Italien 2014 (6) Bad Gastein – Döbriach (71 km)

Morgenkorrespondenz mit Familie und Freunden, dann Frühstück, rustikal, schnörkellos, aber alles dabei. Im Spar nebenan gab es Reiseverpflegung. Bei der Abfahrt leider Regen. Beim Aufstieg zur Tauernschleuse wurde es unter den Regencapes warm und schweissnass.

Die Bahnverladung lief ganz cool mit ebenerdigem Einstieg, geräumigem Fahrradplatz und einem jungen Paar aus Pullach, das die gleiche Tour auf der Ciclovia Alpe Adria machte. Im übrigen Wagen die Autoreisenden, gedrängt, teils stehend, auch einige vollverschleierte Araberinnen.

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Nach einer knappen Viertelstunde waren wir auf der anderen Seite und durften in rasanter Abwärtsfahrt zu Tal brausen. Ich ließ es bis auf 61 km/h kommen und genoss wieder einmal das Sicherheitsgefühl, auf einem hochwertigen, robusten Fahrrad mit ausgezeichneten, bestens dosierbaren Bremsen zu sitzen. (Wer es genau wissen will: Wir fahren individuell konfigurierte Utopia Roadster mit 14-Gang Rohloff Nabenschaltung und hydraulischen Scheibenbremsen von Magura.)

Wir stürzten uns also hinunter nach Oberfellach und fuhren dann, teils auf der Hauptstraße, teils abseits von ihr, manchmal etwas bergauf, aber in der Summe stetig bergab, durch das Mölltal.

Bei Möllbrücke erreichten wir die Drau und fuhren an ihr weiter bis Spittal. Um unser Quartier am südlichen Ende des Millstätter Sees zu erreichen, mussten wir ab Spittal von der Standardroute abweichen. Kräftig ansteigend gelangten wir zum Ostufer des Sees und radelten dann, meist auf einem Radweg entlang der Straße und etwas genervt vom Autoverkehr, immer parallel zum See, aber stets von diesem getrennt durch private Seegrundstücke bis nach Döbriach, wo wir ein Zimmer im “Haus Kärnten” gebucht hatten. Das erwies sich als schlicht und nett und freundlich, mit einer kräftigen Dusche und einem langen Eckbalkon, auf dem es praktischer Weise eine Leine für unsere kleine Wäsche gab.

Wir blieben eine Weile, recherchierten für die nächsten Reisetage, wuschen uns und unsere Hemden und fuhren dann, einer Empfehlung der Wirtin folgend, in Richtung See, wo wir auch gleich ein sehr nettes Restaurant mit freundlicher Bedienung und gutem, frisch gekochtem Essen fanden. Wir wären auch noch gerne auf ein zweites Bier beim “Kohlweiss” geblieben, wo wir auch praktischen Rat für die Weiterfahrt erhalten hatten, aber stattdessen nahmen wir noch zwei Flaschen mit, denn ein Gewitter zog heran, auf dem Heimweg sahen wir schon Blitze, und richtig, kaum dass wir zurück waren und unsere Räder verstaut hatten, fing es an, heftig zu schütten.

Wir setzen uns noch etwas auf die kleine Eckbank mit dem Tischchen, tranken, schrieben, chatteten, Friederike buchte Unterkünfte für die ersten Tage in Italien und neben uns wartete schon das gemütliche Bett.

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Italien 2014 (5) St. Johann – Bad Gastein (45 km)

Die Nacht über dem Steakhaus war ruhiger, als erwartet, das Frühstück schlicht und ohne viel Auswahl. Beim Supermarkt gegenüber bekamen wir Proviant für den Tag. Wir prüften mal endlich die wichtigsten Schrauben an unseren Fahrzeugen, trugen die Räder dann über die schmale Treppe hinunter von der Terrasse, wo sie die Nacht verbracht hatten, dann die Taschen hinterher, packten auf und fuhren bei schönstem Sonnenschein und zunehmender Wärme los.

Bis Schwarzach-St. Veit ging es immer nahe der Salzach entlang. Danach entstand Verwirrung, weil zwei alternative Routen ausgeschildert waren und wir keine rechten Anhaltspunkte hatten, welche wir wählen sollten. Schließlich entschieden wir uns für die Route auf der rechten Flussseite. Da ging es dann gleich steil  bergauf, so dass wir immer wieder kleine Pausen einlegten.

Wir passierten den “Ausgleichsspeicher  Brandstatt”, der durch einen langen Stollen mit Salzachwasser befüllt wird, das dann in wasserärmeren Zeiten das Kraftwerk Schwarzach treiben kann. Ein Stück weiter machten wir Kaffeepause, bevor wir zum 1,5 km langen Klammtunnel  abbogen, der ins Gasteinertal führt. Im Tunnel war es durch die Belüftungsanlagen und den Widerhall der Fahrzeuggeräusche unangenehm laut, aber für Radfahrer gibt es einen robust gesicherten separaten Weg, auf dem wir zügig vorankamen.

Im Gasteinertal ging es dann mit einigen kräftigen Anstiegen weiter, vor allem zum Ende der Etappe, zuerst nach  Bad Hofgastein. Wir ließen uns entsprechend viel Zeit. Am bekannten Wasserfall machten wir Halt und ein Beweisfoto,

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dann stiegen wir in einer langgezogenen Serpentine das letzte Stück auf zum Bahnhofsplatz, wo wir standesgemäß im “Euro Youth Hotel Krone” reserviert hatten. Das Haus sieht von außen aus wie ein edles altes Kurhotel, ist innen modern und schnörkellos ausgestattet und durchaus preiswert.

Unten gibt es ein urig gestaltetes Restaurant, wo wir ganz gut zu Abend aßen und sehr freundlich bedient wurden. Es gab Augustiner Bier, was wir hier nicht erwartet hätten. Oben wartete schon ein bequemes Bett.

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Italien 2014 (4) Golling – St. Johann im Pongau (38 km)

Schon im ersten Morgenlicht kündigte sich schönes Wetter an. Wir stärkten uns am Frühstücksbuffett, packten unsere größtenteils über Nacht getrockneten Sachen ein, schleppten unsere Fahrradtaschen vors Haus, holten die Räder aus der Garage, über denen noch die Regencapes zum Trocknen ausgebreitet waren, packten auf und fuhren los.

Zuerst ging es im weiten Tal entlang, dann ein Stück aufwärts zum Pass Lueg. Wieder etwas hinunter und schließlich eine längere Strecke auf der Bundesstraße neben Bahn und Fluss durch eine enge Schlucht. Danach gab es zum Glück einen recht breiten Randstreifen, auf dem wir fahren konnten, aber die zahlreich überholenden LKW waren doch etwas unangenehm, die Gruppen knatternder Motorräder ebenso. Im hübschen Ort Werfen gönnten wir uns eine Kaffeepause.

Mal an der Salzach, mal an der Bahnlinie entlang ging es über Bischofshofen nach Sankt Johann, wo diese kurze Etappe dann auch schon endete. Die “Rauchkuchl”, wo wir reserviert hatten, erwies sich als uriges Steakhaus mit zugehöriger Pension. Auf dem Vordach ein lebesgroßer schwarzer Stier, vor dem Haus roh gezimmerte Tische und Bänke und unsere Fahrräder parkten vorläufig an einem Platz mit zwei Harley-Davidson-Schildern. Unser Zimmer war klein und ganz niedlich eingerichtet.

Wir machten uns kurz frisch und dann auf zu einem kleinen Rundgang. Gleich um die Ecke gab es einen Heavy-Metal-Laden, was uns in dem kleinen Ort etwas verwunderte, bis wir die örtliche Bevölkerung näher kennen gelernt hatten. Erstaunlich viele schienen in Kleidung und Körperschmuck Kunden des “Metal Shop” und einiger Tatoo- und Piercing-Studios am Ort zu sein. Es gab auch einige andere Kleiderläden herberen Stils, auch in gehobener Preisklasse.

Wir liefen hinauf zum Dom, den wir uns ansahen, dann nahmen wir auf der Terrasse des “Kirchenwirt” Platz, von wo wir Ausblick auf die umliegenden Berge und die modernen Bausünden des Ortes hatten. Deren schlimmste, das riesige Kultur- und Kongresszentrum, erschlägt völlig die alte Kirche schräg gegenüber. Eine junge Touristenfamilie mit Kleinkind am Tisch nebenan fragte, ob es im Ort noch irgendein nettes Zentrum gäbe. Wir hatten keines gefunden. Die wenigen hübschen alten Häuser werden von Straßenverkehr und modernen Betonbauten erdrückt. Kein Wunder, dass die Einheimischen auch persönlich einen etwas herberen Stil pflegen.

Kein Ort also, an dem man aus einem anderen Grund verweilen möchte, als zur Rast vor dem großen Aufstieg der uns die nächsten beiden Tage bevorsteht.

