an den Wänden und die konsequente Umsetzung des schwarz-weiss-dunkelroten Farbkonzepts.

Aber wir mussten weiter. Mit der Metro zum Busbahnhof und dann wieder auf breiten Straßen über Land. Etwa 250 km vor Istanbul wurde es grün. Die Bäume, die bislang noch ziemlich winterkahl gewesen waren. trugen hier bereits recht kräftig entwickeltes Frühlingslaub. Waren die Bergflanken bisher meist braun und kahl gewesen, so waren sie jetzt üppig bewaldet.

Viel mehr ist über diese Busfahrt nicht zu sagen. Wir machten Pause auf einer dieser großen Raststationen, wo es verschiedene Geschäfte und Lokale gibt, diesmal auch verschiedene Textil-Outlets und einen Burger King. Die Straßen wurden mehr und breiter, der Verkehr dichter. Istanbul ist vor allem auf seiner asiatischen Seite, von der wir uns näherten, riesengroß. Es gibt viele neue Hochhaussiedlungen, die oft sehr hübsch anzusehen sind, aber so verstreut liegen, dass eine künftige Erschließung mit Bahnen von vorne herein ausgeschlossen ist. Je näher wir der Stadt kamen, umso gigantischer wurden die Türme, viele davon architektonisch sehr interessant und ansprechend. Wir standen eine Weile im Stau, schlichen im zäh fließenden Verkehr, wogegen auch die aggressiven Spurwechsel des zweiten Chauffeurs nichts nützten, der an der Raststätte aus einer Schlafkoje unten im Bus hervorgekrochen war. Schließlich langten wir in der Busstation Harem an und hatten direkten Anschluss an eine Fähre, die uns zur europäischen Seite übersetzte.

Der Weg zum Hotel war noch vom vergangenen Jahr bekannt und so hatten wir es schnell gefunden. Dann gingen wir zur Blauen Moschee, um dort die Gruppe zu treffen,.mit der wir verabredet waren. Leider hatten wir eine falsche Angabe erhalten, denn der eigentlich gemeinte Treffpunkt war die Neue Moschee. In deren Nähe trafen wir uns dann auch in einem riesengroßen, etwas teureren Lokal zu einem guten Abendessen. Für den weiteren Abend erwies sich die nun doch sehr große Gruppe als zu langsam und uneinheitlich und wir machten uns im kleinen Kreis auf zum Galata-Turm, wo wir auf dem belebten Platz eine Weile vor einer Bar saßen. Im Hotel wurden wir dann noch von drei Musikern unterhalten, die vor dem gegenüber liegenden Lokal mit Spiel und Gesang zwei Touristinnen bespaßten, die dazu hocherfreut klatschten. Wir machten das Fenster zu und suchten Schlaf.

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Türkei 2014 – Ürgüp – Ankara (20.04.2014)

Nach drei Übernachtungen in Ürgüp ging es nun weiter nach Ankara. Der komfortable Reisebus brachte uns erst mit nur wenigen Reisenden an den futuristischen Busbahnhof in freier Landschaft bei Nevsehir, wo sich dann die Plätze füllten. Das Wetter war kühl, aber sonnig und ziemlich klar, so dass wir die schneebedeckten Gipfel der Vulkane sehen konnten.

Entlang der Schnellstraße nach Acsaray fielen die zahlreichen verlorenen Laufflächen von Lkw-Reifen auf. Eine alle hundert Meter, dazu ganze Pkw-Reifen, sogar mit Felge. Guten 220km vor Ankara wurde der Einfluss westlicher Kultur und Bauweise immer deutlicher. Bei Acsaray das erste McDonalds-Lokal.

Wir passierten den riesigen Salzsee Tuz Golu. Machten Pause an einer der üblichen Raststätten Verstreute Industrieansiedlungen, große Reklametafeln entlang der breiter werdenden Straße und zunehmender Verkehr kündigten die Nähe Ankaras an, noch ehe die Skyline sichtbar wurde. In Ankara dann ein riesiger Busbahnhof mit drei Etagen übereinander. Der Weg zur Metro gar nicht leicht zu finden. Schließlich waren es nur fünf Stationen zum Hotel. Dort herrschte endgültig metropolitanes Flair. Die Zimmer modern ausgestattet und gestaltet. Am Kopfende der Betten gab es Tapeten mit dem Großbild von Marilyn Monroe.

Wir legten kurz unsere Gepäck ab und trafen uns dann wieder zu einem Stadtrundgang. Die Umgebung des Hotels ist modern, mit hohen Häusern und viel befahrenen breiten Straßen. Wir umrundeten den Bahnhof, sahen uns im Genclik-Park um, schauten uns das Atatürk-Denkmal an und stiegen über zahlreiche Treppenstufen hinauf in die Gegend der Zitadelle.

Was wir dort vorhanden, stand in starkem Kontrast zu dem Bild einer modernen, stark westlich geprägten Großstadt, das sich uns bis dahin geboten hatte. Die engen Gassen rund um die Burg bestehen aus alten Häusern in schlechtem Zustand, die uns eher an unsere Tage im fernen Osten des Landes erinnerten. Wir irrten eine Weile herum, bis wir zur eigentlichen Zitadelle kamen, von wo aus sich schöne Ausblicke nach allen Seiten boten. Die Mauern waren frisch renoviert und sind so breit, dass man auf ihnen gut herumlaufen und über die Stadt schauen kann.

Als wir uns sattgesehen hatten, stiegen wir nach Süden zu wieder ab und kamen durch eine Gegend, wo die Häuser schon saniert oder ersetzt waren und wo erkennbar Gentrifizierung eingesetzt hatte. Mit zwei Taxis fuhren wir wieder zum Hotel und aßen in einem Schnellrestaurant in der Nähe gut und überraschend preiswert zu Abend. Danach beschlossen wir den Tag bei  einem Bier in der Lobby des Hotels.

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Türkei 2014 – Ürgüp (19.04.2014)

Nachdem wir bisher alle Unternehmungen gemeinsam gemacht hatten, gab es an diesem Karsamstag zwei unterschiedliche Programme. Ein Teil machte sich zeitig auf den Weg zur Besteigung des Berges Erciyes Dagy, wir anderen ließen uns etwas Zeit und fuhren dann nach Derinkuyu. Schon am Vortag hatte uns kräftiger Wind den Sand um die Ohren geweht, so dass wir schon Sorge um unsere Kameras hatten und die Kontaktlinsenträgerinnen klagten, aber auf der Busfahrt zwischen Nevsehir und Derinkuyu reichte die Sicht stellenweise nur noch gut hundert Meter weit.

Als wir in Derinkuyu ankamen, regnete es obendrein und so kam uns die Besichtigung der unterirdischen Siedlung gerade gelegen. Dort war es trocken und windstill, aber auch oft eng und niedrig in langen steilen Gängen, die ich nur tief gebückt passieren konnte. Unten Wohnstätten, Stallungen, Lagerräume. Ein Leben dort im Finstern lässt sich schwer vorstellen, auch wenn das nur eine Zuflucht für Zeiten der Christenverfolgung gewesen sein mag.

Schon an einer Höhle im Garten unseres Hotels hatten wir eine interessante Vorrichtung gesehen, die sich auch hier fand: Eine fast mannshohe runde Steinscheibe steckt in einer Nische und kann herausgerollt werden, um den schmalen Gang zu verschließen.

Stellenweise herrschte in dieser Unterwelt ein rechtes Gedränge von Besuchern, zumal einige Stellen nur durch lange Tunnels zugänglich sind, die keinen Gegenverkehr erlauben. Wenn dann von beiden Enden Besuchergruppen vorzudringen versuchen, wird es schwierig. Aber irgendwie geht’s auch ohne offizielle Koordination. Wieder in der Oberwelt angekommen, gönnten wir uns Tee und Spinatpfannenkuchen im Windschutz eines Imbisslokals.

Wind und Regen ließen uns von weiteren Ausflugsplänen Abstand nehmen und wir fuhren zurück nach Ürgüp. Die Bergwanderer kamen etwa gleichzeitig zurück. Für den Rest des Tages gab’s Kleingruppenprogram und zum Abendessen trafen wir uns wieder, diesmal in einem noch etwas einfacheren Lokal, als an den letzten beiden Tagen, aber durchaus zufriedenstellend. Mit Geld abheben und ein paar Einkäufen für den kommenden Reisetag endete der Abend dann auch, denn alle waren müde von ihren Unternehmungen.

