Türkei 2014 – Diyarbakir (15.04.2014)

Nachts gab es draußen mal ein Gezeter und Palaver, das uns weckte, morgens dann die Stimme des Muezzin. Am Bett zeigt ein Aufkleber mit einem Pfeil die Gebetsrichtung nach Mekka an. Das Bad ist komfortabler als in Van, allerdings steht auch hier das Klosett innerhalb der geräumigen Duschkabine und der Brauseschlauch reicht bis dorthin, ein Hinweis auf die muslimischen Hygienerituale. Der Frühstückstaum liegt im obersten Stockwerk und hat große Fenster nach zwei Seiten. Das ist schön hell und man sieht über die Dächer, an einer Stelle auch hinaus in die grüne Ebene des Tigris. Vormittagsspaziergang durch Gassen und Basar. Dann eine längere Verhandlung im Tourist-Office über Transportmöglichkeiten für den nächsten Tag. Besteigen der Stadtmauer. Mit dem Dolmus hinaus zur Zehn-Augen-Brücke, wo wir über dem Tigrisufer an kleinen Tischen Tee trinken. Auf der Brücke spielt ein alter Mann ohrenbetäubend auf einer alten Flöte. Ein Taxi bringt uns zu acht in atemberaubender Fahrt mit heißer Musik zur Busstation. Anna sitzt im Kofferraum. Im beginnenden Regen finden wir gleich auch ein Dolmus nach Mardin. Es geht ziemlich schnell dahin. Auf dem Mittelstreifen der Schnellstraße liegen oder grasen bisweilen Esel. In Mardin suchen wir den Weg hinauf zur Burg. Schon auf dem Weg dorthin genießen wir die phantastische Aussicht über die Ebene des Euphrat, so dass es nicht allzu schlimm ist, dass wir nicht ganz hinauf gelangen. Von weitem sehen wir schon lange ein Regengebiet kommen und steigen eilig über steile Treppen und durch enge Gassen ab. Mit dem Beginn eines kräftigen Regengusses langen wir unten an und flüchten in ein Teehaus, wo es auch Baklava und für Laurin einen blauen Marzipanelefanten gibt. Nicht nur deswegen hat sich der Ausflug nach Mardin gelohnt. Es gibt viele sehr schöne Gebäude mit feinziselierten Ornamenten, auch einige christliche Kirchen. Frauen sind viel mehr im Straßenbild sichtbar, oft unverschleiert, manchmal auch westlich gekleidet und treten selbstbewusst auf. Auf die Frage.nach einem Dolmus in Richtung Diyarbakir landen wir zunächst  auf  einer ziemlich langen Rundfahrt mit einem Stadtbus, bis wir unten in der Neustadt ein plüschbezogenes Dolmus umsteigen dürfen. Dort sitzen wir am Ende sardinengleich mit zwei Japanern und etlichen Einheimischen, während der schon etwas  betagte und beim Zahlen rechenschwache Fahrer mit uns nach Diyabarkir zurückbrettert. Ein weiteres Dolmus bringt uns in die Nähe des Hotels, von wo aus wir bald zum Essen aufbrechen. Zum abendlichen Umtrunk gibt es heute Raki und Rotwein im Zimmer von Anna und Sarah. Am Ende des Tages hat Anna eine nette Kurzhaarfrisur. Veröffentlicht mit WordPress für Android

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Türkei 2014 – Van – Diyarbakir (14.04.2014)

4:00 Uhr morgens. Der Muezzin hat heute Strom. Wir drehen uns nochmal um. Irgendwann ist dann doch Zeit, aufzustehen. Die Dusche noch immer zum Niederknien, die Treppe hinunter nach wie vor ein Abenteuer, weil die Stufen ganz unterschiedlich hoch sind und man nur bei genauer Sichtkontrolle nicht ins Stolpern gerät. Zum Frühstück eine Rede von Erdogan im TV, bis ihm der morgendliche Stromausfall ein Ende macht. Markus zu Laurin: “Auch wenn der Strom zeitweise wiederkehrt, fahren wir hier heute nicht mehr mit dem Lift, denn wir wollen den Bus nehmen und nicht im Aufzug festsitzen.”

Nach dem Frühstück packen. Markus sitzt mit der Landkarte im Aufenthaltsraum und plant. Bei mir melden sich die ersten Kunden von daheim. Wenn sie hören, dass ich in Kurdistan bin, wappnen sie sich, wie wir, mit Zeit. Ich maile Ferndiagnosen und, so hoffe ich, -heilungen und meditiere über den Gegensatz zwischen europäischem Effizienzdenken und dem Orient, der uns hier umgibt.

Am Ticketshop, wo er vorgestern die Busfahrt nach Diyabarkır gebucht hat, wird Markus per Handschlag begrüßt.  Wir dürfen zunächst in einem Shuttlebus Platz nehmen, der uns zum Busterminal bringen soll. Immer mehr Leute stapeln ihr Gepäck im Gang. Als unterwegs noch jemand zusteigt, purzelt ein Gepäcksack hinaus auf die Straße.

Der eigentliche Bus ist dann sehr komfortabel, mit Bildschirm an jedem Platz. Ich packe die Kopfhörer aus und reise fortan passend begleitet von türkischer Popmusik. Wir verlassen die Stadt und fahren dann noch einmal am Van-See entlang, anders als gestern bei strahlender Sonne. Blaues Wasser, schneeweiße Berggipfel, vereinzelte weiße Wolken. Das hatte schon vom Flugzeug aus phantastisch ausgesehen.