Im Steakhaus, wo wir wohnten, wollten wir nicht zu Abend essen. Also probierten wir den Gasthof Silbergasser, wo wir eine große Trauergesellschaft wieder sahen, die uns am Nachmittag schon bei der Kirche begegnet war. Ihre Anwesenheit beherrschte das Gasthaus und wir hatten Gelegenheit zu vielfältigen Beobachtungen der Charaktere und der Gruppendynamik.

Das Essen beim Silbergasser war erkennbar frisch hausgemacht und das Gulasch das bislang beste in meiner dieser Tage laufenden Testreihe.

Noch ein Abendbier, dann gingen wir in unser nettes kleines Zimmer mit dem gemütlichen Bett und ruhten uns aus für die kommenden Anstrengungen.

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Italien 2014 (3) Bad Reichenhall – Golling (55 km)

Es war gar nicht so einfach, von Bad Reichenhall fortzukommen. Zuerst wollten wir uns noch etwas den Ort ansehen, dann suchten wir einen Weg nach Salzburg. Da begannen die Schwierigkeiten. Wir hatten eine Route aus dem Internet geladen, aber der Autor schien Trampelpfade zu lieben. Das Navi wollte wieder gleich direkt über den Berg. Im Ort gab es eine Menge Wegweiser für jeweils beiden Richtungen der hindurchführenden Fernradwege, aber es fehlten Hinweise auf den Zielort, so dass es im Gewirr der Gassen schwierig war, die richtige Wahl zu treffen. Nach einigen Irrfahrten beschlossen wir, uns auf die App des “Bayernnetz für Radler” zu verlassen. Die Kartendarstellung ist zwar winzig, aber der mikroskopisch kleine rote Pfeil zeigt zuverlässig Standort und Zielrichtung, eine Textanzeige nennt die momentane Abweichung von der Idealroute und so wurden wir zügig nach Salzburg geführt.

Es begann leicht zu regnen. Ein Café, wo wir Unterschlupf suchen und den weiteren Tagesverlauf planen wollten, schloss gerade zur Mittagspause, im Weiterfahren nahm der Regen zu und als er sich zum Wolkenbruch auswuchs, erreichten wir gerade noch überdachte Parkplätze vor einem größeren Haus und stellten uns für einige Zeit unter.

Dass der Regen ganz wieder aufhören würde, schien aussichtslos. Also machten wir uns, als er gerade einmal etwas nachließ, auf und fuhren weiter. Auf dem Tauernradweg ging es salzachaufwärts durch Auwälder, teils auf Asphalt, teils auf zementgebundenem Sand, teils auch auf durch den Regen matschig gewordenen Pfaden. Zum Teil goss es heftig und wir mussten unser Gepäck zusätzlich schützen.

Unter einer breiten Autobahnbrücke machten wir Rast und verspeisten die letzten Reste von Brot und Camembert, die noch dem heimischen Kühlschrank entstammten. Den Kaffee dazu holten wir uns ein paar Kilometer weiter in Hallein, wo wir mit unseren Rädern wieder unter den großen Schirmen eines kaum besuchten Lokals Unterschlupf fanden.

Der Ort hat offenes W-Lan für alle und so konnten wir etwas recherchieren und schließlich ein Zimmer in Golling buchen. Mit diesem konkreten Zufluchtsort in Aussicht fuhr es sich dann auf der restlichen Strecke bedeutend leichter.

Das Hotel Garni Ramsl empfing uns freundlich, das geräumige Zimmer war unspektakulär ordentlich, die Beleuchtung in Zimmer und Bad eher spärlich und duster. Da es erst Spätnachmittag war, hatten wir reichlich Zeit, feucht Gewordenes zum Trocknen auszubreiten, das W-Lan zu nutzen, ausgiebig zu duschen und die unter dem Regencape durchgeschwitzten Unterhemden und Hemden zu waschen.

Dann machten wir uns auf ins schmucke Ortszentrum, wo es eine Burg gibt,

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interessante Läden,

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wirklich hübsche Häuser und etliche Lokale, unter denen wir schließlich den gut besetzten “Goldenen Ochs” wählten, wo in sensationell kurzer Zeit unser Essen kam. Zum Abschied fragte uns der junge Wirt, ob uns die Gruppe von fünfzig slawischen Gästen unangenehm laut vorgekommen wäre. Italiener seien noch weitaus schlimmer. Wir hatten keine Probleme, gestern in Reichenhall war es lauter gewesen.

Zum Abendbier gingen wir dann noch ein paar Häuser weiter, sahen am Nebentisch stäbchengewohnte Asiaten erkennbar unbeholfen mit unserem Besteck hantieren, hörten aus dem Raucherzimmer nebenan eine TV-Fußballübertragung und die zugehörigen Emotionen der Zuschauer.
Auf dem Rückweg zum Hotel verliefen wir uns nochmal etwas, womit der Tag endete, wie er begonnen hatte. Es war kühl und nieselig, aber wir haben ja ein komfortables Zimmer und ein hoffentlich bequemes Bett.

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Italien 2014 (2) Obing – Bad Reichenhall (85km)

Während des Frühstücks nieselte es. Bis wir reisefertig waren, hatte sich über uns ein Wolkenloch aufgetan und das begleitete uns, zum Teil sogar mit Sonne, bis kurz vor Traunstein. Dort mussten wir dann unsere Regencapes rausholen. Auf dem Stadtplatz gab es einige Lokale, die regendichte große Schirme aufgespannt hatten und da ließen wir uns zum Kaffee nieder.

Die größere Stadt bot auch Gelegenheit zu einigen Besorgungen, wie zum Beispiel Magnesium-Dragees zur Ergänzung unserer Vorräte, Kytta-Salbe für mein etwas lädiertes Knie, Kleber für eine abgebrochene Navi-Halterung und ein paar andere Kleinigkeiten. Dann überlegten wir uns den weiteren Weg und buchten bei Booking.com eine Unterkunft in Bad Reichenhall. Wir wollten es heute etwas ruhiger angehen. Es sollte noch anders kommen.

Zunächst ging es wieder trocken weiter, anfangs abseits aber in Hörweite der stark befahrenen Bundesstraße nach Siegsdorf, dann auf Radwegen, die häufig die Seite wechselten, an ihr entlang. Bei Inzell entstand dann Verwirrung zwischen verschiedenen Routenvorschlägen, der Bodensee-Königssee-Radweg, dem wir folgen wollten, war schlecht geroutet, so dass wir ihm stellenweise gar nicht finden konnten und bei Inzell war uns die “Deutsche Alpenstraße” einfach zu stark befahren.

So ließen wir uns eine ruhigere und kürzere Route berechnen und fuhren aufwärts über Pommern nach Adlgaß. Danach hörte die Asphaltstraße auf und wir fuhren auf einer breiten Sandstraße steil bergauf. Stellenweise war die Steigung so, dass wir sie nur in kurzen Etappen mit längeren Pausen bewältigen konnten. Skeptisch wurden wir, als uns das Navi auf einem kaum zu erkennenden Trampelpfad steil bergab führen wollte. Wir blieben hartnäckig auf dem heftig ansteigenden Forstweg durch den Wald der Stoisser Alm, wurden aber zunehmend skeptisch, ob uns jenseits der Almen, die wir auf der Karte sahen, eine befahrbare Straße oder nur Wanderwege erwarten würden, die wir mit unseren schwer beladenen Rädern kaum würden fahren können.

Schließlich beschlossen wir, umzukehren. Das Navi bekam den Auftrag, unbefestigte Wege zu meiden, ergab sich nach einiger Gegenwehr und führte uns auf der nun, am Abend, kaum mehr befahrenen Alpenstraße entlang. Der Weg war so zwar fast doppelt so lang wie unsere “Abkürzung” über den Berg, aber dafür ging es fast immer bergab, zum Teil sogar recht flott, und kurz nach 20 Uhr waren wir an der “Pension Lex” und wurden freundlich empfangen. Wir brachten unser Gepäck aufs Zimmer, machten uns ein Kleinwenig frisch und radelten flott und leicht ein Stückchen zurück zum “Schwabenbräu” wo es ordentlich voll war und wir wieder gutbürgerlich zu Abend aßen, mit den Töchtern in München und Island chatteten, ein bisschen herumrecherchierten und diesen Blogtext verfassten.

Am Heimweg hatte der zwischenzeitliche Regen aufgehört, ungemütlich kalt war es auch so, aber wir haben ja ein komfortables Zimmer und ein hoffentlich bequemes Bett.

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Italien 2014: (1) Riemerling – Obing (87 km)

Das Wetter bescherte uns einen angenehmen Starttag. Es war nicht zu heiß, aber doch lange Zeit sonnig. Da wir diesmal direkt von zu Hause aus radeln wollten, waren wir nicht an Fahrpläne und Abfahrtszeiten gebunden und konnten uns Zeit lassen. Die erste Etappe zum Einradeln sollte auch nicht zu anspruchsvoll werden und so genügte es uns, um die Mittagszeit aufzubrechen.