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Türkei 2014 – Ürgüp (18.04.2014)

Unser Hotel befindet sich in einem sehr alten Haus mit dicken Mauern. Dahinter liegt ein netter Garten, über dem steil eine Felswand aufragt. An ihrem Fuß befindet sich eine nette Pergola mit einem Sofa, und dort trafen wir uns nach dem Frühstück, um den weiteren Verlauf unseres Aufenthalts zu beraten.

Zuerst machten wir einen Rundgang durch den Ort und sahen uns einige der in den Felsen gehauenen Höhlen an. Von einer hoch gelegenen Plattform aus schauten wir über die Stadt und die Landschaft. Nach einigen Einkäufen nahmen wir ein Dolmus nach Göreme zu den charakteristischen kapadokischen Felskegeln.

Wir wanderten durch die beeindruckende Landschaft, kletterten auf einige Höhen und fanden dann in einem Seitental eine nette, sehr einfache Teestube, vor der wir bei Tee, Kaffee und frisch gepresstem Orangensaft sitzen konnten. Dahinter begann eine beeindruckende Schlucht, durch die wir bis in die Nähe des Freilichtmuseums aufsteigen konnten.

Das Museum beinhaltet etliche Felskirchen aus dem 11. und 12. Jahrhundert, sowie etliche klösterliche und profane Räume, alles in den Sandstein geschlagen und zum Teil mit gut erhaltenen Fresken ausgemalt. Diejenigen, die nicht mit ins Museum gekommen waren, hatten sich derweil zum Bier in der Nähe der Busstation niedergelassen, wo wir wieder zusammentrafen.

Da gab es auch zwei vierschrötige Kameltreiber mit drei räudigen Kamelen, die Rundritte für 20TL anboten. Wir verzichteten und fuhren bald auf Stehplätzen in einem überfüllten Dolmus wieder zurück in den Ort.

Anna und Julia gingen in einen Herrensalon zum Friseur und erfuhren dort eine ganz besondere Behandlung mit Gesichtsmaske und allem Drumrum, andere machten Besorgungen oder ruhten sich im Hotel aus, dann gingen wir zum Abendessen.

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Türkei 2014 – Adiyaman – Ürgüp

Ruhiger Beginn eines Reisetages. Bis zur Abfahrt des Busses nach Ürgüp um die Mittagszeit gab es keine gemeinsame Planung. Ich setzte mich eine Weile vors Hotel, nutzte das W-Lan und sah dem Treiben auf der Straße zu, andere waren Einkaufen oder Kaffee trinken. Mittags ging die Reise am nahe gelegenen Busbahnhof weiter. Für den weiten Weg gab es wieder einen komfortablen Reisebus. Wir waren auch diesmal die einzigen Ausländer.

Es ging auf und ab durch weich geformtes und meist grünes bergiges Land. Dazwischen ein paar kleinere Städte. Nach zweieinhalb Stunden mal Pinkelpause an einer Tankstelle. Später längere Pause an einer Raststätte, wo drei halbe Schafe im Freien in einem verglasten Kühlschrank hingen und sich etliche traurige Fische in einem großen Bassin frisch hielten, bis auch sie auf den Grill kamen.

Nachdem auch noch der Muezzin gerufen hatte, ging es weiter. Es wurde felsiger. Nadelbäume wuchsen an den steilen Hängen. Wir überquerten einen Pass und bald tat sich wieder eine weite Ebene vor uns auf. Goksun, eine kleine Stadt. Auch hier, wie überall bisher, einfache Solaranlagen auf den Dächern. Bei Mehrfamilienhäusern meist eine pro Wohnung. Über dem Kollektor eine oder zwei liegend angebrachte Tonnen. Die Verrohrung lässt auf Schwerkraft-Konvektion schließen.

Bis wir in Kayseri ankamen, war es Abend. Da es keinen Bus mehr nach Ürgüp gab, nahmen wir zwei Taxis, die uns die sechzig Kilometer weit brachten. Die Fahrer mussten viel miteinander telefonieren, um sich auf den Weg zu einigen. Ich hatte mein Navi an und konnte auf den letzten Metern etwas beitragen.

Das Hotel, das wir per Internet vorbestellt hatten, erwies sich als sehr nett, aber etwas überheizt. Wir drehten die Heizung ab und und gingen zum Essen. Der Hotelier hatte uns ein Lokal empfohlen, in dem es recht gut zu essen gab. Vor allem die Vegetarier kamen endlich mal ohne Probleme auf ihre Kosten.

Dem Ort merkt man an, dass er von Touristen frequentiert wird. Die Leute in Hotel und Restaurant sprechen rudimentär deutsch und englisch und es gibt Bier.

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Türkei 2014 – Diyarbakir – Adiyaman

Der abendliche Raki hat mich sehr gut schlafen lassen. Bis zum Frühstück hatten wir schon alles gepackt und um Neun standen wir bereit zur Abfahrt. Recht pünktlich kam auch ein älterer Herr, der unser Busfahrer zu sein schien. Er stand etwas unschlüssig herum, fragte den Portier, der natürlich von nichts wusste und fiel schließlich mir auf.

Wir verstauten unser Gepäck hinten in seinem Kleinbus und nahmen Platz. An einer breiten Ausfallstraße warteten wir eine ganze Weile auf einen weiteren älteren Mann, der neben dem Fahrer Platz nahm. Der hatte inzwischen freundlicher Weise das Bordfernsehen für uns aktiviert, so dass wir die kurdische Schnulzenmusik in Ton und Bild genießen konnten. So ging es hinaus in die weite, von großen Felsbrocken übersäte Ebene.

Stellenweise waren die Steine zu Linien und Haufen zusammengetragen, manchmal lagen sie dicht an dicht auf weiter Fläche. Stellenweise weideten dazwischen Schafe und Rinder, wie stets hier begleitet von Hirten, die aber nicht verhinderten, dass die Tiere neben oder auch auf der Fahrbahn heumliefen. Wir fuhren auf der gut ausgebauten Straße mit gut 90 km/h dahin. Nebel war aufgekommen.

Das Land wurde wieder hügeliger, dann auch grüner. Es gab Ackerbau und einzelne ungeordnet wirkende Ansiedlungen aus verstreut liegenden Häusern und Hütten. In Siverek dann wieder Hochhäuser. Am Ortsrand eine kurze Polizeikontrolle. In der Stadt auffallend viele Männer in traditionellen weiten Beinkleidern und karierten Kopftüchern. Jenseits der Stadt vereinzelt Zeltsiedlungen, wir wissen nicht, ob von Nomaden oder syrischen Flüchtlingen. Eine Schafherde überquerte in langer Reihe die Straße. Wir warteten.

Dann, tief eingeschnitten, das Tal des Euphrat, der hier zu einem riesigen langen See, dem Atatürk-Stausee, aufgestaut wird. Eine große Hängebrücke ist gerade im Bau. Wir konnten das Flackern der Schweißgeräte in luftiger Höhe sehen, während wir auf die Fähre warteten. In einer provisorisch wirkenden Hütte gab es Getränke. Vor der Hütte für uns und die Männer, hinten in einem eher finster wirkenden Verschlag für einige verschleierte Frauen.

An der ersten Überfahrt konnten wir noch nicht teilnehmen, weil das Schiff schon voll war. Auf der anderen Seite dann hügelige Landschaft mit Büschen und Bäumen. Die Straße wurde nun schmaler und kurviger und ging mal auf, mal ab. Wir erreichten das Gebiet des Berges Nemrut, den wir erklimmen wollten.

Dann wurde es wirklich gebirgig. An einer Schranke mussten wir Eintritt zahlen, dann ging es kurvig und rüttend auf Pflaster weiter bergan. Je höher wir kamen, umso nebeliger wurde es leider. Als wir oben am Gipfel ankamen, konnte man nur noch hundert Meter weit sehen. Unverdrossen stiegen wir dennoch hinauf zum Grabmal des Antiochos in 2100 m üdM. Die riesigen antiken Steinköpfe dort bekamen durch den Dunst sogar eine ganz spezielle Magie. Während unseres Abstiegs rissen dann für Momente die Wolken auf und gaben stellenweise den Blick auf das berühmte Panorama mit dem langgezogen mäandernden Stausee frei. Während wir uns im Teehaus etwas aufwärmten, wurde es klarer und als wir die Serpentinenstraße wieder hinunter fuhren, kam die Sonne durch.