Der Steward bringt Tee und kleine Schokoriegel, anschließend parfümiertes Wasser für die Hände. Auf verkehrsarmer breiter Piste rollen wir dann stetig bergan. Es gibt funktionierendes W-Lan im Bus. Die Verbindung zur Außenwelt schwächelt etwas, aber ein paar Mails kommen herein.

Unterwegs eine Pro-Forma-Miliärkontrolle. Ein Panzer, eine Mauer, ein paar Sandsäcke. Ein Koffer muss geöffnet, ein Ausweis vorgezeigt werden, dann geht es weiter. Ein langer Tunnel, dann etwas abwärts und weiter in weiten Kurven durch weich geformte Berglandschaft mit fernen Schneegipfeln. Einzelne Herden von Rindern und Schafen. Dann unvermittelt wieder die weite blaue Fläche des Sees. In Tatvan verlassen wir ihn endgültig.

Kurzer Aufenthalt in Bitilis. Malerische orientalische Hauptstraße. Anna und Sarah melden, dass sie in München schon im Flieger sitzen. Dass ich derlei einmal in einem kurdischen Bus erfahren würde, hätte ich nicht gedacht. Danach auf breiter Straße talwärts, bis zu einer Raststätte, wo wir zur Toilette gehen, Tee trinken und uns etwas die Füße vertreten können, dann weiter bergab.

Nach einigen Kilometern erneut ein Kontrollpunkt und wenig später sehen wir, wie ein Kranfahrzeug versucht, einen ausgebrannten abgestürzten Lkw aus dem recht tiefen Flusstal zu bergen. Dann Rinder auf der Straße, dann ein paar Felsbrocken. Die Berglandschaft wird im Absteigen grüner, die Bäume schon frühlingshaft belaubt.

Während wir immer weiter abwärts fahren, weitet sich langsam die Landschaft. Je näher wir Diyabarkir kommen, umso flacher wird es. An diesem Montag erreichen mich ein paar Anrufe und Mails von zu Hause. Einem Kunden kann ich per Mail helfen, ein anderer braucht nur Beratung und die hat Zeit bis zur Rückkehr. Einmal geht es um eine Gemeinderatsangelegenheit. Die Leute sind amüsiert, wenn sie hören, dass ich in Kurdistan im Bus sitze. Ich auch. Alles hat seine Zeit.

Am Ende der sonnigen Tagesfahrt kommt schließlich Regen auf, der aber schon wieder nachlässt, als wir Diyarbakir erreichen. Als mein Navi die größte Nähe zum Hotel anzeigt, steigen wir unter lautem Gehupe der nachfolgenden Autofahrer am Straßenrand aus und finden auch gleich ein Taxi, das uns zum Hotel bringt.

Nur kurz eingcheckt und gleich wieder hinaus zu einem Rundgang mit Lokalsuche. Quirliges Leben in den dunklen Straßen macht Lust auf einen Bummel bei Tage. Schließlich finden wir ein Restaurant, das uns behagt und wo wir vorzüglich essen. Die Zeit bis zum Empfang von Anna und Sarah am Flughafen verbringen wir in der Diwan-Ecke des Hotels. Es hat wieder begonnen, zu regnen.

Mit dem Taxi zum Flughafen, etwas spannende Warterei, weil nicht klar war, ob das Flugzeug schon gelandet war oder nicht. Schließlich wird die Landung bekannt gegeben und dann sehen wir die beiden. Großes Hallo.

Veröffentlicht mit WordPress für Android

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Türkei 2014 – Van (13.04.2014)

Guten Morgen Van! In der Nacht das übliche Geraufe im südländischen Bett. Immer ist die gemeinsame Decke woanders.

Woran bemerkt der moderne Reisende den morgendlichen Stromausfall? Am Schweigen des Muezzin? Daran,  dass der Kühlschrank im Zimmer nicht mehr rappelt? An der fehlenden W-Lan-Verbindung! Aber warmes Wasser, wie im Prospekt. Nur dass die Duscharmatur kaputt ist und das Wasser nur aus dem Hahn ganz unten in Kniehöhe kommt.

So gesäubert zum reichhaltigen Frühstück. Die Büchlers schon da.

Wir laufen ein paar Straßen weit, suchen ein Sammeltaxi nach Hosab, finden eines, das uns für 40TL mitnimmt. Zwei Leute kommen noch,  dann geht es los. Unterwegs steigt noch eine offenbar kranke Frau mit Begleiter zu.

Moderne Häuser, baufällige Hütten, Ruinengrundstücke, planierte Schutthalden in buntem Wechsel. Handgeschobene Obstkarren, Lastenräder, verbeulte Lieferwagen und moderne LKW nebeneinander. Gepanzerte Polizeifahrzeuge, Wasserwerfer mit Räumschild. An einem Militärgelände ein Wachsoldat hinter Sandsäcken. Eine breite leere Ausfallstraße bergan. In der kargen Landschaft ein Hirt mit Schafen. Auf der anderen Seite Neubaugerippe. Türkische Musik aus dem Lautsprecher, Schneeflecken auf den Hügeln. Blick auf verschneite Gipfel. Auf breiter Piste hinunter ins nächste Tal.
image

Unser Dolmus tankt. An der Tankstelle wird noch gebaut. Über uns schweben provisorisch befestigte Stahlträger, auf denen Arbeiter ungesichert herumturnen. Einer bringt ein Schweißgerät auf ein wackeliges Rollgerüst über den Zapfsäulen.

Ein langgezogener Stausee. Unser Fahrer brettert, schneidet die Kurven auf der breiten vierspurigen Straße bis an den linken Rand. Wir überholen einen Kleinlaster voller Hühner in Käfigen. Federflattern im Fahrtwind.