Auf wohlbekannten Wegen ging es nach Harthausen, Wolfersberg, Schattenhofen und dann weiter auf dem Panoramaweg Isar-Inn über Grafing nach Wasserburg. dann folgten wir dem Inn-Alz-Radweg bergauf bergab. Das war landschaftlich sehr schön, aber kräftemäßig an diesem ersten Tag durchaus eine Herausforderung.

Als es am frühen Abend dann reichte, telefonierten wir einige nicht allzu weit entfernte Unterkünfte ab und bekamen etliche Absagen, bis wir schließlich in Obing Erfolg hatten. Das lag zwar ein paar Kilometer ab vom Weg und war noch gut zehn Kilometer entfernt, aber mit einer sicheren Unterkunft in Aussicht war das zu schaffen.

Das Gästehaus Seeblick wird zwar seinem Namen nicht in spektakulärer Weise gerecht, in der Tat hatten wir keinerlei Sicht auf den See, nur auf eine Siedlung mit Kugelbüschen und dem üblichen Gartentand, ist aber absolut ordentlich und mit 96 Euro pro Nacht nicht ganz billig. Wir richteten uns kurz ein und radelten dann schnell ins Dorf, um noch ein Abendessen zu ergattern. Das gelang im Gasthof Kufner, wo wir anständige einfache Wirtshauskost bekamen. Am Nebentisch gaben drei örtliche Rennradler in Vereinstrikots Bergtourenlatein zum Besten und labten sich ordentlich am Weißbier.

Am Heimweg war es kalt und niesrlig, aber wir haben ja ein komfortables Zimmer und ein hoffentlich bequemes Bett.

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Türkei 2014 – Bukarest – München (26./27.04.2014)

Unser letztes Frühstück nahmen wir nach kurzem Suche nochmal in dem gleichen Lokal im Univiertel ein. Die Bedienung war diesmal etwas schleppend, so dass wir am Ende etwas knapp an Zeit waren. Diejenigen, die noch nicht gepackt hatten, mussten das nun in aller Eile tun, aber alles hat funktioniert und wir waren vollkommen rechtzeitig am Bahnhof und hatten noch reichlich Zeit, weiteren Proviant einzukaufen.

Bukarest: Proviantkauf
Es ist etwas ungewöhnlich, bereits am Mittag ein Schlafwagenabteil mit aufgeschlagenen Betten zu beziehen. Wir hatten jeweils drei Betten übereinander, so dass es keine wirklich brauchbare Sitzgelegenheit gab. Folglich dauerte es auch nicht sehr lange, bis sich die meisten von uns im Speisewagen einfanden, wo es Bier zu trinken gab und von wo aus wir bequem nach allen Seiten hinausschauen und fotografieren konnten.

Rumänien: Kinder am BahngleisAuffallend waren die ärmlichen Lebensverhältnisse auf dem Land. Wir sahen viele windschief gebaute oder verfallende Häuser und Hütten, zahlreiche Pferdefuhrwerke, Lager von fahrendem Volk und wie auf unserer ganzen Reise immer wieder kleine Herden von Ziegen, Schafen und Rindern, die von Menschen gehütet wurden. Bei uns wäre eine so personalintensive Tierhaltung nicht denkbar. Auch hier sahen wir oft einzelne Menschen, die allein auf großen Äckern Feldarbeit mit der Hand verrichteten. Besonders auffallend waren die zahlreichen Pferdefuhrwerke.

Rumänien: PferdefuhrwerkZur Nacht legten wir uns in die ausreichend bequemen Betten unserer Anteile und ließen uns von den meist schlechten Schienen in Schlaf rütteln und wiegen. Am Morgen konnten wir uns an den kleinen Waschbecken in jedem Abteil frisch machen und bekamen ein eher charmantes als befriedigendes Frühstückspäckchen aus Keksen, einem Marmeladenäpflein, einem Fläschchen schalen Mineralwassers, einer kleinen Flasche süßen Eistees und den Zutaten für einen nicht weiter erwähnenswerten Pulverkaffee – wenn man sich das heiße Wasser dazu an der Bar holen mochte.

Immerhin langten wir so pünktlich in Wien an, dass wir bequem in den komfortablen österreichischen RailJet wechseln konnten, der uns nach München bringen sollte. Hier gab es – bis auf eine mitreisende Schulklasse mit schriller Lehrerin – allen wünschbaren Komfort, einschließlich W-Lan, Internet und Pünktlichkeit. Die drei letzteren endeten allerdings nach der deutschen Grenze und so kamen wir mit reichlich Verspätung in München an. Insgesamt hatte mein GPS-Logger auf dieser Reise zu Fuß, mit Schiffen, Bussen, Taxis und Bahn 4917 km Wegstrecke gemessen.

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Türkei 2014 – Bukarest (25.04.2014)

Nachdem sich alle etwas ausgeruht und erfrischt hatten, fuhren wir in die Gegend der Universität und fanden dort ein sehr nettes Café mit gutem Frühstück. Nur schwer konnten wir uns wieder von den bequemen Stühlen lösen, um einen Rundgang durch die Stadt zu unternehmen. Wir liefen eine Weile durch einen Park, wo im See die Frösche quakten und wanderten dann weiter zu dem riesigen Parlamentsgebäude. Ich hatte keine Lust auf Besichtigung und ruhte mich auf einem Stuhl im Foyer aus, während alle anderen eine Führung mitmachten. Sie waren sehr beeindruckt vom sozialistischen Pomp.

Bukarest: ParlamentsgebäudeDanach sahen wir uns noch etwas in der Stadt um. Sie ist erkennbar in einer Phase der Gigantomanie angelegt, mit riesigen Gebäuden, breiten Boulevards und riesigen Plätzen, nicht gebaut, als sollten sich Menschen als Passanten auf ihnen bewegen, sondern einzig zur Demonstration von Macht und nationaler Größe. Auf den Dächern der Gebäude riesige Leuchtreklamen, vorwiegend für aktuelle westliche Produkte und Firmen. Wir besuchten ein großes Einkaufszentrum mit Markenläden aller Art. Dabei gibt es sowohl  internationale Labels, wie etwa H&M, als auch nationale Adaptionen der entsprechenden Stilrichtungen.

Bulevardul UniriiDas Stadtbild lässt den Versuch einer schrittweisen Transformation zur geordneten modernen Stadt westlichen Stils erkennen. Es gibt noch viele heruntergekommene Gebäude, Straßen und Quartiere, aber vieles ist schon erneuert oder neu errichtet.

Wir trafen uns alle zum Abendessen wieder in der großen Gruppe, also zu zehnt, in dem netten Lokal, wo wir schon gefrühstückt hatten und waren auch da sehr zufrieden. Danach fuhr ein Teil von uns mit dem Taxi zurück ins Hotel, wir anderen besuchten noch eine nette Bar in einer historischen Galeria. Wie bereits in der Türkei hatten auch hier fast alle Lokale W-Lan, so dass wir bequem E-Mail abrufen, recherchieren und Fotos unseres Beisammenseins auf Facebook posten konnten.

GaleriaAls wir zum Hotel zurück gingen, war es schon recht spät und die Straßen hatten sich geleert. Wir liefen zu fuß und hatten auch jetzt, in der Nacht, das Gefühl, in einer geordneten, sicheren Stadt zu sein. Vereinzelt sahen wir kleine Rudel streunender Hunde, an einigen geschützten Stellen schliefen Obdachlose. Deutlich erkennbar war die Präsenz von Polizei, deren Autos überall an den Straßenecken standen.

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Türkei 2014 – Istanbul – Bukarest (24.04.2014)

Unser letzter Tag in Istanbul. Wir teilten uns in mehrere Gruppen, je nachdem welche besonderen Wünsche und Interessen noch offen geblieben waren. Friederike wollte noch ins Museum der Unschuld von Orhan Pamuk. Anna ging mit, Sarah und ich spazierten indessen eine Stunde lang durch Beyoglu und entdeckten interessante Ecken.

Graffiti in BeyogluAm frühen Nachmittag trafen wir uns im Hotel, wo wir unser Gepäck schon bereitgestellt hatten. Mit der Straßenbahn und einem kleinen Fußmarsch gelangten wir zu einem Terminal, wo allerlei Busse in Richtung Balkan verkehrten. Eine nicht unbedingt anheimelnde Ecke mit rauem Ton und vierschrötigen Gestalten.  Unsere Buscrew bestand aus einer Frau von derben Umgangsformen, zwei Fahrern, zwei Ungeschlachten, die unter anderem für die Zollverhandlungen an den verschiedenen Grenzen zuständig waren und einem weiteren nicht sehr vertrauenerweckenden Mann.

Balkan-BusterminalHinter dem Fahrersitz steckte ein Baseball-Schläger, eine Stufe am Einstieg war locker und bildete ein gutes Versteck, wie wir später noch sehen sollten, der Bauch des Busses füllte sich nach und nach mit sorgfältig in Plastikfolie verpackten und gründlich mit Tape verklebten Paketen und irgenwie kam es uns vor, als wären wir wenigen Touristen nur die Tarnung für ganz andere internationale Transporte, die da stattfinden sollten. Schließlich galt es, zwei Grenzen zu überwinden.