Auf dem Weg durch kleine Dörfer sahen wir Kinder, die in steilem Gelände auf Eseln reitend Schafe hüteten. Eine Ziegenherde wurde die Straße entlang getrieben.

So gelangten wir schließlich zu den Ruinen von Arsameia, wo wir nicht alleine waren, denn es gab noch eine Gruppe österreichischer Touristen mit Führerin, die auf dem Berg herumkletterten. Wir besichtigten die alten Reliefs, guckten in die Höhlen und genossen bei strahlendem Sonnenschein den Ausblick ins Land.
Nächstes Etappenziel war eine sehr gut erhaltene altrömische Brücke über den Fluss Cendere, die wir im warmen Spätnachmittagslicht schön fotografieren konnten.

Dann ging es wieder hinaus in die Ebene zu unserem Tagesziel Adiyaman. Wir logieren komfortabel aber preiswert im “Grand Hotel Iskander”. Anna und Sarah fanden sich in einer großzügigen Suite wieder und gingen erst nochmal fragen, ob man ihnen vielleicht den falschen Schlüssel gegeben habe. Nein, alles hatte seine Richtigkeit und wir hatten einen Raum für den abendlichen Umtrunk.

Vorher machten wir noch einen Rundgang durch die nicht weiter erwähnenswerte Innenstadt und fanden vorzügliches Essen in einem Lokal namens Karawanserei. Allerdings war der Kellner so beflissen und stolz auf seine Englischkenntnisse, dass er uns mit stets neuen Freundlichkeiten und Angeboten andauernd beim Essen störte, bis wir ganz nervös waren.

Die Suite von Anna und Sarah war zum Schluss der passende Platz für den Ausklang.

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Türkei 2014 – Diyarbakir (15.04.2014)

Nachts gab es draußen mal ein Gezeter und Palaver, das uns weckte, morgens dann die Stimme des Muezzin. Am Bett zeigt ein Aufkleber mit einem Pfeil die Gebetsrichtung nach Mekka an. Das Bad ist komfortabler als in Van, allerdings steht auch hier das Klosett innerhalb der geräumigen Duschkabine und der Brauseschlauch reicht bis dorthin, ein Hinweis auf die muslimischen Hygienerituale. Der Frühstückstaum liegt im obersten Stockwerk und hat große Fenster nach zwei Seiten. Das ist schön hell und man sieht über die Dächer, an einer Stelle auch hinaus in die grüne Ebene des Tigris. Vormittagsspaziergang durch Gassen und Basar. Dann eine längere Verhandlung im Tourist-Office über Transportmöglichkeiten für den nächsten Tag. Besteigen der Stadtmauer. Mit dem Dolmus hinaus zur Zehn-Augen-Brücke, wo wir über dem Tigrisufer an kleinen Tischen Tee trinken. Auf der Brücke spielt ein alter Mann ohrenbetäubend auf einer alten Flöte. Ein Taxi bringt uns zu acht in atemberaubender Fahrt mit heißer Musik zur Busstation. Anna sitzt im Kofferraum. Im beginnenden Regen finden wir gleich auch ein Dolmus nach Mardin. Es geht ziemlich schnell dahin. Auf dem Mittelstreifen der Schnellstraße liegen oder grasen bisweilen Esel. In Mardin suchen wir den Weg hinauf zur Burg. Schon auf dem Weg dorthin genießen wir die phantastische Aussicht über die Ebene des Euphrat, so dass es nicht allzu schlimm ist, dass wir nicht ganz hinauf gelangen. Von weitem sehen wir schon lange ein Regengebiet kommen und steigen eilig über steile Treppen und durch enge Gassen ab. Mit dem Beginn eines kräftigen Regengusses langen wir unten an und flüchten in ein Teehaus, wo es auch Baklava und für Laurin einen blauen Marzipanelefanten gibt. Nicht nur deswegen hat sich der Ausflug nach Mardin gelohnt. Es gibt viele sehr schöne Gebäude mit feinziselierten Ornamenten, auch einige christliche Kirchen. Frauen sind viel mehr im Straßenbild sichtbar, oft unverschleiert, manchmal auch westlich gekleidet und treten selbstbewusst auf. Auf die Frage.nach einem Dolmus in Richtung Diyarbakir landen wir zunächst  auf  einer ziemlich langen Rundfahrt mit einem Stadtbus, bis wir unten in der Neustadt ein plüschbezogenes Dolmus umsteigen dürfen. Dort sitzen wir am Ende sardinengleich mit zwei Japanern und etlichen Einheimischen, während der schon etwas  betagte und beim Zahlen rechenschwache Fahrer mit uns nach Diyabarkir zurückbrettert. Ein weiteres Dolmus bringt uns in die Nähe des Hotels, von wo aus wir bald zum Essen aufbrechen. Zum abendlichen Umtrunk gibt es heute Raki und Rotwein im Zimmer von Anna und Sarah. Am Ende des Tages hat Anna eine nette Kurzhaarfrisur. Veröffentlicht mit WordPress für Android

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Türkei 2014 – Van – Diyarbakir (14.04.2014)

4:00 Uhr morgens. Der Muezzin hat heute Strom. Wir drehen uns nochmal um. Irgendwann ist dann doch Zeit, aufzustehen. Die Dusche noch immer zum Niederknien, die Treppe hinunter nach wie vor ein Abenteuer, weil die Stufen ganz unterschiedlich hoch sind und man nur bei genauer Sichtkontrolle nicht ins Stolpern gerät. Zum Frühstück eine Rede von Erdogan im TV, bis ihm der morgendliche Stromausfall ein Ende macht. Markus zu Laurin: “Auch wenn der Strom zeitweise wiederkehrt, fahren wir hier heute nicht mehr mit dem Lift, denn wir wollen den Bus nehmen und nicht im Aufzug festsitzen.”

Nach dem Frühstück packen. Markus sitzt mit der Landkarte im Aufenthaltsraum und plant. Bei mir melden sich die ersten Kunden von daheim. Wenn sie hören, dass ich in Kurdistan bin, wappnen sie sich, wie wir, mit Zeit. Ich maile Ferndiagnosen und, so hoffe ich, -heilungen und meditiere über den Gegensatz zwischen europäischem Effizienzdenken und dem Orient, der uns hier umgibt.

Am Ticketshop, wo er vorgestern die Busfahrt nach Diyabarkır gebucht hat, wird Markus per Handschlag begrüßt.  Wir dürfen zunächst in einem Shuttlebus Platz nehmen, der uns zum Busterminal bringen soll. Immer mehr Leute stapeln ihr Gepäck im Gang. Als unterwegs noch jemand zusteigt, purzelt ein Gepäcksack hinaus auf die Straße.

Der eigentliche Bus ist dann sehr komfortabel, mit Bildschirm an jedem Platz. Ich packe die Kopfhörer aus und reise fortan passend begleitet von türkischer Popmusik. Wir verlassen die Stadt und fahren dann noch einmal am Van-See entlang, anders als gestern bei strahlender Sonne. Blaues Wasser, schneeweiße Berggipfel, vereinzelte weiße Wolken. Das hatte schon vom Flugzeug aus phantastisch ausgesehen.

Der Steward bringt Tee und kleine Schokoriegel, anschließend parfümiertes Wasser für die Hände. Auf verkehrsarmer breiter Piste rollen wir dann stetig bergan. Es gibt funktionierendes W-Lan im Bus. Die Verbindung zur Außenwelt schwächelt etwas, aber ein paar Mails kommen herein.

Unterwegs eine Pro-Forma-Miliärkontrolle. Ein Panzer, eine Mauer, ein paar Sandsäcke. Ein Koffer muss geöffnet, ein Ausweis vorgezeigt werden, dann geht es weiter. Ein langer Tunnel, dann etwas abwärts und weiter in weiten Kurven durch weich geformte Berglandschaft mit fernen Schneegipfeln. Einzelne Herden von Rindern und Schafen. Dann unvermittelt wieder die weite blaue Fläche des Sees. In Tatvan verlassen wir ihn endgültig.

Kurzer Aufenthalt in Bitilis. Malerische orientalische Hauptstraße. Anna und Sarah melden, dass sie in München schon im Flieger sitzen. Dass ich derlei einmal in einem kurdischen Bus erfahren würde, hätte ich nicht gedacht. Danach auf breiter Straße talwärts, bis zu einer Raststätte, wo wir zur Toilette gehen, Tee trinken und uns etwas die Füße vertreten können, dann weiter bergab.