Ankunft. Ein Straßendorf aus zwei Dutzend Hütten. Teestuben, Läden, Werkstätten. Über eine Brücke, dann langsam den Berg hoch zur Burgruine. Blick von oben auf ein Lehmhüttendorf.

Ruinenkletterei mit Ausblicken hinunter in die Ortschaften, hinaus auf schneebedeckte Berge bis hinüber in den Irak. Unten Schüsse, Hupen, ein kleiner Autokonvoi, eine Hochzeit vermutlich. Auf einem Platz unten ist eine Bühne aufgebaut, Stuhlreihen. Vorbereitungen zu einer Veranstaltung oder einem Fest.

Leichter Regen beim Abstieg. Kinder und ein schmutziger Hund interessieren sich für uns. Der Hühnerlaster ist inzwischen bei den Lehmhütten angelangt. Die Bewohner kommen heran, kaufen flatterndes Federvieh, das sie an den Beinen gepackt nach Hause tragen. So bleibt ein Huhn länger frisch, als im Kühlschrank. Wir stehen eine Weile an der Straße, Markus und ich halten Ausschau nach einem Transportmittel, die Damen und Laurin bevölkern derweil einen kleinen Laden mit Ausschank. Keine einheimischen Frauen auf der Straße,  über die ein Transparent gespannt ist, das für das heutige Fest wirbt. So lange wird es wohl noch halten, auch wenn jeder darunter vorbeifahrende Lastwagen ein Wenig daran zerrt.

Ein Dolmus kommt, die Richtung stimmt ungefähr, wir fahren mit. Zurück auf der breiten Straße, es regnet. Wir biegen nicht ab, sondern es geht wieder nach Van. Dort etwas verhandeln, rätseln, palavern, dann landen wir an einer Art Dolmus-Bahnhof und steigen um in einen Sechzehnsitzer, der uns nach Gevas bringen soll. Es bleibt kühl und regnerisch heute.

Am Ufer des Van-Sees Picknick-Areale. Die Leute grillen Fisch und essen Mitgebrachtes. Wo Frauen sitzen, sind einige Picknick-Pavillons mit Tüchern verhängt. Ein dicker Mann steigt zu und nimmt auf einem der winzigen Plastikhocker Platz, die vorne gestapelt sind. Er lächelt uns freundlich an, probiert eine Unterhaltung mit Gesten. Wir wollten eigentlich nur zur Fähre am See, aber unser Kleinbus nimmt uns zuerst noch mit auf einen Ausflug hinauf nach Gevas, einen schäbigen Ort mit kaputten Straßen, wackeligen Ställen neben neuen Gebäuden. Ganz oben eine Art Kaserne, dann wieder zurück. An einer Teestube macht der Fahrer erstmal Pause.

Eine Stunde nachdem wir den See  verlassen haben, sind wir wieder dort. Die Überfahrt zur Insel erfolgt nach dem nun schon reichlich bekannten Dolmus-Prinzip: verhandeln, warten wenn dann genügend Leute beisammen sind, geht die Fahrt los. Das ist ein Land für Menschen, die Zeit haben. Wie wir. Schließlich ist Urlaub.

Am Boot nehmen wir in der Kajüte Platz, wo es einen Diwan gibt  windstill ist. Dann dieselt die Schaluppe mit großem Getöse los und aus dem kleinen Hafen hinaus der Seeinsel zu. Leider beginnt es zu regnen und wir umrunden die alte, von blühenden Mandelbäumen umgebene armenische Kirche nur kurz und gehen dann wieder in unsere Kajüte.

Unser Boot ist das letzte, das die Insel verlässt und so warten wir sehr lange, bis alle Besucher von der Kirche und den umliegenden Hügeln zurück sind. Schließlich kommt auch noch der Mann, der bei der Ankunft drei Lira von uns kassiert hatte und es kann losgehen. Ganz schnell dann der Weitertransport an Land, denn da wartet schon ein Dolmus und sofort geht es los zurück in die Stadt.

Es ist recht kühl geworden. Also gehen wir kurz ins Hotel, um uns wärmere Kleider zu holen, dann machen wir uns auf Nahrungssuche. Unweit des Hotels gibt es zahlreiche Imbisse. Bei einigen schauen n wir durchs Fenster, in eines gehen wir topfgucken, wobei fast die ganze Belegschaft für uns Spalier steht, bis wir uns entscheiden, doch nicht da zu bleiben, weil unsere vegetarische Abteilung nichts Rechtes finden kann . Schließlich entdecken wir ein Lokal, wo wir die Kellnerei etwas mit unserer Speisenfolge verwirren, aber gut zu Essen bekommen.

Auf den Straßen trotz der Kälte reges Abendleben. Ausrufer skandieren die Ziele von Bussen, die meisten Geschäfte geöffnet, in einem Süßigkeitenladen machen wir noch Halt, dann gehen wir zu einem gemütlichen Abendtrunk zurück ins Hotel.