Bus nach BukarestNach einigen hundert Metern schleppender Fahrt hielt der Bus nochmal eine Weile am Straßenrand, bis jemand kam, der Lahmacun für alle Besatzungsmitglieder brachte. Dann ging es weiter durch den abendlichen Stoßverkehr. Nach einigen Staukilometern nochmal Pause am Rande einer Ausfallstraße. Wir hielten hinter einigen Pkw, die am Straßenrand warteten. Aus ihnen wurden zahlreiche Pakete herbeigetragen, die sich zu den vielen Kartons gesellten, die schon zusammen mit unseren Rucksäcken im Bauch des Busses ruhten. Wir waren schon gespannt auf den Zoll.

Istanbul wollte kein Ende nehmen. Hochhaussiedlung reihte sich an Hochhaussiedlung, bis wir endlich das offene Land erreichten und Edirne zu fuhren. Wir umrundeten die Stadt und gelangten zur türkisch-bulgarischen Grenze. Die erstaunlich unsouveräne Demonstration staatlicher Souveränität an solchen Landesgrenzen ist immer wieder dumm und nervtötend. Der türkische Grenzer vollführte eine Oper, weil ich einen kleinen Zettel mit einem unleserlichen Stempel nicht gleich vorweisen konnte, den wir bei der Einreise erhalten hatten. Als ich ihn dann in meinem Geldbeutel gefunden hatte, war er nicht mehr nötig. So bleibt meine Ausreise aus der Türkei auf ewig unbestätigt. Die Mitreisenden können jetzt hingegen zufrieden einen Zettel mit zwei Stempeln archivieren oder wegwerfen.

Es gab auch  noch eine Zollkontrolle, die uns eher wie eine abgekartete Farce erschien. Sie dauerte eine gefühlte Ewigkeit, aus der losen Treppenstufe tauchten Zigarettenstangen auf, die an Zöllner ausgehändigt wurden. Auch zehn Dollar musste einer der Reisenden entrichten. Danach holperte der  Bus auf engen Straßen durch die Nacht auf Bukarest zu, machte dabei allerdings einige Umwege, wobei viel telefoniert wurde. Dabei leerte sich dann auch der Bauch des Busses von den zahlreichen gut verklebten Paketen, die an abgelegen Orten in kleinere Fahrzeuge umgeladen wurden.

So langten wir im Morgengrauen in Bukarest an. Der Bus hielt an einem Depot der Busgesellschaft. Die Busleute besorgten uns drei Taxis und wehrten andere Fahrer ab, die uns angesprochen hatten. Wir fuhren für einen Spottpreis zum Ibis-Hotel, wo wir eigentlich schon für die zurückliegende Nacht reserviert hatten, und ruhten uns erstmal von der schlafarmen Busfahrt aus.

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Türkei 2014 – Istanbul (23.04.2014)

Einige Mitreisende hatte der Infekt noch fest im Griff. So traf sich beim Hotelfrühstück nur ein kleiner Kreis und wir starteten schließlich nur zu viert in Richtung Prinzeninsel. Die Sicht vom Schiff aus war eher diesig, dennoch war es interessant, die Skyline von Istanbul nochmal aus dieser Perspektive vor sich zu haben.

Istanbul SkylineDesweiteren unterhielten uns ein Orangensaft-Verkäufer, der später noch ein handliches Zitrusfrüchte-Entsaftungsgerät propagierte, sowie ein wenig einladend bellender Teeverkäufer. Wir fuhren bis zur größten der Inseln, Büyükada, und fanden uns, wohl auch wegen des Nationalfeiertags, inmitten eines ungeheuren Ausflugstrubels. Gruppen von Jugendlichen, Radfahrer und dazwischen zweispännige Pferdekutschen in irrem Trab, die sich durch lautes Klingeln und Hupen Platz verschafften. Wir schwammen eine Weile mit im Strom und setzten uns dann seitlich steil bergauf zwischen Villen hindurch von der Menge ab. Schon war es ruhig. Auf einem Rundweg, wo nur wenige Leute unterwegs waren, umrundeten wir die Insel und hatten immer wieder schöne Ausblicke auf die Insel und auf das Meer mit der Wolkenkratzerlandschaft des asiatischen Ufers. Ganz oben fanden wir die Ruine eines großen hölzernen Gebäudes und die Mauerreste eines anderen Bauwerks. Dazwischen einige Schafe, ein paar Hunde und etliche magere Pferde, vielleicht Kutschgäule auf Gnadenbrot. Gelegentlich saßen oder lagerten Paare am Wegrand und auf Wiesen oder im lichten Wald hatten sich Gruppen zum Picknick niedergelassen.

Ausflügler auf der PrinzeninselWir stiegen langsam wieder ab und landeten in einem Menschengewühl, das sich zu den Anlegestellen hin zunehmend verdichtete. Als sich dort auch noch eine Fähre entlud, wurde das Gedränge so groß, dass Menschen in Panik gerieten. Wir schlugen uns zu einem Teeladen durch, wo wir eine Weile sitzen und uns ausruhen konnten, bis wir uns selbst zu einem Schiff für die Rückfahrt aufmachten. Die war ganz nett, diesmal im windgeschützten Deck. Auch hier viele Nationalfeiertags-Ausflügler, aber kein Gedränge. An Land große Landesfahnen an vielen Gebäuden, sogar ausgespannt zwischen Hochhaustürmen.

Zum Abendessen waren wir zu zehnt. Die andere Gruppe wollte mit Müca in ein etwas entfernteres Restaurant. Das war unseren Rekonvaleszenten zu aufwändig und wir fuhren nur schnell mit der neuen Metro hinüber nach Asien und aßen dort in einem Restaurant, wo wir vom obersten Stockwerk eines Gebäudes einen schönen Ausblick hatten. Von zwei nahe gelegenen Minaretten gaben die Muezzine ein nicht immer ganz harmonisches Duett.

Istanbul bei NachtAls Nachtisch besorgten wir uns an der Straße noch Süßigkeiten, dann fuhren wir mit dem Schiff wieder zurück und genossen das nächtliche Panorama. Danach reichte es gerade noch für ein Dosenbier in kleiner Zimmerrunde, dann war auch dieser Urlaubstag vorüber.

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Türkei 2014 – Istanbul (22.04.2014)

Das Frühstück im Flower Palace Hotel gab es noch immer im Keller, wie im vergangenen Jahr, allerdings war der Raum nun doppelt so groß und rosa gestrichen.

Wir machten uns am Vormittag in kleiner Gruppe auf zur Chora Kirche, die wir bei unserem letzten Aufenthalt geschlossen vorgefunden hatten. Dieses Mal konnten wir sie besichtigen und die alten Wandbilder sehen. Dann Pause im Teehaus gegenüber und anschließend machten wir uns auf den Weg zu Süleymaniye Moschee. Von dort wieder zurück nach Eminönü. Das war insgesamt ein langer Spaziergang, überwiegend durch Gassen und Straßen völlig abseits der Touristenströme, auf dem wir auch etwas von den Unterschiden zwischen den einzelnen Stadtteilen erkennen konnten. Wir sahen eine große Schule, an der viele verschleierte Mütter ihre Kinder abholten, alle Arten von Geschäften, Souterrain-Werkstätten für Dieses und Jenes, Straßenhändler, Lastenträger, die Männer, die hier in riesigen Handkarren Altpapier und -Kunststoffe sammeln, Turbanträger in traditionellen weiten Hosen, Metzgereien, in denen kopfunter die geschlachteten Schafe hingen, auf einer nahen Grünfläche zwei weidende Artgenossen, verfallende, renovierte und neue Häuser und Vieles andere mehr.

Metzgerei in IstanbulAm Spätnachmittag fuhren wir hinüber und hinauf zum Taksim-Platz, wo in Erwartung des Nationalfeiertags riesige rote Fahnen mit Stern und Halbmond von den Häusern hingen. Wir saßen eine Weile am Rand des Gezi-Parks und liefen die lange Einkaufsstraße wieder zurück, wobei sich die Gruppe je nach Kaufinteressen langsam aufteilte.

Trambahn nahe dem Taksim-PlatzAm Abend fuhren wir gemeinsam nochmal in eine Gegend, wo wir nachmittags besonders viele Lokale gesehen hatten. Dieses Mal war es besonders schwierig, auch etwas für die Vegetarier zu finden, die etwa die Hälfte der Gruppe ausmachten, aber schließlich wurden alle zufriedengestellt und gut gesättigt. Allerdings grassierte in unserer Gruppe seit längerem ein Eingeweide-Infekt, der den Appetit und die Genussfähigkeit der jeweils Betroffenen stark eingeschränkt. Ein Teil der Gruppe fuhr mit dem Taxi zurück zum Hotel, wir anderen liefen und fanden die tagsüber quicklebendigen Straßen nunmehr völlig leer und verwaist vor. An den Geschäften und Werkstätten waren die stählernen Rollläden geschlossen, ein paar streunende Hunde durchsuchten den liegegebliebenen Tagesmüll und nur ganz vereinzelt begegneten uns jetzt, um zehn Uhr abends, noch vereinzelte Passanten.