Nach einigen Kilometern erneut ein Kontrollpunkt und wenig später sehen wir, wie ein Kranfahrzeug versucht, einen ausgebrannten abgestürzten Lkw aus dem recht tiefen Flusstal zu bergen. Dann Rinder auf der Straße, dann ein paar Felsbrocken. Die Berglandschaft wird im Absteigen grüner, die Bäume schon frühlingshaft belaubt.

Während wir immer weiter abwärts fahren, weitet sich langsam die Landschaft. Je näher wir Diyabarkir kommen, umso flacher wird es. An diesem Montag erreichen mich ein paar Anrufe und Mails von zu Hause. Einem Kunden kann ich per Mail helfen, ein anderer braucht nur Beratung und die hat Zeit bis zur Rückkehr. Einmal geht es um eine Gemeinderatsangelegenheit. Die Leute sind amüsiert, wenn sie hören, dass ich in Kurdistan im Bus sitze. Ich auch. Alles hat seine Zeit.

Am Ende der sonnigen Tagesfahrt kommt schließlich Regen auf, der aber schon wieder nachlässt, als wir Diyarbakir erreichen. Als mein Navi die größte Nähe zum Hotel anzeigt, steigen wir unter lautem Gehupe der nachfolgenden Autofahrer am Straßenrand aus und finden auch gleich ein Taxi, das uns zum Hotel bringt.

Nur kurz eingcheckt und gleich wieder hinaus zu einem Rundgang mit Lokalsuche. Quirliges Leben in den dunklen Straßen macht Lust auf einen Bummel bei Tage. Schließlich finden wir ein Restaurant, das uns behagt und wo wir vorzüglich essen. Die Zeit bis zum Empfang von Anna und Sarah am Flughafen verbringen wir in der Diwan-Ecke des Hotels. Es hat wieder begonnen, zu regnen.

Mit dem Taxi zum Flughafen, etwas spannende Warterei, weil nicht klar war, ob das Flugzeug schon gelandet war oder nicht. Schließlich wird die Landung bekannt gegeben und dann sehen wir die beiden. Großes Hallo.

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Türkei 2014 – Van (13.04.2014)

Guten Morgen Van! In der Nacht das übliche Geraufe im südländischen Bett. Immer ist die gemeinsame Decke woanders.

Woran bemerkt der moderne Reisende den morgendlichen Stromausfall? Am Schweigen des Muezzin? Daran,  dass der Kühlschrank im Zimmer nicht mehr rappelt? An der fehlenden W-Lan-Verbindung! Aber warmes Wasser, wie im Prospekt. Nur dass die Duscharmatur kaputt ist und das Wasser nur aus dem Hahn ganz unten in Kniehöhe kommt.

So gesäubert zum reichhaltigen Frühstück. Die Büchlers schon da.

Wir laufen ein paar Straßen weit, suchen ein Sammeltaxi nach Hosab, finden eines, das uns für 40TL mitnimmt. Zwei Leute kommen noch,  dann geht es los. Unterwegs steigt noch eine offenbar kranke Frau mit Begleiter zu.

Moderne Häuser, baufällige Hütten, Ruinengrundstücke, planierte Schutthalden in buntem Wechsel. Handgeschobene Obstkarren, Lastenräder, verbeulte Lieferwagen und moderne LKW nebeneinander. Gepanzerte Polizeifahrzeuge, Wasserwerfer mit Räumschild. An einem Militärgelände ein Wachsoldat hinter Sandsäcken. Eine breite leere Ausfallstraße bergan. In der kargen Landschaft ein Hirt mit Schafen. Auf der anderen Seite Neubaugerippe. Türkische Musik aus dem Lautsprecher, Schneeflecken auf den Hügeln. Blick auf verschneite Gipfel. Auf breiter Piste hinunter ins nächste Tal.
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Unser Dolmus tankt. An der Tankstelle wird noch gebaut. Über uns schweben provisorisch befestigte Stahlträger, auf denen Arbeiter ungesichert herumturnen. Einer bringt ein Schweißgerät auf ein wackeliges Rollgerüst über den Zapfsäulen.

Ein langgezogener Stausee. Unser Fahrer brettert, schneidet die Kurven auf der breiten vierspurigen Straße bis an den linken Rand. Wir überholen einen Kleinlaster voller Hühner in Käfigen. Federflattern im Fahrtwind.

Ankunft. Ein Straßendorf aus zwei Dutzend Hütten. Teestuben, Läden, Werkstätten. Über eine Brücke, dann langsam den Berg hoch zur Burgruine. Blick von oben auf ein Lehmhüttendorf.

Ruinenkletterei mit Ausblicken hinunter in die Ortschaften, hinaus auf schneebedeckte Berge bis hinüber in den Irak. Unten Schüsse, Hupen, ein kleiner Autokonvoi, eine Hochzeit vermutlich. Auf einem Platz unten ist eine Bühne aufgebaut, Stuhlreihen. Vorbereitungen zu einer Veranstaltung oder einem Fest.

Leichter Regen beim Abstieg. Kinder und ein schmutziger Hund interessieren sich für uns. Der Hühnerlaster ist inzwischen bei den Lehmhütten angelangt. Die Bewohner kommen heran, kaufen flatterndes Federvieh, das sie an den Beinen gepackt nach Hause tragen. So bleibt ein Huhn länger frisch, als im Kühlschrank. Wir stehen eine Weile an der Straße, Markus und ich halten Ausschau nach einem Transportmittel, die Damen und Laurin bevölkern derweil einen kleinen Laden mit Ausschank. Keine einheimischen Frauen auf der Straße,  über die ein Transparent gespannt ist, das für das heutige Fest wirbt. So lange wird es wohl noch halten, auch wenn jeder darunter vorbeifahrende Lastwagen ein Wenig daran zerrt.

Ein Dolmus kommt, die Richtung stimmt ungefähr, wir fahren mit. Zurück auf der breiten Straße, es regnet. Wir biegen nicht ab, sondern es geht wieder nach Van. Dort etwas verhandeln, rätseln, palavern, dann landen wir an einer Art Dolmus-Bahnhof und steigen um in einen Sechzehnsitzer, der uns nach Gevas bringen soll. Es bleibt kühl und regnerisch heute.

Am Ufer des Van-Sees Picknick-Areale. Die Leute grillen Fisch und essen Mitgebrachtes. Wo Frauen sitzen, sind einige Picknick-Pavillons mit Tüchern verhängt. Ein dicker Mann steigt zu und nimmt auf einem der winzigen Plastikhocker Platz, die vorne gestapelt sind. Er lächelt uns freundlich an, probiert eine Unterhaltung mit Gesten. Wir wollten eigentlich nur zur Fähre am See, aber unser Kleinbus nimmt uns zuerst noch mit auf einen Ausflug hinauf nach Gevas, einen schäbigen Ort mit kaputten Straßen, wackeligen Ställen neben neuen Gebäuden. Ganz oben eine Art Kaserne, dann wieder zurück. An einer Teestube macht der Fahrer erstmal Pause.

Eine Stunde nachdem wir den See  verlassen haben, sind wir wieder dort. Die Überfahrt zur Insel erfolgt nach dem nun schon reichlich bekannten Dolmus-Prinzip: verhandeln, warten wenn dann genügend Leute beisammen sind, geht die Fahrt los. Das ist ein Land für Menschen, die Zeit haben. Wie wir. Schließlich ist Urlaub.

Am Boot nehmen wir in der Kajüte Platz, wo es einen Diwan gibt  windstill ist. Dann dieselt die Schaluppe mit großem Getöse los und aus dem kleinen Hafen hinaus der Seeinsel zu. Leider beginnt es zu regnen und wir umrunden die alte, von blühenden Mandelbäumen umgebene armenische Kirche nur kurz und gehen dann wieder in unsere Kajüte.

Unser Boot ist das letzte, das die Insel verlässt und so warten wir sehr lange, bis alle Besucher von der Kirche und den umliegenden Hügeln zurück sind. Schließlich kommt auch noch der Mann, der bei der Ankunft drei Lira von uns kassiert hatte und es kann losgehen. Ganz schnell dann der Weitertransport an Land, denn da wartet schon ein Dolmus und sofort geht es los zurück in die Stadt.