Veröffentlicht mit WordPress für Android

Veröffentlicht unter Türkei 2014 | Hinterlasse einen Kommentar

Türkei 2014 – München – Van (12.04.2014)

5:30 Uhr, Autobahnring München Ost. Der Taxifahrer koordiniert per Funk den Abtransport später Gäste der Maibaumwachen aus den umliegenden Dörfern. Auch sonst ist schon allerhand los auf der Straße, an diesem ersten Tag der Osterferien.
Am Airport relative Ruhe. In den weiten Hallen verläuft sich die Menge. Wohin? Wir verlaufen uns auch, stehen unschlüssig herum, bis uns ein freundlicher Anruf zum richtigen Check-In-Bereich dirigiert. Dort warten schon Gruppen von Menschen in orientalischen Gewändern. Und die Freunde mit unseren Tickets. Begrüßung, Gschichtlnerzählen, während sich die Schlange langsam durch die Absperrung schlängelt. Im Voranrücken noch etwas umpacken, die Jacke ist jetzt zu warm. Dann Gepäckabgabe. Mein Rucksack wiegt 13,7 kg,  Friederikes 12,1. Aha, in Istanbul müssen wir selber mit den Sachen von Flugzeug zu Flugzeug, weil es am Ziel, in Van, keine Zollabfertigung gibt.

Dann los zum Flieger. Es ist noch reichlich Zeit, aber wir sind unter den letzten. Die meisten klemmen schon an Bord in den Sesseln. Wenig Arm- und Kniefreiheit auf der kurzen Strecke. Fliegen geht schnell, aber der Vorlauf dauert. Am Ende sind wir dann doch in der Luft.

Keine besonderen Vorkommnisse, das Essen eingeschlossen, das mangels Ellenbogenfreiheit nicht ganz einfach zu verzehren ist.

In Istanbul bedeckt und kühl. Mit dem Bus vom Vorfeld zum Terminal, Gepäck abholen und weiter zum Inlandsbereich. Da hatten wir dann reichlich Zeit, beim Warten Tee zu trinken. W-Lan gab’s auch.

Wieder Leibesvisitation und noch etwas warten bis zum Einchecken für den Inlandsflug nach Van. Same procedure. Safety instructions. Am Boden sind die großen Vögel träge. Also dauerte es noch etwas, bis wir wieder in der Luft waren und uns Istanbul von oben anschauen konnten. Stadt und Küste und Meer und Wolken und als dunkle Flecken auf den noch winterkargen Feldern ihre Schatten.

Wieder was zu essen. Auberginenpaste, ein Geflügel-Käse-Brötchen, aus deren zweien wir ein Geflügel- und ein Käsebrötchen bauen. Mousse au Schokobanane. Alles ganz ordentlich. Draußen drunten gelegentliche Schneeberge. Flusstäler, kleinparzelliges Ackerland, zackige Straßenverläufe lassen aus der Vogelperspektive bergiges Land erkennen. Dann weiträumige spätwinterliche Berglandschaft und schon wieder “fasten your seatbelts” zum Sinkflug.

image

Sehr schöner Anflug auf Van mit See, Schneebergen, vereinzelten neuen Siedlungen verstreut in der kargen Landschaft. Der Flughafen klein und provinziell. Ein Taxi zu sechst mit Gepäck zum Hotel. Etwas schäbige türkische Moderne mit einer sensationellen gepolsterten Klobrille, weder komfortabel, noch überzeugend hygienisch, aber sehr lustig.

Gleich wieder los durch die Stadt. Alte verfallene Häuser und neue in jedem Stadium der (Nicht-)Fertigstellung. Keine Touristen. Die Leute beobachten uns, schauen uns nach, manche grüßen. Wir suchen ein Dolmus zur Burgruine, laufen ziemlich lang die Straße entlang, warten an einem Platz, bekommen Sitz- und Stehplätze in einem mit 25 Personen besetzten Gefährt. Spottbillig.

Am Fuß des Burgberges Verwirrung. Linksrum? Rechtsrum? Ein Mann erklärt, wir verstehen nicht viel. Linksrum. Durch eine vielbenutzte Zaunlücke in das Gelände, steil hinauf zur Burgmauer. Die ist frisch restauriert, man kann oben entlang gehen, hohe Stufen erklettern, bis fast zur eigentlichen Burg. Fast. Zurück ein Stück, dann etwas tiefer auf Trampelpfaden rechts um die Burg. Alles sehr beeindruckend, auch wenn es zum Sonnenuntergang über dem See nicht mehr ganz gereicht hat.

Mit einem Dolmus über verwinkelte Lehmstraßen zurück zur Stadt. Auf der Suche nach dem Busbahnhof im Niemandsland einer großen Straßenkreuzung gelandet. Am Ende in einem Imbiss nahe dem Hotel gut gespeist und heim. Markus macht sich noch auf die Suche nach vier Dosen Efes und mit denen beschließen wir den ersten Tag dieser Reise.

Veröffentlicht mit WordPress für Android

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Pfingstradeln im Salzkammergut

Diese Galerie enthält 30 Fotos.

Bilder von drei schönen Radltagen von Salzburg über St. Gilgen und Seewalchen am Attersee bis Oberhofen am Irrsee, 19.-21. Mai 2013

Weitere Galerien | Kommentare deaktiviert

Istanbul 2013 – 09 – Istanbul – 31.03.2013

Heute profitierten wir ganz besonders von der günstigen Lage unseres Hotels. Morgens gingen wir zu Fuß zur Hagia Sophia, der großen Moschee, die einst als christliche Kathedrale das Zentrum Ost-Roms gewesen war und heute als Museum säkularisiert ist. Bis wir hinein konnten, mussten wir erst ziemlich lang in der Sonne Schlange stehen, um Eintrittskarten zu lösen und später nochmal etwas weniger lang, um auf das Gelände zu kommen. Der Besuch drinnen war wirklich eindrucksvoll und lohnend, auch wenn natürlich großer Besucherandrang war.