Mehr und auch recht lautes Leben herrschte noch im Touristenviertel rund ums Hotel und wer noch nicht zu Bett musste oder wollte, ging noch mit auf einen Abendtrunk in eines der Lokale.

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Türkei 2014 – Ankara – Istanbul (21.04.2014)

Das Hotel dieser Nacht war das komfortabelste dieser Reise. Gute Betten, einwandfrei funktionierende Dusche, üppiges Frühstücksbuffet – und natürlich die überlebensgroßen amerikanischen Filmszenen überall an den Wänden und die konsequente Umsetzung des schwarz-weiss-dunkelroten Farbkonzepts.

Aber wir mussten weiter. Mit der Metro zum Busbahnhof und dann wieder auf breiten Straßen über Land. Etwa 250 km vor Istanbul wurde es grün. Die Bäume, die bislang noch ziemlich winterkahl gewesen waren. trugen hier bereits recht kräftig entwickeltes Frühlingslaub. Waren die Bergflanken bisher meist braun und kahl gewesen, so waren sie jetzt üppig bewaldet.

Viel mehr ist über diese Busfahrt nicht zu sagen. Wir machten Pause auf einer dieser großen Raststationen, wo es verschiedene Geschäfte und Lokale gibt, diesmal auch verschiedene Textil-Outlets und einen Burger King. Die Straßen wurden mehr und breiter, der Verkehr dichter. Istanbul ist vor allem auf seiner asiatischen Seite, von der wir uns näherten, riesengroß. Es gibt viele neue Hochhaussiedlungen, die oft sehr hübsch anzusehen sind, aber so verstreut liegen, dass eine künftige Erschließung mit Bahnen von vorne herein ausgeschlossen ist. Je näher wir der Stadt kamen, umso gigantischer wurden die Türme, viele davon architektonisch sehr interessant und ansprechend. Wir standen eine Weile im Stau, schlichen im zäh fließenden Verkehr, wogegen auch die aggressiven Spurwechsel des zweiten Chauffeurs nichts nützten, der an der Raststätte aus einer Schlafkoje unten im Bus hervorgekrochen war. Schließlich langten wir in der Busstation Harem an und hatten direkten Anschluss an eine Fähre, die uns zur europäischen Seite übersetzte.

Istanbul: Park unter dem Topkapi-SerailDer Weg zum Hotel war noch vom vergangenen Jahr bekannt und so hatten wir es schnell gefunden. Dann gingen wir zur Blauen Moschee, um dort die Gruppe zu treffen,.mit der wir verabredet waren. Leider hatten wir eine falsche Angabe erhalten, denn der eigentlich gemeinte Treffpunkt war die Neue Moschee. In deren Nähe trafen wir uns dann auch in einem riesengroßen, etwas teureren Lokal zu einem guten Abendessen. Für den weiteren Abend erwies sich die nun doch sehr große Gruppe als zu langsam und uneinheitlich und wir machten uns im kleinen Kreis auf zum Galata-Turm, wo wir auf dem belebten Platz eine Weile vor einer Bar saßen. Im Hotel wurden wir dann noch von drei Musikern unterhalten, die vor dem gegenüber liegenden Lokal mit Spiel und Gesang zwei Touristinnen bespaßten, die dazu hocherfreut klatschten. Wir machten das Fenster zu und suchten Schlaf.

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Türkei 2014 – Ürgüp – Ankara (20.04.2014)

Nach drei Übernachtungen in Ürgüp ging es nun weiter nach Ankara. Der komfortable Reisebus brachte uns erst mit nur wenigen Reisenden an den futuristischen Busbahnhof in freier Landschaft bei Nevsehir, wo sich dann die Plätze füllten. Das Wetter war kühl, aber sonnig und ziemlich klar, so dass wir die schneebedeckten Gipfel der Vulkane sehen konnten.

Busbahnhof bei NevsehirEntlang der Schnellstraße nach Acsaray fielen die zahlreichen verlorenen Laufflächen von Lkw-Reifen auf. Eine alle hundert Meter, dazu ganze Pkw-Reifen, sogar mit Felge. Guten 220km vor Ankara wurde der Einfluss westlicher Kultur und Bauweise immer deutlicher. Bei Acsaray das erste McDonalds-Lokal.

Wir passierten den riesigen Salzsee Tuz Golu. Machten Pause an einer der üblichen Raststätten. Verstreute Industrieansiedlungen, große Reklametafeln entlang der breiter werdenden Straße und zunehmender Verkehr kündigten die Nähe Ankaras an, noch ehe die Skyline sichtbar wurde. In Ankara dann ein riesiger Busbahnhof mit drei Etagen übereinander. Der Weg zur Metro gar nicht leicht zu finden. Schließlich waren es nur fünf Stationen zum Hotel. Dort herrschte endgültig metropolitanes Flair. Die Zimmer modern ausgestattet und gestaltet. Am Kopfende der Betten gab es Tapeten mit dem Großbild von Marilyn Monroe.

Hotelzimmer in AnkaraWir legten kurz unsere Gepäck ab und trafen uns dann wieder zu einem Stadtrundgang. Die Umgebung des Hotels ist modern, mit hohen Häusern und viel befahrenen breiten Straßen. Wir umrundeten den Bahnhof, sahen uns im Genclik-Park um, schauten uns das Atatürk-Denkmal an und stiegen über zahlreiche Treppenstufen hinauf in die Gegend der Zitadelle.

Was wir dort vorhanden, stand in starkem Kontrast zu dem Bild einer modernen, stark westlich geprägten Großstadt, das sich uns bis dahin geboten hatte. Die engen Gassen rund um die Burg bestehen aus alten Häusern in schlechtem Zustand, die uns eher an unsere Tage im fernen Osten des Landes erinnerten. Wir irrten eine Weile herum, bis wir zur eigentlichen Zitadelle kamen, von wo aus sich schöne Ausblicke nach allen Seiten boten. Die Mauern waren frisch renoviert und sind so breit, dass man auf ihnen gut herumlaufen und über die Stadt schauen kann.

Ankara: Blick von der ZitadelleAls wir uns sattgesehen hatten, stiegen wir nach Süden zu wieder ab und kamen durch eine Gegend, wo die Häuser schon saniert oder ersetzt waren und wo erkennbar Gentrifizierung eingesetzt hatte. Mit zwei Taxis fuhren wir wieder zum Hotel und aßen in einem Schnellrestaurant in der Nähe gut und überraschend preiswert zu Abend. Danach beschlossen wir den Tag bei  einem Bier in der Lobby des Hotels.

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Türkei 2014 – Ürgüp (19.04.2014)

Nachdem wir bisher alle Unternehmungen gemeinsam gemacht hatten, gab es an diesem Karsamstag zwei unterschiedliche Programme. Ein Teil machte sich zeitig auf den Weg zur Besteigung des Berges Erciyes Dagy, wir anderen ließen uns etwas Zeit und fuhren dann nach Derinkuyu. Schon am Vortag hatte uns kräftiger Wind den Sand um die Ohren geweht, so dass wir schon Sorge um unsere Kameras hatten und die Kontaktlinsenträgerinnen klagten, aber auf der Busfahrt zwischen Nevsehir und Derinkuyu reichte die Sicht stellenweise nur noch gut hundert Meter weit.

Als wir in Derinkuyu ankamen, regnete es obendrein und so kam uns die Besichtigung der unterirdischen Siedlung gerade gelegen. Dort war es trocken und windstill, aber auch oft eng und niedrig in langen steilen Gängen, die ich nur tief gebückt passieren konnte. Unten Wohnstätten, Stallungen, Lagerräume. Ein Leben dort im Finstern lässt sich schwer vorstellen, auch wenn das nur eine Zuflucht für Zeiten der Christenverfolgung gewesen sein mag.

Türverschluss in den Höhlen von DeinkuyuSchon an einer Höhle im Garten unseres Hotels hatten wir eine interessante Vorrichtung gesehen, die sich auch hier fand: Eine fast mannshohe runde Steinscheibe steckt in einer Nische und kann herausgerollt werden, um den schmalen Gang zu verschließen.

Stellenweise herrschte in dieser Unterwelt ein rechtes Gedränge von Besuchern, zumal einige Stellen nur durch lange Tunnels zugänglich sind, die keinen Gegenverkehr erlauben. Wenn dann von beiden Enden Besuchergruppen vorzudringen versuchen, wird es schwierig. Aber irgendwie geht’s auch ohne offizielle Koordination. Wieder in der Oberwelt angekommen, gönnten wir uns Tee und Spinatpfannenkuchen im Windschutz eines Imbisslokals.