Es ist recht kühl geworden. Also gehen wir kurz ins Hotel, um uns wärmere Kleider zu holen, dann machen wir uns auf Nahrungssuche. Unweit des Hotels gibt es zahlreiche Imbisse. Bei einigen schauen n wir durchs Fenster, in eines gehen wir topfgucken, wobei fast die ganze Belegschaft für uns Spalier steht, bis wir uns entscheiden, doch nicht da zu bleiben, weil unsere vegetarische Abteilung nichts Rechtes finden kann . Schließlich entdecken wir ein Lokal, wo wir die Kellnerei etwas mit unserer Speisenfolge verwirren, aber gut zu Essen bekommen.

Auf den Straßen trotz der Kälte reges Abendleben. Ausrufer skandieren die Ziele von Bussen, die meisten Geschäfte geöffnet, in einem Süßigkeitenladen machen wir noch Halt, dann gehen wir zu einem gemütlichen Abendtrunk zurück ins Hotel.

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Türkei 2014 – München – Van (12.04.2014)

5:30 Uhr, Autobahnring München Ost. Der Taxifahrer koordiniert per Funk den Abtransport später Gäste der Maibaumwachen aus den umliegenden Dörfern. Auch sonst ist schon allerhand los auf der Straße, an diesem ersten Tag der Osterferien.
Am Airport relative Ruhe. In den weiten Hallen verläuft sich die Menge. Wohin? Wir verlaufen uns auch, stehen unschlüssig herum, bis uns ein freundlicher Anruf zum richtigen Check-In-Bereich dirigiert. Dort warten schon Gruppen von Menschen in orientalischen Gewändern. Und die Freunde mit unseren Tickets. Begrüßung, Gschichtlnerzählen, während sich die Schlange langsam durch die Absperrung schlängelt. Im Voranrücken noch etwas umpacken, die Jacke ist jetzt zu warm. Dann Gepäckabgabe. Mein Rucksack wiegt 13,7 kg,  Friederikes 12,1. Aha, in Istanbul müssen wir selber mit den Sachen von Flugzeug zu Flugzeug, weil es am Ziel, in Van, keine Zollabfertigung gibt.

Dann los zum Flieger. Es ist noch reichlich Zeit, aber wir sind unter den letzten. Die meisten klemmen schon an Bord in den Sesseln. Wenig Arm- und Kniefreiheit auf der kurzen Strecke. Fliegen geht schnell, aber der Vorlauf dauert. Am Ende sind wir dann doch in der Luft.

Keine besonderen Vorkommnisse, das Essen eingeschlossen, das mangels Ellenbogenfreiheit nicht ganz einfach zu verzehren ist.

In Istanbul bedeckt und kühl. Mit dem Bus vom Vorfeld zum Terminal, Gepäck abholen und weiter zum Inlandsbereich. Da hatten wir dann reichlich Zeit, beim Warten Tee zu trinken. W-Lan gab’s auch.

Wieder Leibesvisitation und noch etwas warten bis zum Einchecken für den Inlandsflug nach Van. Same procedure. Safety instructions. Am Boden sind die großen Vögel träge. Also dauerte es noch etwas, bis wir wieder in der Luft waren und uns Istanbul von oben anschauen konnten. Stadt und Küste und Meer und Wolken und als dunkle Flecken auf den noch winterkargen Feldern ihre Schatten.

Wieder was zu essen. Auberginenpaste, ein Geflügel-Käse-Brötchen, aus deren zweien wir ein Geflügel- und ein Käsebrötchen bauen. Mousse au Schokobanane. Alles ganz ordentlich. Draußen drunten gelegentliche Schneeberge. Flusstäler, kleinparzelliges Ackerland, zackige Straßenverläufe lassen aus der Vogelperspektive bergiges Land erkennen. Dann weiträumige spätwinterliche Berglandschaft und schon wieder “fasten your seatbelts” zum Sinkflug.

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Sehr schöner Anflug auf Van mit See, Schneebergen, vereinzelten neuen Siedlungen verstreut in der kargen Landschaft. Der Flughafen klein und provinziell. Ein Taxi zu sechst mit Gepäck zum Hotel. Etwas schäbige türkische Moderne mit einer sensationellen gepolsterten Klobrille, weder komfortabel, noch überzeugend hygienisch, aber sehr lustig.

Gleich wieder los durch die Stadt. Alte verfallene Häuser und neue in jedem Stadium der (Nicht-)Fertigstellung. Keine Touristen. Die Leute beobachten uns, schauen uns nach, manche grüßen. Wir suchen ein Dolmus zur Burgruine, laufen ziemlich lang die Straße entlang, warten an einem Platz, bekommen Sitz- und Stehplätze in einem mit 25 Personen besetzten Gefährt. Spottbillig.

Am Fuß des Burgberges Verwirrung. Linksrum? Rechtsrum? Ein Mann erklärt, wir verstehen nicht viel. Linksrum. Durch eine vielbenutzte Zaunlücke in das Gelände, steil hinauf zur Burgmauer. Die ist frisch restauriert, man kann oben entlang gehen, hohe Stufen erklettern, bis fast zur eigentlichen Burg. Fast. Zurück ein Stück, dann etwas tiefer auf Trampelpfaden rechts um die Burg. Alles sehr beeindruckend, auch wenn es zum Sonnenuntergang über dem See nicht mehr ganz gereicht hat.

Mit einem Dolmus über verwinkelte Lehmstraßen zurück zur Stadt. Auf der Suche nach dem Busbahnhof im Niemandsland einer großen Straßenkreuzung gelandet. Am Ende in einem Imbiss nahe dem Hotel gut gespeist und heim. Markus macht sich noch auf die Suche nach vier Dosen Efes und mit denen beschließen wir den ersten Tag dieser Reise.

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Pfingstradeln im Salzkammergut

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Bilder von drei schönen Radltagen von Salzburg über St. Gilgen und Seewalchen am Attersee bis Oberhofen am Irrsee, 19.-21. Mai 2013

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Istanbul 2013 – 09 – Istanbul – 31.03.2013

Heute profitierten wir ganz besonders von der günstigen Lage unseres Hotels. Morgens gingen wir zu Fuß zur Hagia Sophia, der großen Moschee, die einst als christliche Kathedrale das Zentrum Ost-Roms gewesen war und heute als Museum säkularisiert ist. Bis wir hinein konnten, mussten wir erst ziemlich lang in der Sonne Schlange stehen, um Eintrittskarten zu lösen und später nochmal etwas weniger lang, um auf das Gelände zu kommen. Der Besuch drinnen war wirklich eindrucksvoll und lohnend, auch wenn natürlich großer Besucherandrang war.

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Anschließend wanderten wir über den großen Platz zur Sultan-Ahmed-Moschee und trafen dort im Vorhof ganz zufällig Bekannte, mit denen wir uns eigentlich erst in den nächsten Tagen hatten verabreden wollen.

DSC_2099So unternahmen wir die Besichtigung gemeinsam und setzten uns anschließend noch zum Kaffee. Langsam weicht die Winterblässe aus unseren Gesichtern, denn es ist sonnig und tagsüber schon sehr warm.DSC_2126 DSC_2130Anschließend machten wir kurz Pause im Hotel und fuhren dann mit der Straßenbahn hinüber nach Beyoglu, zum Abendessen und anschließenden Flanieren.

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Istanbul 2013 – 08 – Istanbul – 30.03.2013

Gut ausgeruht starteten wir in unseren ersten Tag in Istanbul. Wir hatten uns einige Besichtigungen vorgenommen und gingen als erstes zum Topkapi Serail.

DSC_1871Dort mussten wir erst an der  Kasse und dann nochmal am Einlass mit vielen Menschen aus aller Herren Ländern Schlange stehen.

DSC_1912Es gab viel zu besichtigen und zu fotografieren und als wir gerade knapp durch waren, wurde schon geschlossen und es war zu spät für die beiden Moscheen, die wir eigentlich auch gerne gesehen hätten.

DSC_1889So gingen wir kurz ins Hotel und dann wieder hinaus in die abendliche Stadt. Gleich um die Ecke fanden wir einen Imbiss und dann gingen  wir über die Galata-Brücke nach Beyoglu, wo reges Abendleben im Gange war.