DSC_2059DSC_2060 DSC_2061

Anschließend wanderten wir über den großen Platz zur Sultan-Ahmed-Moschee und trafen dort im Vorhof ganz zufällig Bekannte, mit denen wir uns eigentlich erst in den nächsten Tagen hatten verabreden wollen.

DSC_2099So unternahmen wir die Besichtigung gemeinsam und setzten uns anschließend noch zum Kaffee. Langsam weicht die Winterblässe aus unseren Gesichtern, denn es ist sonnig und tagsüber schon sehr warm.DSC_2126 DSC_2130Anschließend machten wir kurz Pause im Hotel und fuhren dann mit der Straßenbahn hinüber nach Beyoglu, zum Abendessen und anschließenden Flanieren.

Veröffentlicht unter Istanbul 2013 | Kommentare deaktiviert

Istanbul 2013 – 08 – Istanbul – 30.03.2013

Gut ausgeruht starteten wir in unseren ersten Tag in Istanbul. Wir hatten uns einige Besichtigungen vorgenommen und gingen als erstes zum Topkapi Serail.

DSC_1871Dort mussten wir erst an der  Kasse und dann nochmal am Einlass mit vielen Menschen aus aller Herren Ländern Schlange stehen.

DSC_1912Es gab viel zu besichtigen und zu fotografieren und als wir gerade knapp durch waren, wurde schon geschlossen und es war zu spät für die beiden Moscheen, die wir eigentlich auch gerne gesehen hätten.

DSC_1889So gingen wir kurz ins Hotel und dann wieder hinaus in die abendliche Stadt. Gleich um die Ecke fanden wir einen Imbiss und dann gingen  wir über die Galata-Brücke nach Beyoglu, wo reges Abendleben im Gange war.

IstanbulNacht

Veröffentlicht unter Istanbul 2013 | Kommentare deaktiviert

Istanbul 2013 – 07 – Sofia – Istanbul – 29.03.2013

Ein paarmal wurde unser Wagen rangiert und stand länger auf abgelegenen Gleisen herum. Unsere Hoffnung, dass unser wunderbarer Schlafwagen irgendwann doch noch aus dem Dunkel der Nacht auftauchen würde und wir in bequeme Betten umziehen könnten, erfüllte sich nicht. Dafür wurden wir kurz vor drei Uhr nachts zur Grenzkontrolle geweckt.  Wir hielten unsere Ausweise bereit und warteten. Nach einer Weile kam der Schaffner und rief nochmal “Police, Passport” und den Reisenden  begann zu dämmern, dass die Kontrolle außerhalb des Zuges stattfinden sollte. Der Schaffner war die Strecke bestimmt schon viele Male gefahren und schien ungläubig darüber zu staunen, dass die Reisenden die Prozeduren dieser Fahrt noch immer nicht kannten.

Wir packten also vorsichtshalber unsere Wertsachen ein, damit sie nicht in dem unbewacht herumstehenden Waggon verloren gingen und begaben uns zu einem nahen Flachbau. Je nach Nationaliät benötigten die Reisenden ein Visum, wozu sie zu einem anderen Flachbau mussten, um dort zu erfahren, dass es 15 Euro in bar kostete. Die borgte ich einem Niederländer, mit dem Pia sich im Zug lange unterhalten hatte. Nach welchen Kriterien die Visapflicht für einzelnen Nationalitäten bestand oder nicht, konnten wir nicht nachvollziehen. Als wir an der Reihe waren und einzeln statt Pässen unsere Personalausweise durch die Öffnung in den dicken Gitterstäben reichten, wurde das nicht beanstandet. Da sich aber Personalausweise nicht stempeln lassen, wie Pässe, bekamen wir den Einreisestempel auf unscheinbaren amtlichen Zettelchen, auf denen sonst nur noch unser jeweiliger Vorname stand. Dann durften wir zurück in den Zug, wo einige der anderen Reisenden noch den Inhalt ihres Gepäcks vorweisen mussten.

Jedem Staat auf der Welt, der dies für nötig hält, sei es gegönnt, seine Grenzen zu sichern und sich gegen unerwünschte Eindrinlinge oder Importe zu wappnen. Ein wenig Respekteinflößung oder anderweitige Darstellung staatlicher Souveränität mag auch zugestanden werden. Aber was wir da mitten in der Nacht irgendwo an einem abgelegenen Grenzort zwischen Bulgarien und Türkei erlebt haben, war – gelinde gesagt – seltsam, liebes Gastland Türkei.

Der kurze Zug ruckelte weiter und als es schon hell war, verkündete der Schaffner, dass in zehn Minuten Istanbul erreicht sei und verlangte rasch das Bettzeug, in das wir uns gehüllt hatten. Unsere Telefone zeigten mit Hilfe von GPS, dass wir noch etwas mehr als 40 km vom Stadtzentrum entfernt waren. Draußen war weitgehend leere Landschaft mit verstreuten Haufen von Plastikmüll.

Der Zug fuhr noch eine ganze Weile weiter. An einer Stelle wurde kurz gehalten, weil die Oberleitung seitlich herabhing und an den Waggons streifte. Die Diesellok zog uns dann langsam weiter bis zu einem winzigen Vorortbahnhof an einer großen Ausfallstraße und da war Schluss. Istanbul! Aussteigen! Ungläubig staunend leisteten wir schließlich Folge und marschierten hinter einem Schaffner her über eine Fußgängerbrücke auf die stark befahrene Schnellstraße zu und, kleine Lücken zwischen den Autos nutzend, hinüber zu einer unscheinbaren Busstation. Dort sollten wir dann nochmal je einen Euro für die Busfahrt löhnen und es nutzte nichts, dass wir auf unsere bereits bezahlte Zugfahrkarte verwiesen. Wir hatten keine Euro-Münzen und der Holländer konnte sich revanchieren, indem er mit Bulgarischen Lew für uns bezahlte. Der erste Bus war überfüllt, der zweite wurde mit uns gut voll und brachte uns schließlich in die Stadt und in Bahnhofsnähe. Von dort aus fanden wir auch schnell unser Hotel und wurden freundlich mit Frühstück bewirtet, bis unsere Zimmer hergerichtet waren.