Wind und Regen ließen uns von weiteren Ausflugsplänen Abstand nehmen und wir fuhren zurück nach Ürgüp. Die Bergwanderer kamen etwa gleichzeitig zurück. Für den Rest des Tages gab’s Kleingruppenprogram und zum Abendessen trafen wir uns wieder, diesmal in einem noch etwas einfacheren Lokal, als an den letzten beiden Tagen, aber durchaus zufriedenstellend. Mit Geld abheben und ein paar Einkäufen für den kommenden Reisetag endete der Abend dann auch, denn alle waren müde von ihren Unternehmungen.

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Türkei 2014 – Ürgüp (18.04.2014)

Unser Hotel befindet sich in einem sehr alten Haus mit dicken Mauern. Dahinter liegt ein netter Garten, über dem steil eine Felswand aufragt. An ihrem Fuß befindet sich eine nette Pergola mit einem Sofa, und dort trafen wir uns nach dem Frühstück, um den weiteren Verlauf unseres Aufenthalts zu beraten.

Hotel Hitit, ÜrgüpZuerst machten wir einen Rundgang durch den Ort und sahen uns einige der in den Felsen gehauenen Höhlen an. Von einer hoch gelegenen Plattform aus schauten wir über die Stadt und die Landschaft. Nach einigen Einkäufen nahmen wir ein Dolmus nach Göreme zu den charakteristischen kapadokischen Felskegeln.

Wir wanderten durch die beeindruckende Landschaft, kletterten auf einige Höhen und fanden dann in einem Seitental eine nette, sehr einfache Teestube, vor der wir bei Tee, Kaffee und frisch gepresstem Orangensaft sitzen konnten. Dahinter begann eine beeindruckende Schlucht, durch die wir bis in die Nähe des Freilichtmuseums aufsteigen konnten.

Landschaft bei GöremeDas Museum beinhaltet etliche Felskirchen aus dem 11. und 12. Jahrhundert, sowie etliche klösterliche und profane Räume, alles in den Sandstein geschlagen und zum Teil mit gut erhaltenen Fresken ausgemalt. Diejenigen, die nicht mit ins Museum gekommen waren, hatten sich derweil zum Bier in der Nähe der Busstation niedergelassen, wo wir wieder zusammentrafen.

Da gab es auch zwei vierschrötige Kameltreiber mit drei räudigen Kamelen, die Rundritte für 20TL anboten. Wir verzichteten und fuhren bald auf Stehplätzen in einem überfüllten Dolmus wieder zurück in den Ort.

Anna und Julia gingen in einen Herrensalon zum Friseur und erfuhren dort eine ganz besondere Behandlung mit Gesichtsmaske und allem Drumrum, andere machten Besorgungen oder ruhten sich im Hotel aus, dann gingen wir zum Abendessen.

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Türkei 2014 – Adiyaman – Ürgüp

Ruhiger Beginn eines Reisetages. Bis zur Abfahrt des Busses nach Ürgüp um die Mittagszeit gab es keine gemeinsame Planung. Ich setzte mich eine Weile vors Hotel, nutzte das W-Lan und sah dem Treiben auf der Straße zu, andere waren Einkaufen oder Kaffee trinken. Mittags ging die Reise am nahe gelegenen Busbahnhof weiter. Für den weiten Weg gab es wieder einen komfortablen Reisebus. Wir waren auch diesmal die einzigen Ausländer.

Es ging auf und ab durch weich geformtes und meist grünes bergiges Land. Dazwischen ein paar kleinere Städte. Nach zweieinhalb Stunden mal Pinkelpause an einer Tankstelle. Später längere Pause an einer Raststätte, wo drei halbe Schafe im Freien in einem verglasten Kühlschrank hingen und sich etliche traurige Fische in einem großen Bassin frisch hielten, bis auch sie auf den Grill kamen.

RaststätteNachdem auch noch der Muezzin gerufen hatte, ging es weiter. Es wurde felsiger. Nadelbäume wuchsen an den steilen Hängen. Wir überquerten einen Pass und bald tat sich wieder eine weite Ebene vor uns auf. Goksun, eine kleine Stadt. Auch hier, wie überall bisher, einfache Solaranlagen auf den Dächern. Bei Mehrfamilienhäusern meist eine pro Wohnung. Über dem Kollektor eine oder zwei liegend angebrachte Tonnen. Die Verrohrung lässt auf Schwerkraft-Konvektion schließen.

Bis wir in Kayseri ankamen, war es Abend. Da es keinen Bus mehr nach Ürgüp gab, nahmen wir zwei Taxis, die uns die sechzig Kilometer weit brachten. Die Fahrer mussten viel miteinander telefonieren, um sich auf den Weg zu einigen. Ich hatte mein Navi an und konnte auf den letzten Metern etwas beitragen.

Das Hotel, das wir per Internet vorbestellt hatten, erwies sich als sehr nett, aber etwas überheizt. Wir drehten die Heizung ab und und gingen zum Essen. Der Hotelier hatte uns ein Lokal empfohlen, in dem es recht gut zu essen gab. Vor allem die Vegetarier kamen endlich mal ohne Probleme auf ihre Kosten.

Dem Ort merkt man an, dass er von Touristen frequentiert wird. Die Leute in Hotel und Restaurant sprechen rudimentär deutsch und englisch und es gibt Bier.

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Türkei 2014 – Diyarbakir – Adiyaman

Der abendliche Raki hat mich sehr gut schlafen lassen. Bis zum Frühstück hatten wir schon alles gepackt und um Neun standen wir bereit zur Abfahrt. Recht pünktlich kam auch ein älterer Herr, der unser Busfahrer zu sein schien. Er stand etwas unschlüssig herum, fragte den Portier, der natürlich von nichts wusste und fiel schließlich mir auf.

Wir verstauten unser Gepäck hinten in seinem Kleinbus und nahmen Platz. An einer breiten Ausfallstraße warteten wir eine ganze Weile auf einen weiteren älteren Mann, der neben dem Fahrer Platz nahm. Der hatte inzwischen freundlicher Weise das Bordfernsehen für uns aktiviert, so dass wir die kurdische Schnulzenmusik in Ton und Bild genießen konnten. So ging es hinaus in die weite, von großen Felsbrocken übersäte Ebene.

Stellenweise waren die Steine zu Linien und Haufen zusammengetragen, manchmal lagen sie dicht an dicht auf weiter Fläche. Stellenweise weideten dazwischen Schafe und Rinder, wie stets hier begleitet von Hirten, die aber nicht verhinderten, dass die Tiere neben oder auch auf der Fahrbahn heumliefen. Wir fuhren auf der gut ausgebauten Straße mit gut 90 km/h dahin. Nebel war aufgekommen.

Das Land wurde wieder hügeliger, dann auch grüner. Es gab Ackerbau und einzelne ungeordnet wirkende Ansiedlungen aus verstreut liegenden Häusern und Hütten. In Siverek dann wieder Hochhäuser. Am Ortsrand eine kurze Polizeikontrolle. In der Stadt auffallend viele Männer in traditionellen weiten Beinkleidern und karierten Kopftüchern. Jenseits der Stadt vereinzelt Zeltsiedlungen, wir wissen nicht, ob von Nomaden oder syrischen Flüchtlingen. Eine Schafherde überquerte in langer Reihe die Straße. Wir warteten.

Dann, tief eingeschnitten, das Tal des Euphrat, der hier zu einem riesigen langen See, dem Atatürk-Stausee, aufgestaut wird. Eine große Hängebrücke ist gerade im Bau. Wir konnten das Flackern der Schweißgeräte in luftiger Höhe sehen, während wir auf die Fähre warteten. In einer provisorisch wirkenden Hütte gab es Getränke. Vor der Hütte für uns und die Männer, hinten in einem eher finster wirkenden Verschlag für einige verschleierte Frauen.

An der ersten Überfahrt konnten wir noch nicht teilnehmen, weil das Schiff schon voll war. Auf der anderen Seite dann hügelige Landschaft mit Büschen und Bäumen. Die Straße wurde nun schmaler und kurviger und ging mal auf, mal ab. Wir erreichten das Gebiet des Berges Nemrut, den wir erklimmen wollten.

Dann wurde es wirklich gebirgig. An einer Schranke mussten wir Eintritt zahlen, dann ging es kurvig und rüttend auf Pflaster weiter bergan. Je höher wir kamen, umso nebeliger wurde es leider. Als wir oben am Gipfel ankamen, konnte man nur noch hundert Meter weit sehen. Unverdrossen stiegen wir dennoch hinauf zum Grabmal des Antiochos I. in 2100 Metern Höhe. Die riesigen antiken Steinköpfe dort bekamen durch den Dunst sogar eine ganz spezielle Magie. Während unseres Abstiegs rissen dann für Momente die Wolken auf und gaben stellenweise den Blick auf das berühmte Panorama mit dem langgezogen mäandernden Stausee frei. Während wir uns im Teehaus etwas aufwärmten, wurde es klarer und als wir die Serpentinenstraße wieder hinunter fuhren, kam die Sonne durch.