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Istanbul 2013 – 07 – Sofia – Istanbul – 29.03.2013

Ein paarmal wurde unser Wagen rangiert und stand länger auf abgelegenen Gleisen herum. Unsere Hoffnung, dass unser wunderbarer Schlafwagen irgendwann doch noch aus dem Dunkel der Nacht auftauchen würde und wir in bequeme Betten umziehen könnten, erfüllte sich nicht. Dafür wurden wir kurz vor drei Uhr nachts zur Grenzkontrolle geweckt.  Wir hielten unsere Ausweise bereit und warteten. Nach einer Weile kam der Schaffner und rief nochmal “Police, Passport” und den Reisenden  begann zu dämmern, dass die Kontrolle außerhalb des Zuges stattfinden sollte. Der Schaffner war die Strecke bestimmt schon viele Male gefahren und schien ungläubig darüber zu staunen, dass die Reisenden die Prozeduren dieser Fahrt noch immer nicht kannten.

Wir packten also vorsichtshalber unsere Wertsachen ein, damit sie nicht in dem unbewacht herumstehenden Waggon verloren gingen und begaben uns zu einem nahen Flachbau. Je nach Nationaliät benötigten die Reisenden ein Visum, wozu sie zu einem anderen Flachbau mussten, um dort zu erfahren, dass es 15 Euro in bar kostete. Die borgte ich einem Niederländer, mit dem Pia sich im Zug lange unterhalten hatte. Nach welchen Kriterien die Visapflicht für einzelnen Nationalitäten bestand oder nicht, konnten wir nicht nachvollziehen. Als wir an der Reihe waren und einzeln statt Pässen unsere Personalausweise durch die Öffnung in den dicken Gitterstäben reichten, wurde das nicht beanstandet. Da sich aber Personalausweise nicht stempeln lassen, wie Pässe, bekamen wir den Einreisestempel auf unscheinbaren amtlichen Zettelchen, auf denen sonst nur noch unser jeweiliger Vorname stand. Dann durften wir zurück in den Zug, wo einige der anderen Reisenden noch den Inhalt ihres Gepäcks vorweisen mussten.

Jedem Staat auf der Welt, der dies für nötig hält, sei es gegönnt, seine Grenzen zu sichern und sich gegen unerwünschte Eindrinlinge oder Importe zu wappnen. Ein wenig Respekteinflößung oder anderweitige Darstellung staatlicher Souveränität mag auch zugestanden werden. Aber was wir da mitten in der Nacht irgendwo an einem abgelegenen Grenzort zwischen Bulgarien und Türkei erlebt haben, war – gelinde gesagt – seltsam, liebes Gastland Türkei.

Der kurze Zug ruckelte weiter und als es schon hell war, verkündete der Schaffner, dass in zehn Minuten Istanbul erreicht sei und verlangte rasch das Bettzeug, in das wir uns gehüllt hatten. Unsere Telefone zeigten mit Hilfe von GPS, dass wir noch etwas mehr als 40 km vom Stadtzentrum entfernt waren. Draußen war weitgehend leere Landschaft mit verstreuten Haufen von Plastikmüll.

Der Zug fuhr noch eine ganze Weile weiter. An einer Stelle wurde kurz gehalten, weil die Oberleitung seitlich herabhing und an den Waggons streifte. Die Diesellok zog uns dann langsam weiter bis zu einem winzigen Vorortbahnhof an einer großen Ausfallstraße und da war Schluss. Istanbul! Aussteigen! Ungläubig staunend leisteten wir schließlich Folge und marschierten hinter einem Schaffner her über eine Fußgängerbrücke auf die stark befahrene Schnellstraße zu und, kleine Lücken zwischen den Autos nutzend, hinüber zu einer unscheinbaren Busstation. Dort sollten wir dann nochmal je einen Euro für die Busfahrt löhnen und es nutzte nichts, dass wir auf unsere bereits bezahlte Zugfahrkarte verwiesen. Wir hatten keine Euro-Münzen und der Holländer konnte sich revanchieren, indem er mit Bulgarischen Lew für uns bezahlte. Der erste Bus war überfüllt, der zweite wurde mit uns gut voll und brachte uns schließlich in die Stadt und in Bahnhofsnähe. Von dort aus fanden wir auch schnell unser Hotel und wurden freundlich mit Frühstück bewirtet, bis unsere Zimmer hergerichtet waren.

DSC_1742Nachdem wir eingezogen waren, machten wir einen Rundgang, freuten uns an der Tulpenpracht im Park unter dem Sultanspalast, taten erste Blicke hinaus auf den Bosporus und schauten nach den Besichtigungszeiten der großen Moscheen, die sich in bequemer Laufweite unseres Hotels befinden.

DSC_1752Endlich sind wir im Frühling angekommen und freuen uns nicht nur über die Wärme, sondern auch auf die Begegnung mit orientalischer Kultur und Lebensart, die uns hier erwartet. In beginnender Abendkühle ertönte von allen Seiten der Ruf des Muezzin und wir suchten uns alsbald ein Lokal fürs Abendessen. Unsere erste türkische Mahlzeit hat uns recht gut geschmeckt, auch wenn wir die Rechnung am Ende nicht ganz verstanden haben. Sie war moderat genug, das einmal auf sich beruhen zu lassen.

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Istanbul 2013 – 06 – Sofia – 28.03.2013

Wir lagen eingehüllt in alle unsere Kleider und je zwei Wolldecken und versuchten, zu schlafen. An den Fenstern gefror das vom Dach herabgeflossene Tauwasser. Einmal kam ein Mechaniker und wühlte in einem Schaltschrank, aber unsere Hoffnungen erfüllten sich nicht. Es wurde eher noch kälter und irgendein Ventilator, der sich nicht abschalten ließ, führte ständig einen leichten Stom Außenluft herein. Zur Abwechslung gab es die üblichen Grenzkontrollen, Zollkontrollen, Fahrkartenkontrollen.

Schließlich kamen wir in Sofia an. Der Bahnhof monumental gebaut und bescheiden ausgestattet und beschildert. Mit Mühe fanden wir die Gepäckaufbewahrung, wo eine extrem mürrische Frau Dienst tat. Ein Guide, den wir eigentlich gerne gemieden hätten, half uns mit der Auskunft, dass wir zwei Lew pro Gepäckstück zu zahlen hätten. Ein Wechselschalter bot die Möglichkeit, unser restliches Serbisches Geld  einzutauschen.   Es war klar, dass wir da keinen guten Kurs bekommen würden, aber hier war das Ergebnis so schlecht, dass Friederike nochmal zurückging, um sich zu beschweren.  Der Mensch hinter dem Schalter blieb natürlich stur. Sein Boss, der während der Transaktion mit Klebefilm Ziffern auf einer Kurstafel befestigt hatte, kam uns dann allerdings rufend durch den ganzen Bahnhof nachgelaufen und reichte noch zehn Lew nach. Das machte die Sache etwas besser.

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Wir vertrauten der Mürrischen unser Gepäck an und liefen stadteinwärts. Im Regierungsviertel verlor sich eine Demonstration einer nationalistischen Partei zwischen den monumentalen Bauten. In der übrigen Stadt gab es tiefe Löcher in Straßen und Gehsteigen. Wir liefen über einen Markt, wo von sorgfältig aufgebauten Stapeln Obst und Gemüse verkauft wurden. Am Straßenrand boten arme Leute kleine Mengen Gemüse an. Ebenso ordentlich arrangiert gab es in einem anderen Teil des Marktes Kleider, bunter Arrangements von Unterhöschen und Büstenhaltern, einige Stände boten Militaria an, auch ein UN-Blauhelm war dabei.

DSC_1713Gut aufwärmen konnten wir uns beim Besuch einiger Kirchen, die immer gut geheizt sind. Auch hier wanderten die Gläubigen von Ikone zu Ikone, einmal sahen wir einen Priester, der in Gegenwart eines Ehepaares laute Gebete an einer Ikone vortrug, so als seien sie von ihnen bestellt worden. Um die Wandbilder und Ikonen vor dem Ruß der zahlreich gespendeten Votivkerzen zu schützen, gibt es in vielen Kirchen Kerzenständer mit Rauchabzug, bisweilen auch Kästen im Freien vor der Kirche, wo die Kerzen aufgestellt werden sollen.

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Auch ein paar nette Cafes fanden wir und zum Schluss auch ein gutes Restaurant, wo wir ausgiebig zu abend aßen, um gewappnet zu sein für die letzte nächtliche Zugfahrt dieser Reise. Die sollte spannender werden, als uns lieb war.