DSC_1742Nachdem wir eingezogen waren, machten wir einen Rundgang, freuten uns an der Tulpenpracht im Park unter dem Sultanspalast, taten erste Blicke hinaus auf den Bosporus und schauten nach den Besichtigungszeiten der großen Moscheen, die sich in bequemer Laufweite unseres Hotels befinden.

DSC_1752Endlich sind wir im Frühling angekommen und freuen uns nicht nur über die Wärme, sondern auch auf die Begegnung mit orientalischer Kultur und Lebensart, die uns hier erwartet. In beginnender Abendkühle ertönte von allen Seiten der Ruf des Muezzin und wir suchten uns alsbald ein Lokal fürs Abendessen. Unsere erste türkische Mahlzeit hat uns recht gut geschmeckt, auch wenn wir die Rechnung am Ende nicht ganz verstanden haben. Sie war moderat genug, das einmal auf sich beruhen zu lassen.

DSC_1744

Veröffentlicht unter Istanbul 2013 | Kommentare deaktiviert

Istanbul 2013 – 06 – Sofia – 28.03.2013

Wir lagen eingehüllt in alle unsere Kleider und je zwei Wolldecken und versuchten, zu schlafen. An den Fenstern gefror das vom Dach herabgeflossene Tauwasser. Einmal kam ein Mechaniker und wühlte in einem Schaltschrank, aber unsere Hoffnungen erfüllten sich nicht. Es wurde eher noch kälter und irgendein Ventilator, der sich nicht abschalten ließ, führte ständig einen leichten Stom Außenluft herein. Zur Abwechslung gab es die üblichen Grenzkontrollen, Zollkontrollen, Fahrkartenkontrollen.

Schließlich kamen wir in Sofia an. Der Bahnhof monumental gebaut und bescheiden ausgestattet und beschildert. Mit Mühe fanden wir die Gepäckaufbewahrung, wo eine extrem mürrische Frau Dienst tat. Ein Guide, den wir eigentlich gerne gemieden hätten, half uns mit der Auskunft, dass wir zwei Lew pro Gepäckstück zu zahlen hätten. Ein Wechselschalter bot die Möglichkeit, unser restliches Serbisches Geld  einzutauschen.   Es war klar, dass wir da keinen guten Kurs bekommen würden, aber hier war das Ergebnis so schlecht, dass Friederike nochmal zurückging, um sich zu beschweren.  Der Mensch hinter dem Schalter blieb natürlich stur. Sein Boss, der während der Transaktion mit Klebefilm Ziffern auf einer Kurstafel befestigt hatte, kam uns dann allerdings rufend durch den ganzen Bahnhof nachgelaufen und reichte noch zehn Lew nach. Das machte die Sache etwas besser.

DSC_1717

Wir vertrauten der Mürrischen unser Gepäck an und liefen stadteinwärts. Im Regierungsviertel verlor sich eine Demonstration einer nationalistischen Partei zwischen den monumentalen Bauten. In der übrigen Stadt gab es tiefe Löcher in Straßen und Gehsteigen. Wir liefen über einen Markt, wo von sorgfältig aufgebauten Stapeln Obst und Gemüse verkauft wurden. Am Straßenrand boten arme Leute kleine Mengen Gemüse an. Ebenso ordentlich arrangiert gab es in einem anderen Teil des Marktes Kleider, bunter Arrangements von Unterhöschen und Büstenhaltern, einige Stände boten Militaria an, auch ein UN-Blauhelm war dabei.

DSC_1713Gut aufwärmen konnten wir uns beim Besuch einiger Kirchen, die immer gut geheizt sind. Auch hier wanderten die Gläubigen von Ikone zu Ikone, einmal sahen wir einen Priester, der in Gegenwart eines Ehepaares laute Gebete an einer Ikone vortrug, so als seien sie von ihnen bestellt worden. Um die Wandbilder und Ikonen vor dem Ruß der zahlreich gespendeten Votivkerzen zu schützen, gibt es in vielen Kirchen Kerzenständer mit Rauchabzug, bisweilen auch Kästen im Freien vor der Kirche, wo die Kerzen aufgestellt werden sollen.

DSC_1727

Auch ein paar nette Cafes fanden wir und zum Schluss auch ein gutes Restaurant, wo wir ausgiebig zu abend aßen, um gewappnet zu sein für die letzte nächtliche Zugfahrt dieser Reise. Die sollte spannender werden, als uns lieb war.

Es begann damit, dass wir zwar rechtzeitig am Bahnhof waren, um unser Gepäck wieder bei der Mürrischen abzuholen und bequem den Zug zu erreichen, aber es stellte sich heraus, dass uns niemand sagen konnte, wo das Gleis 7 sei, das auf der Anzeigetafel als Abfahrtsort unseres Zuges genannt war. Niemand verstand auch nur unsere Frage, so dass wir, nun schon recht knapp, auf eigene Faust suchten und in der Tat paar wenige einsame Waggons fanden, die den Zug nach Instanbul darstellten. Von dem wunderbaren Schlafwagen allerdings, für den wir zwei luxuriöse Doppelkabinen gebucht und bezahlt hatten, war weit und breit keine Spur. Vielmehr handelte uns der Liegewagenschaffner nochmal je zehn Euro für Liegewagenplätze ab, teilte die üblichen Tücher, Kissen und Decken aus und los ging die langsame und ruckelige Fahrt in die Nacht.