Steinköpfe am Nemrut DağıAuf dem Weg durch kleine Dörfer sahen wir Kinder, die in steilem Gelände auf Eseln reitend Schafe hüteten. Eine Ziegenherde wurde die Straße entlang getrieben.

So gelangten wir schließlich zu den Ruinen von Arsameia, wo wir nicht alleine waren, denn es gab noch eine Gruppe österreichischer Touristen mit Führerin, die auf dem Berg herumkletterten. Wir besichtigten die alten Reliefs, guckten in die Höhlen und genossen bei strahlendem Sonnenschein den Ausblick ins Land.

Blick von Arsameia
Nächstes Etappenziel war eine sehr gut erhaltene altrömische Brücke über den Fluss Cendere, die wir im warmen Spätnachmittagslicht schön fotografieren konnten.

Dann ging es wieder hinaus in die Ebene zu unserem Tagesziel Adiyaman. Wir logierten komfortabel aber preiswert im “Grand Hotel Iskander”. Anna und Sarah fanden sich in einer großzügigen Suite wieder und gingen erst nochmal fragen, ob man ihnen vielleicht den falschen Schlüssel gegeben habe. Nein, alles hatte seine Richtigkeit und wir hatten einen Raum für den abendlichen Umtrunk.

Vorher machten wir noch einen Rundgang durch die nicht weiter erwähnenswerte Innenstadt und fanden vorzügliches Essen in einem Lokal namens Karawanserei. Allerdings war der Kellner so beflissen und stolz auf seine Englischkenntnisse, dass er uns mit stets neuen Freundlichkeiten und Angeboten andauernd beim Essen störte, bis wir ganz nervös waren.

Die Suite von Anna und Sarah war zum Schluss der passende Platz für den Ausklang.

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Türkei 2014 – Diyarbakir (15.04.2014)

Nachts gab es draußen mal ein Gezeter und Palaver, das uns weckte, morgens dann die Stimme des Muezzin. Am Bett zeigt ein Aufkleber mit einem Pfeil die Gebetsrichtung nach Mekka an. Das Bad ist komfortabler als in Van, allerdings steht auch hier das Klosett innerhalb der geräumigen Duschkabine und der Brauseschlauch reicht bis dorthin, ein Hinweis auf die muslimischen Hygienerituale. Der Frühstückstaum liegt im obersten Stockwerk und hat große Fenster nach zwei Seiten. Das ist schön hell und man sieht über die Dächer, an einer Stelle auch hinaus in die grüne Ebene des Tigris. Vormittagsspaziergang durch Gassen und Basar. Dann eine längere Verhandlung im Tourist-Office über Transportmöglichkeiten für den nächsten Tag. Besteigen der Stadtmauer.

Stadtmauer DiyarbakirMit dem Dolmus hinaus zur Zehn-Augen-Brücke, wo wir über dem Tigrisufer an kleinen Tischen Tee trinken. Auf der Brücke spielt ein alter Mann ohrenbetäubend auf einer alten Flöte. Ein Taxi bringt uns zu acht in atemberaubender Fahrt mit heißer Musik zur Busstation. Anna sitzt im Kofferraum. Im beginnenden Regen finden wir gleich auch ein Dolmus nach Mardin. Es geht ziemlich schnell dahin. Auf dem Mittelstreifen der Schnellstraße liegen oder grasen bisweilen Esel. In Mardin suchen wir den Weg hinauf zur Burg. Schon auf dem Weg dorthin genießen wir die phantastische Aussicht über die Ebene des Euphrat, so dass es nicht allzu schlimm ist, dass wir nicht ganz hinauf gelangen.

MardinVon weitem sehen wir schon lange ein Regengebiet kommen und steigen eilig über steile Treppen und durch enge Gassen ab. Mit dem Beginn eines kräftigen Regengusses langen wir unten an und flüchten in ein Teehaus, wo es auch Baklava und für Laurin einen blauen Marzipanelefanten gibt. Nicht nur deswegen hat sich der Ausflug nach Mardin gelohnt. Es gibt viele sehr schöne Gebäude mit feinziselierten Ornamenten, auch einige christliche Kirchen. Frauen sind viel mehr im Straßenbild sichtbar, oft unverschleiert, manchmal auch westlich gekleidet und treten selbstbewusst auf. Auf die Frage.nach einem Dolmus in Richtung Diyarbakir landen wir zunächst  auf  einer ziemlich langen Rundfahrt mit einem Stadtbus, bis wir unten in der Neustadt ein plüschbezogenes Dolmus umsteigen dürfen. Dort sitzen wir am Ende sardinengleich mit zwei Japanern und etlichen Einheimischen, während der schon etwas  betagte und beim Zahlen rechenschwache Fahrer mit uns nach Diyabarkir zurückbrettert. Ein weiteres Dolmus bringt uns in die Nähe des Hotels, von wo aus wir bald zum Essen aufbrechen. Zum abendlichen Umtrunk gibt es heute Raki und Rotwein im Zimmer von Anna und Sarah. Am Ende des Tages hat Anna eine nette Kurzhaarfrisur.

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Türkei 2014 – Van – Diyarbakir (14.04.2014)

4:00 Uhr morgens. Der Muezzin hat heute Strom. Wir drehen uns nochmal um. Irgendwann ist dann doch Zeit, aufzustehen. Die Dusche noch immer zum Niederknien, die Treppe hinunter nach wie vor ein Abenteuer, weil die Stufen ganz unterschiedlich hoch sind und man nur bei genauer Sichtkontrolle nicht ins Stolpern gerät. Zum Frühstück eine Rede von Erdogan im TV, bis ihm der morgendliche Stromausfall ein Ende macht. Markus zu Laurin: “Auch wenn der Strom zeitweise wiederkehrt, fahren wir hier heute nicht mehr mit dem Lift, denn wir wollen den Bus nehmen und nicht im Aufzug festsitzen.”

Nach dem Frühstück packen. Markus sitzt mit der Landkarte im Aufenthaltsraum und plant. Bei mir melden sich die ersten Kunden von daheim. Wenn sie hören, dass ich in Kurdistan bin, wappnen sie sich, wie wir, mit Zeit. Ich maile Ferndiagnosen und, so hoffe ich, -heilungen und meditiere über den Gegensatz zwischen europäischem Effizienzdenken und dem Orient, der uns hier umgibt.

Am Ticketshop, wo er vorgestern die Busfahrt nach Diyabarkır gebucht hat, wird Markus per Handschlag begrüßt.  Wir dürfen zunächst in einem Shuttlebus Platz nehmen, der uns zum Busterminal bringen soll. Immer mehr Leute stapeln ihr Gepäck im Gang. Als unterwegs noch jemand zusteigt, purzelt ein Gepäcksack hinaus auf die Straße.

Der eigentliche Bus ist dann sehr komfortabel, mit Bildschirm an jedem Platz. Ich packe die Kopfhörer aus und reise fortan passend begleitet von türkischer Popmusik. Wir verlassen die Stadt und fahren dann noch einmal am Van-See entlang, anders als gestern bei strahlender Sonne. Blaues Wasser, schneeweiße Berggipfel, vereinzelte weiße Wolken. Das hatte schon vom Flugzeug aus phantastisch ausgesehen.

Der Steward bringt Tee und kleine Schokoriegel, anschließend parfümiertes Wasser für die Hände. Auf verkehrsarmer breiter Piste rollen wir dann stetig bergan. Es gibt funktionierendes W-Lan im Bus. Die Verbindung zur Außenwelt schwächelt etwas, aber ein paar Mails kommen herein.

Unterwegs eine Pro-Forma-Miliärkontrolle. Ein Panzer, eine Mauer, ein paar Sandsäcke. Ein Koffer muss geöffnet, ein Ausweis vorgezeigt werden, dann geht es weiter. Ein langer Tunnel, dann etwas abwärts und weiter in weiten Kurven durch weich geformte Berglandschaft mit fernen Schneegipfeln. Einzelne Herden von Rindern und Schafen. Dann unvermittelt wieder die weite blaue Fläche des Sees. In Tatvan verlassen wir ihn endgültig.

Von Van nach Diyarbakir

Kurzer Aufenthalt in Bitilis. Malerische orientalische Hauptstraße. Anna und Sarah melden, dass sie in München schon im Flieger sitzen. Dass ich derlei einmal in einem kurdischen Bus erfahren würde, hätte ich nicht gedacht. Danach auf breiter Straße talwärts, bis zu einer Raststätte, wo wir zur Toilette gehen, Tee trinken und uns etwas die Füße vertreten können, dann weiter bergab.

Nach einigen Kilometern erneut ein Kontrollpunkt und wenig später sehen wir, wie ein Kranfahrzeug versucht, einen ausgebrannten abgestürzten Lkw aus dem recht tiefen Flusstal zu bergen. Dann Rinder auf der Straße, dann ein paar Felsbrocken. Die Berglandschaft wird im Absteigen grüner, die Bäume schon frühlingshaft belaubt.