Es begann damit, dass wir zwar rechtzeitig am Bahnhof waren, um unser Gepäck wieder bei der Mürrischen abzuholen und bequem den Zug zu erreichen, aber es stellte sich heraus, dass uns niemand sagen konnte, wo das Gleis 7 sei, das auf der Anzeigetafel als Abfahrtsort unseres Zuges genannt war. Niemand verstand auch nur unsere Frage, so dass wir, nun schon recht knapp, auf eigene Faust suchten und in der Tat paar wenige einsame Waggons fanden, die den Zug nach Instanbul darstellten. Von dem wunderbaren Schlafwagen allerdings, für den wir zwei luxuriöse Doppelkabinen gebucht und bezahlt hatten, war weit und breit keine Spur. Vielmehr handelte uns der Liegewagenschaffner nochmal je zehn Euro für Liegewagenplätze ab, teilte die üblichen Tücher, Kissen und Decken aus und los ging die langsame und ruckelige Fahrt in die Nacht.

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Istanbul 2013 – 05 – Belgrad – Sofia – 27.03.2013

Unser Abendlokal Iguana lag am Save-Kai, in einer ehemaligen Halle, und so gingen wir am Wasser entlang, dann durch einsame finstere Straßen mit baufälligen Häusern, dem Hotel zu. Es ist wirklich erstaunlich, wie einfach solche Wege mit GPS zu finden sind.
Am Morgen frühstückten wir ausgiebig, checkten aus, und brachten unsere Rucksäcke zum kleinen Gepäckraum des Hotels wo wir eine Weile warten mussten, weil sich drinnen noch eine Hotelangestellte umzog. Dann schauten wir uns kurz den Markt an der nahen Busstation an uns fuhren dann nach Zemun, einem sehr netten kleinen Vorort mit kleinen Häusern und  einem Turm oben am Berg, von wo die Aussicht noch viel besser gewesen wäre, wenn es nicht geschneit hätte. Am Donauufer lag Treibholz und die Gartenstühle der Lokale waren verwaist. Dafür fanden wir im Ort das Café Hollywood Stars, wo wir uns wieder aufwärmen konnten.

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Zurück in Belgrad besichtigten wir noch die Markuskirche, dann die große Burganlage, wo wir eine Weile umherwanderten, um uns schließlich ein Lokal zum Abendessen zu suchen. Dann ging es zum Bahnhof, wo wir mit Freude auch gleich den richtigen Waggon und unsere Liegeplätze fanden. In zwei Nachbarabteilen waren wieder Schotten, die gut getankt hatten und deshalb die Kälte nicht so spürten, denn der Wagen war nicht geheizt. Aber der Zug stand ja noch und der Liegewagenschaffner verteilte schon einmal Decken für die Nacht. In die hüllten  wir uns bald, denn es wurde frostig und das Wasser, das außen an den Fenstern entlangfloss, gefror zu Eis.

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Istanbul 2013 – 04 – Belgrad – 26.03.2013

Die Nacht im Hotel Kasina war nicht ganz störungsfrei. Draußen tropfte es kontinuierlich aufs Fensterbrett und irgendwo rauschte ein großes Gebläse. Von Zeit zu Zeit klopften Spätheimkehrer kräftig an Türen, um von ihren bereits schlafenden Zimmergenossen eingelassen zu werden. Im Zimmer der Mädels ließ sich die Tür zum Balkon mit dem imposanten Stadtblick nicht recht schließen ließ, so dass es kalt hereinzog. Andererseits waren wir müde genug von der Zugfahrt  und deren physische Erinnerung rüttelte mich sanft durch die Nacht.

Morgens schneite es leicht und die Dächer waren mit einer dünnen Schneeschicht überzogen. Das Frühstücksbuffett im riesigen, leeren, kalt neonerleuchten Speisesaal war ohne Sensationen und der Kaffee gänzlich ungefährlich. Wir frühstückten und planten den Besichtigungstag.

Draußen erwarteten uns Schnee und glitschiger Matsch. Zuerst liefen wir zur Aleksandar-Nevski-Kirche, wo wir angenehm mit dem Rücken an einem Heizkörper saßen, die weiße Ikonostase vor uns, und den Gläubigen zusahen, die vor einzelnen Pulten innehielten und die dort liegenden Ikonen betrachteten, dann küssten, um zu einer anderen Ikone weiterzugehen, dann zu einem Kruzifix, auch dieses verehrten und küssten und schließlich, sich bekreuzigend, den Raum wieder verließen. Es gab Pulte mit fest eingebauten Ikonen, die an jeder Seite einen Münzschlitz hatten und andere, wo die Bilder lose auflagen und kein Münzeinwurf vorgesehen war. Nach einer Weile kam ein schwarz gekleideter junger Mann, der offenbar für die Kirche zuständig war. Er entfernte eine Blume, die bei einer Ikone abgelegt war und nahm Münzen, die jemand unter eines der lose liegenden Bildnisse geschoben hatte, und brachte sie zu einer Ikone mit Münzschlitz. So ist es wohl überall: die Gläubigen widmen Gebete und Gaben voller Bedacht, aus der Sicht der Diener des Tempels ist alles der gleiche Topf.

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Friederike versuchte, das Tarifsystem der öffentlichen Verkehrsmittel zu erkunden und da es sich dem Fremden nicht so leicht erschließt, fuhren wir zu viert zum Preis von einem mit der Ring-Trambahn Nr. 2 zur Sava-Kirche. Eigentlich handelt es sich um eine Kirchenbaustelle, an der seit den 1930er Jahren gearbeitet wird. Der Bau, großenteils aus Beton, steht, von der Innendekoration existieren bislang nur Andeutungen. Kurz statteten wir noch der Nationalbibliothek nebenan einen Besuch ab, dann fuhren wir, diesmal richtig bezahlend, zur Sankt-Michaels-Kirche. Die war prunkvoll, aber eng, und überall standen Betende vor Ikonen, so dass wir leider nicht umhergehen konnten.

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Zwei nette Cafés lernten wir im Laufe des Tages kennen, das Velvet nahe der Sava-Kirche und die sehr charmante Muha-Bar in der Kralja Pietra. Nach einem Provianteinkauf für die Weiterreise und einer Hotelpause machten wir uns auf die Suche nach dem Iguana, einem Speiselokal mit Live-Jazzmusik, das uns eine Frau aus dem  Tourist-Office als ihren persönlichen Geheimtipp verraten hatte.
Da aßen wir ambitionierte internationale Küche und hörten dazu eine Combo, die Jazz Standards intonierte. Etwas störend, dass hier in allen Lokalen geraucht wird, was wir nicht mehr gewöhnt sind, aber alles in allem ein angenehmer Tagesausklang.

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Istanbul 2013 – 03 – Budapest – Belgrad – 25.03.2013

Budapest wäre, wie gesagt, einmal einen längeren Aufenthalt wert, aber für dieses Mal war schon wieder Abreisetag. Wir verstauten unsere Rucksäcke im Gepäckraum und gingen frühstücken und Proviant kaufen, dann mit allem Gepäck zum Bahnhof. Die Wartezeit vertrieben wir uns mit Gucken und Fotografieren. Als der Zug aus Prag ankam, der uns nach Belgrad bringen sollte, bezogen wir voll Begeisterung ein gut geheiztes Sechserabteil und freuten uns, es ganz für uns zu haben.  Bis wir merkten, dass wir nicht nur in unserem Abteil, sondern im ganzen Waggon alleine waren.  Als ich dann auch noch eine Rangierlok kommen sah, war es an der Zeit, den gemütlichen Platz wieder zu verlassen und am zugigen Bahnsteig auf den Waggonwechsel zu warten. Mit uns harrten zahlreiche Schotten in Kilts und mit denen teilten wir dann auch den Großraumwagen, der uns durch die zunehmend verschneite Landschaft nach Belgrad bringen sollte. Die Schotten hatten einiges zu Trinken dabei und das versprach eine abwechslungsreiche Fahrt.

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Wir kamen auch gleich ins Gespräch und erfuhren, dass alle zu einem Fußballspiel der schottischen Mannschaft in Novi Sad unterwegs waren. Eine Französin war auch in der Runde, die in Wien arbeitet und eine Balkantour macht. Sie hieß Aurore und wusste schon, dass sich das in einem mit französischem Akzent ausgespochenen deutschen oder englischen Satz merkwürdig anhört.