Veröffentlicht unter Istanbul 2013 | Kommentare deaktiviert

Istanbul 2013 – 05 – Belgrad – Sofia – 27.03.2013

Unser Abendlokal Iguana lag am Save-Kai, in einer ehemaligen Halle, und so gingen wir am Wasser entlang, dann durch einsame finstere Straßen mit baufälligen Häusern, dem Hotel zu. Es ist wirklich erstaunlich, wie einfach solche Wege mit GPS zu finden sind.
Am Morgen frühstückten wir ausgiebig, checkten aus, und brachten unsere Rucksäcke zum kleinen Gepäckraum des Hotels wo wir eine Weile warten mussten, weil sich drinnen noch eine Hotelangestellte umzog. Dann schauten wir uns kurz den Markt an der nahen Busstation an uns fuhren dann nach Zemun, einem sehr netten kleinen Vorort mit kleinen Häusern und  einem Turm oben am Berg, von wo die Aussicht noch viel besser gewesen wäre, wenn es nicht geschneit hätte. Am Donauufer lag Treibholz und die Gartenstühle der Lokale waren verwaist. Dafür fanden wir im Ort das Café Hollywood Stars, wo wir uns wieder aufwärmen konnten.

P1010023

Zurück in Belgrad besichtigten wir noch die Markuskirche, dann die große Burganlage, wo wir eine Weile umherwanderten, um uns schließlich ein Lokal zum Abendessen zu suchen. Dann ging es zum Bahnhof, wo wir mit Freude auch gleich den richtigen Waggon und unsere Liegeplätze fanden. In zwei Nachbarabteilen waren wieder Schotten, die gut getankt hatten und deshalb die Kälte nicht so spürten, denn der Wagen war nicht geheizt. Aber der Zug stand ja noch und der Liegewagenschaffner verteilte schon einmal Decken für die Nacht. In die hüllten  wir uns bald, denn es wurde frostig und das Wasser, das außen an den Fenstern entlangfloss, gefror zu Eis.

Veröffentlicht unter Istanbul 2013 | Kommentare deaktiviert

Istanbul 2013 – 04 – Belgrad – 26.03.2013

Die Nacht im Hotel Kasina war nicht ganz störungsfrei. Draußen tropfte es kontinuierlich aufs Fensterbrett und irgendwo rauschte ein großes Gebläse. Von Zeit zu Zeit klopften Spätheimkehrer kräftig an Türen, um von ihren bereits schlafenden Zimmergenossen eingelassen zu werden. Im Zimmer der Mädels ließ sich die Tür zum Balkon mit dem imposanten Stadtblick nicht recht schließen ließ, so dass es kalt hereinzog. Andererseits waren wir müde genug von der Zugfahrt  und deren physische Erinnerung rüttelte mich sanft durch die Nacht.

Morgens schneite es leicht und die Dächer waren mit einer dünnen Schneeschicht überzogen. Das Frühstücksbuffett im riesigen, leeren, kalt neonerleuchten Speisesaal war ohne Sensationen und der Kaffee gänzlich ungefährlich. Wir frühstückten und planten den Besichtigungstag.

Draußen erwarteten uns Schnee und glitschiger Matsch. Zuerst liefen wir zur Aleksandar-Nevski-Kirche, wo wir angenehm mit dem Rücken an einem Heizkörper saßen, die weiße Ikonostase vor uns, und den Gläubigen zusahen, die vor einzelnen Pulten innehielten und die dort liegenden Ikonen betrachteten, dann küssten, um zu einer anderen Ikone weiterzugehen, dann zu einem Kruzifix, auch dieses verehrten und küssten und schließlich, sich bekreuzigend, den Raum wieder verließen. Es gab Pulte mit fest eingebauten Ikonen, die an jeder Seite einen Münzschlitz hatten und andere, wo die Bilder lose auflagen und kein Münzeinwurf vorgesehen war. Nach einer Weile kam ein schwarz gekleideter junger Mann, der offenbar für die Kirche zuständig war. Er entfernte eine Blume, die bei einer Ikone abgelegt war und nahm Münzen, die jemand unter eines der lose liegenden Bildnisse geschoben hatte, und brachte sie zu einer Ikone mit Münzschlitz. So ist es wohl überall: die Gläubigen widmen Gebete und Gaben voller Bedacht, aus der Sicht der Diener des Tempels ist alles der gleiche Topf.

DSC_1671

Friederike versuchte, das Tarifsystem der öffentlichen Verkehrsmittel zu erkunden und da es sich dem Fremden nicht so leicht erschließt, fuhren wir zu viert zum Preis von einem mit der Ring-Trambahn Nr. 2 zur Sava-Kirche. Eigentlich handelt es sich um eine Kirchenbaustelle, an der seit den 1930er Jahren gearbeitet wird. Der Bau, großenteils aus Beton, steht, von der Innendekoration existieren bislang nur Andeutungen. Kurz statteten wir noch der Nationalbibliothek nebenan einen Besuch ab, dann fuhren wir, diesmal richtig bezahlend, zur Sankt-Michaels-Kirche. Die war prunkvoll, aber eng, und überall standen Betende vor Ikonen, so dass wir leider nicht umhergehen konnten.