Während wir immer weiter abwärts fahren, weitet sich langsam die Landschaft. Je näher wir Diyabarkir kommen, umso flacher wird es. An diesem Montag erreichen mich ein paar Anrufe und Mails von zu Hause. Einem Kunden kann ich per Mail helfen, ein anderer braucht nur Beratung und die hat Zeit bis zur Rückkehr. Einmal geht es um eine Gemeinderatsangelegenheit. Die Leute sind amüsiert, wenn sie hören, dass ich in Kurdistan im Bus sitze. Ich auch. Alles hat seine Zeit.

Am Ende der sonnigen Tagesfahrt kommt schließlich Regen auf, der aber schon wieder nachlässt, als wir Diyarbakir erreichen. Als mein Navi die größte Nähe zum Hotel anzeigt, steigen wir unter lautem Gehupe der nachfolgenden Autofahrer am Straßenrand aus und finden auch gleich ein Taxi, das uns zum Hotel bringt.

Nur kurz eingcheckt und gleich wieder hinaus zu einem Rundgang mit Lokalsuche. Quirliges Leben in den dunklen Straßen macht Lust auf einen Bummel bei Tage. Schließlich finden wir ein Restaurant, das uns behagt und wo wir vorzüglich essen. Die Zeit bis zum Empfang von Anna und Sarah am Flughafen verbringen wir in der Diwan-Ecke des Hotels. Es hat wieder begonnen, zu regnen.

Mit dem Taxi zum Flughafen, etwas spannende Warterei, weil nicht klar war, ob das Flugzeug schon gelandet war oder nicht. Schließlich wird die Landung bekannt gegeben und dann sehen wir die beiden. Großes Hallo.

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Türkei 2014 – Van (13.04.2014)

Guten Morgen Van! In der Nacht das übliche Geraufe im südländischen Bett. Immer ist die gemeinsame Decke woanders.

Woran bemerkt der moderne Reisende den morgendlichen Stromausfall? Am Schweigen des Muezzin? Daran,  dass der Kühlschrank im Zimmer nicht mehr rappelt? An der fehlenden W-Lan-Verbindung! Aber warmes Wasser, wie im Prospekt. Nur dass die Duscharmatur kaputt ist und das Wasser nur aus dem Hahn ganz unten in Kniehöhe kommt.

So gesäubert zum reichhaltigen Frühstück. Die Büchlers schon da.

Wir laufen ein paar Straßen weit, suchen ein Sammeltaxi nach Hoşap, finden eines, das uns für 40TL mitnimmt. Zwei Leute kommen noch,  dann geht es los. Unterwegs steigt noch eine offenbar kranke Frau mit Begleiter zu.

Moderne Häuser, baufällige Hütten, Ruinengrundstücke, planierte Schutthalden in buntem Wechsel. Handgeschobene Obstkarren, Lastenräder, verbeulte Lieferwagen und moderne LKW nebeneinander. Gepanzerte Polizeifahrzeuge, Wasserwerfer mit Räumschild. An einem Militärgelände ein Wachsoldat hinter Sandsäcken. Eine breite leere Ausfallstraße bergan. In der kargen Landschaft ein Hirt mit Schafen. Auf der anderen Seite Neubaugerippe. Türkische Musik aus dem Lautsprecher, Schneeflecken auf den Hügeln. Blick auf verschneite Gipfel. Auf breiter Piste hinunter ins nächste Tal.
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Unser Dolmus tankt. An der Tankstelle wird noch gebaut. Über uns schweben provisorisch befestigte Stahlträger, auf denen Arbeiter ungesichert herumturnen. Einer bringt ein Schweißgerät auf ein wackeliges Rollgerüst über den Zapfsäulen.

Ein langgezogener Stausee. Unser Fahrer brettert, schneidet die Kurven auf der breiten vierspurigen Straße bis an den linken Rand. Wir überholen einen Kleinlaster voller Hühner in Käfigen. Federflattern im Fahrtwind.

Ankunft. Ein Straßendorf aus zwei Dutzend Hütten. Teestuben, Läden, Werkstätten. Über eine Brücke, dann langsam den Berg hoch zur Burgruine. Blick von oben auf ein Lehmhüttendorf.

HoşapRuinenkletterei mit Ausblicken hinunter in die Ortschaften, hinaus auf schneebedeckte Berge bis hinüber in den Irak. Unten Schüsse, Hupen, ein kleiner Autokonvoi, eine Hochzeit vermutlich. Auf einem Platz unten ist eine Bühne aufgebaut, Stuhlreihen. Vorbereitungen zu einer Veranstaltung oder einem Fest.

Leichter Regen beim Abstieg. Kinder und ein schmutziger Hund interessieren sich für uns. Der Hühnerlaster ist inzwischen bei den Lehmhütten angelangt. Die Bewohner kommen heran, kaufen flatterndes Federvieh, das sie an den Beinen gepackt nach Hause tragen. So bleibt ein Huhn länger frisch, als im Kühlschrank. Wir stehen eine Weile an der Straße, Markus und ich halten Ausschau nach einem Transportmittel, die Damen und Laurin bevölkern derweil einen kleinen Laden mit Ausschank. Keine einheimischen Frauen auf der Straße,  über die ein Transparent gespannt ist, das für das heutige Fest wirbt. So lange wird es wohl noch halten, auch wenn jeder darunter vorbeifahrende Lastwagen ein Wenig daran zerrt.

TeestubeEin Dolmus kommt, die Richtung stimmt ungefähr, wir fahren mit. Zurück auf der breiten Straße, es regnet. Wir biegen nicht ab, sondern es geht wieder nach Van. Dort etwas verhandeln, rätseln, palavern, dann landen wir an einer Art Dolmus-Bahnhof und steigen um in einen Sechzehnsitzer, der uns zur Fähre nach Akdamar bringen soll. Es bleibt kühl und regnerisch heute.

Am Ufer des Van-Sees Picknick-Areale. Die Leute grillen Fisch und essen Mitgebrachtes. Wo Frauen sitzen, sind einige Picknick-Pavillons mit Tüchern verhängt. Ein dicker Mann steigt zu und nimmt auf einem der winzigen Plastikhocker Platz, die vorne gestapelt sind. Er lächelt uns freundlich an, probiert eine Unterhaltung mit Gesten. Wir wollten eigentlich nur zur Fähre am See, aber unser Kleinbus nimmt uns zuerst noch mit auf einen Ausflug hinauf nach Gevas, einen schäbigen Ort mit kaputten Straßen, wackeligen Ställen neben neuen Gebäuden. Ganz oben eine Art Kaserne, dann wieder zurück. An einer Teestube macht der Fahrer erstmal Pause.

Eine Stunde nachdem wir den See  verlassen haben, sind wir wieder dort. Die Überfahrt zur Insel erfolgt nach dem nun schon reichlich bekannten Dolmus-Prinzip: verhandeln, warten wenn dann genügend Leute beisammen sind, geht die Fahrt los. Das ist ein Land für Menschen, die Zeit haben. Wie wir. Schließlich ist Urlaub.

Am Boot nehmen wir in der Kajüte Platz, wo es einen Diwan gibt  windstill ist. Dann dieselt die Schaluppe mit großem Getöse los und aus dem kleinen Hafen hinaus der Seeinsel zu. Leider beginnt es zu regnen und wir umrunden die alte, von blühenden Mandelbäumen umgebene armenische Kirche nur kurz und gehen dann wieder in unsere Kajüte.

AkdamarUnser Boot ist das letzte, das die Insel verlässt und so warten wir sehr lange, bis alle Besucher von der Kirche und den umliegenden Hügeln zurück sind. Schließlich kommt auch noch der Mann, der bei der Ankunft drei Lira von uns kassiert hatte und es kann losgehen. Ganz schnell dann der Weitertransport an Land, denn da wartet schon ein Dolmus und sofort geht es los zurück in die Stadt.

Es ist recht kühl geworden. Also gehen wir kurz ins Hotel, um uns wärmere Kleider zu holen, dann machen wir uns auf Nahrungssuche. Unweit des Hotels gibt es zahlreiche Imbisse. Bei einigen schauen n wir durchs Fenster, in eines gehen wir topfgucken, wobei fast die ganze Belegschaft für uns Spalier steht, bis wir uns entscheiden, doch nicht da zu bleiben, weil unsere vegetarische Abteilung nichts Rechtes finden kann . Schließlich entdecken wir ein Lokal, wo wir die Kellnerei etwas mit unserer Speisenfolge verwirren, aber gut zu Essen bekommen.

Auf den Straßen trotz der Kälte reges Abendleben. Ausrufer skandieren die Ziele von Bussen, die meisten Geschäfte geöffnet, in einem Süßigkeitenladen machen wir noch Halt, dann gehen wir zu einem gemütlichen Abendtrunk zurück ins Hotel.

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