An der Grenze gab es drei Passkontrollen, wobei sich die letzte, offenbar von der Regionalpolizei, nur um die Fußball-fans kümmerte. Auch streng blickende Uniformierte und ein Spürhund kamen vorbei, vor den Einstiegstüren standen Wachen, deren Mützen sich langsam mit Schnee bedeckten. Die Schotten waren von ihren Getränken so unbefangen, dass sie allerlei Späße machten, auf die sich die Grenzer bereitwillig einließen. So kam Pia zu netten Fotos von Schotten mit serbischen Dienstmützen und mit spontanen Verbrüderungsszenen.
Pia packte Spielkarten aus und man spielte unter großem Gelächter das offenbar international beliebte “cheating”. Eine Zugreise also, wie in alten Zeiten – lustig, international, radebrechend, während der Zug nicht sehr schnell durch die Gegend rüttelte und sich draußen die Dämmerung über die Winterlandschaft legte.

Ein Schotte kam mit einer Tüte voll Badges vorbei und alsbald bekannten alle “I’ve met the Tartan Army”. In Novi Sad stiegen viele der Schotten aus und auch Aurore hatte ihr Tagesziel erreicht.  Die Männer, mit denen wir uns unterhalten hatten, wollten noch in Belgrad feiern und blieben im Zug.

Sie waren nicht die einzigen, sondern überall in der Stadt begegneten uns Männer in Schottenröcken, auf dem Weg zum Hotel und auch später, als wir zum Essen in die Skadarska gingen, eine Straße, die uns der Hotelportier empfohlen hatte und wo sich in der Tat ein Lokal ans andere reiht, während die übrige Stadt um zehn Uhr abends schon ziemlich ausge-storben wirkte. Wir bekamen sehr gut, gehaltvoll und günstig zu essen.  Nur die handgemachte Volksmusik dröhnte ganz unverstärkt so zwerchfellerschütternd durch das Gewölbe, dass wir uns etwas gestresst fühlten. Direkt an unseren Tisch kamen die Musikanten glücklicherweise nicht.

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Istanbul 2013 – 02 – Budapest – 24.03.2013

Trotz der vielen Nachtschwärmer in der Gegend hatten wir passable Ruhe. Unter den dünnen Bettdecken war es allerdings nicht besonders warm, obwohl wir schon unsere Seidenschlafsäcke zu Hilfe genommen hatten. Die ungeregelte Heizung hatten wir nachts doch nicht an lassen wollen.

Frühstück mit Kaffee und Hörnchen gab es ganz ordentlich in einem modernen Self-Café. Dann liefen wir am Fluss entlang zur Kettenbrücke, hinüber an die andere Seite der Donau und hinauf zur Burg. Natürlich sind wir nicht die einzigen Touristen und leider gibt es überall sehr zudringliche Werber für Stadtführungen. Von oben weite Ausblicke über die Stadt. Die Temperaturen frostig, an einigen Wasserausläufen in der Mauer hingen Eiszapfen und es wehte eisiger Wind. Wir bedauerten die Wachsoldaten am Präsidentenpalast und wärmten uns in einem charmanten Café nebenan auf.

DSC_1617Dann wanderten wir weiter zur Matthias-Kirche mit erstaunlicher Innendekoration, aber leider wegen Renovierung nur teilweise zugänglich. Außerhalb, auf der Flussseite, die Galerien und Türmchen der frisch renovierten Fischerbastion, von der aus sich schöne Blicke auf die Stadt boten. Auf dem Platz ließen sich Touristen mit Greifvögeln auf der Lederhand fotografieren.DSC_1587

Dann im weiten Bogen hinunter zur Margareteninsel, auf der Brücke hinüber, die bei jeder Trambahn vibrierte, als gäbe es ein Erdbeben. Am anderen Flussufer hatten wir die Straßenbahn nehmen wollen, aber alle Fahrkartenautomaten waren defekt, aus dem Fahrer war kein verständliches Wort herauszubringen und so fuhr die Tram schließlich ohne uns los und wir liefen zu Fuß. Das gab uns Gelegenheit, noch einen Blick in die imposante Stefans-Basilika zu tun, wo allerdings ein Abendgottesdienst im Gang war, so dass wir nur kurz von hinten schauen, aber nicht umhergehen konnten.

An Marktständen gab es Langos und Baumstriezel und dann entschlossen wir uns, für eine Weile ins Hotel zu gehen. Da war es so gemütlich, dass wir fast nicht mehr fortgekommen wären. Wir verhandelten lange über die Reste unseres ungarischen Geldes und was wir uns dafür wohl leisten könnten, wenn anderntags noch ein Frühstück und etwas Reiseproviant drin sein sollten und wurden über das Rechnen mit großen Summen von Forint so träge, dass wir beinahe hungrig ins Bett gegangen wären, statt uns nochmal hinaus zu begeben. Schließlich überwog aber doch der Appetit. Wir gingen einen Geldautomaten suchen, besserten unsere Barschaft auf und besuchten die Pizzeria gleich an der Ecke beim Hotel. Man isst in dieser Stadt wirklich gut und günstig. DSC_1645DSC_1647

Auffallend ist allerdings, dass es in dieser Stadt auch recht viel Armut zu geben scheint. Oft sahen wir ärmlich gekleidete Menschen, Leute, die sich in Eingängen ungenutzter Läden häuslich eingerichtet hatten, Männer, die in Hausmülltonnen nach Getränkedosen und anderen Wertstoffen wühlten und einmal wollte Pia ein öffentliches Toilettenhäuschen aufsuchen, entdeckte dann aber eine darin wohnende Frau. Auch im Stadtbild zeigt sich häufig Geldmangel. Einige Gebäude sind sehr gut renoviert und in Stand, aber viele Häuser sind heruntergekommen, schäbig und manche auch in baufälligem Zustand. Aber wir finden alles in allem, dass Budapest durchaus einmal eine längere Reise wert wäre. Zu einer wärmeren Jahreszeit allerdings.Track_130324

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Istanbul 2013 – 01 – München-Budapest – 23.03.2013

Coole acht Stunden Zugfahrt sind kein schlechter Ferienstart. Der komfortable Österreichische RailJet war zwar etwas voll und in den Gängen standen Menschen und Koffer, aber wir hatten unsere reservierten Plätze und in Deutschland und Österreich auch recht anständigen Internetzugang und so konnten wir mit letzten Mails und Schreibereien langsam aus dem Alltag in den Urlaub hinübergleiten.

Bei der Fahrt durch Ungarn sahen wir Reste von beachtlichen Schneewehen an den Böschungen entlang der Bahnlinie und es schaute draußen überhaupt noch recht kalt aus. So waren wir dann auch froh über unsere Winterkleider, als wir in Budapest ausstiegen und zu unserem vorgebuchten Hotel liefen. An einem Geldautomaten versorgten wir uns mit Landeswährung und mussten kräftig rechnen, bis wir die benötigte Summe ermittelt hatten. Als Bewohner von Euroland ist man dergleichen Zahlenakrobatik gar nicht mehr gewohnt.

Seltsam auch, seit langem erstmals wieder in einem Land zu sein, von dessen Sprache wir kein einziges Wort verstehen. Das machte sich gleich im Hotel bemerkbar, wo die nette, aber etwas unbeholfene junge Frau am Empfang in holprigem Englisch endlose Formalitäten vollzog,  die durch sprachliche Schwierigkeiten noch umständlicher wurden, als sie ohnehin schon waren. Am Ende aber hatten wir dann doch unser ordentliches Viererzimmer, zogen ein und breiteten uns aus.

Am Abend spazierten wir in Richtung Donau, studierten unterwegs die Speisekarten vor den Restaurants, warfen einen Blick auf die spektakulär erleuchteten Bauten am gegenüberliegenden Flußufer und blieben gleich da, denn das Menü im Restaurant Dunacorso sagte uns zu. Bei den Klängen eines ambitionierten Gitarrenspielers aßen wir vorzügliche Gerichte einheimischer Provenienz. Donauwaller und Paprikahuhn, gebackenen Käse und Krautwickel, Speck, Kotelett und eine kräftige Wurst auf Sauerkraut. Am Ende schwelgten die Damen noch in drei verschiedenen Desserts, die sie unter Jauchzen und Augenrollen herumreichten, bis alles verzehrt war. Das Ganze zu umgerechnet siebzig Euro für vier Personen war ein prima gelungenes Entree in die kulinarischen Entdeckungen dieses Urlaubs.

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