DSC_1675

Zwei nette Cafés lernten wir im Laufe des Tages kennen, das Velvet nahe der Sava-Kirche und die sehr charmante Muha-Bar in der Kralja Pietra. Nach einem Provianteinkauf für die Weiterreise und einer Hotelpause machten wir uns auf die Suche nach dem Iguana, einem Speiselokal mit Live-Jazzmusik, das uns eine Frau aus dem  Tourist-Office als ihren persönlichen Geheimtipp verraten hatte.
Da aßen wir ambitionierte internationale Küche und hörten dazu eine Combo, die Jazz Standards intonierte. Etwas störend, dass hier in allen Lokalen geraucht wird, was wir nicht mehr gewöhnt sind, aber alles in allem ein angenehmer Tagesausklang.

Veröffentlicht unter Istanbul 2013 | Kommentare deaktiviert

Istanbul 2013 – 03 – Budapest – Belgrad – 25.03.2013

Budapest wäre, wie gesagt, einmal einen längeren Aufenthalt wert, aber für dieses Mal war schon wieder Abreisetag. Wir verstauten unsere Rucksäcke im Gepäckraum und gingen frühstücken und Proviant kaufen, dann mit allem Gepäck zum Bahnhof. Die Wartezeit vertrieben wir uns mit Gucken und Fotografieren. Als der Zug aus Prag ankam, der uns nach Belgrad bringen sollte, bezogen wir voll Begeisterung ein gut geheiztes Sechserabteil und freuten uns, es ganz für uns zu haben.  Bis wir merkten, dass wir nicht nur in unserem Abteil, sondern im ganzen Waggon alleine waren.  Als ich dann auch noch eine Rangierlok kommen sah, war es an der Zeit, den gemütlichen Platz wieder zu verlassen und am zugigen Bahnsteig auf den Waggonwechsel zu warten. Mit uns harrten zahlreiche Schotten in Kilts und mit denen teilten wir dann auch den Großraumwagen, der uns durch die zunehmend verschneite Landschaft nach Belgrad bringen sollte. Die Schotten hatten einiges zu Trinken dabei und das versprach eine abwechslungsreiche Fahrt.

P1010018

Wir kamen auch gleich ins Gespräch und erfuhren, dass alle zu einem Fußballspiel der schottischen Mannschaft in Novi Sad unterwegs waren. Eine Französin war auch in der Runde, die in Wien arbeitet und eine Balkantour macht. Sie hieß Aurore und wusste schon, dass sich das in einem mit französischem Akzent ausgespochenen deutschen oder englischen Satz merkwürdig anhört.

An der Grenze gab es drei Passkontrollen, wobei sich die letzte, offenbar von der Regionalpolizei, nur um die Fußball-fans kümmerte. Auch streng blickende Uniformierte und ein Spürhund kamen vorbei, vor den Einstiegstüren standen Wachen, deren Mützen sich langsam mit Schnee bedeckten. Die Schotten waren von ihren Getränken so unbefangen, dass sie allerlei Späße machten, auf die sich die Grenzer bereitwillig einließen. So kam Pia zu netten Fotos von Schotten mit serbischen Dienstmützen und mit spontanen Verbrüderungsszenen.
Pia packte Spielkarten aus und man spielte unter großem Gelächter das offenbar international beliebte “cheating”. Eine Zugreise also, wie in alten Zeiten – lustig, international, radebrechend, während der Zug nicht sehr schnell durch die Gegend rüttelte und sich draußen die Dämmerung über die Winterlandschaft legte.

Ein Schotte kam mit einer Tüte voll Badges vorbei und alsbald bekannten alle “I’ve met the Tartan Army”. In Novi Sad stiegen viele der Schotten aus und auch Aurore hatte ihr Tagesziel erreicht.  Die Männer, mit denen wir uns unterhalten hatten, wollten noch in Belgrad feiern und blieben im Zug.

Sie waren nicht die einzigen, sondern überall in der Stadt begegneten uns Männer in Schottenröcken, auf dem Weg zum Hotel und auch später, als wir zum Essen in die Skadarska gingen, eine Straße, die uns der Hotelportier empfohlen hatte und wo sich in der Tat ein Lokal ans andere reiht, während die übrige Stadt um zehn Uhr abends schon ziemlich ausge-storben wirkte. Wir bekamen sehr gut, gehaltvoll und günstig zu essen.  Nur die handgemachte Volksmusik dröhnte ganz unverstärkt so zwerchfellerschütternd durch das Gewölbe, dass wir uns etwas gestresst fühlten. Direkt an unseren Tisch kamen die Musikanten glücklicherweise nicht.

Veröffentlicht unter Istanbul 2013 | Kommentare deaktiviert

Istanbul 2013 – 02 – Budapest – 24.03.2013

Trotz der vielen Nachtschwärmer in der Gegend hatten wir passable Ruhe. Unter den dünnen Bettdecken war es allerdings nicht besonders warm, obwohl wir schon unsere Seidenschlafsäcke zu Hilfe genommen hatten. Die ungeregelte Heizung hatten wir nachts doch nicht an lassen wollen.

Frühstück mit Kaffee und Hörnchen gab es ganz ordentlich in einem modernen Self-Café. Dann liefen wir am Fluss entlang zur Kettenbrücke, hinüber an die andere Seite der Donau und hinauf zur Burg. Natürlich sind wir nicht die einzigen Touristen und leider gibt es überall sehr zudringliche Werber für Stadtführungen. Von oben weite Ausblicke über die Stadt. Die Temperaturen frostig, an einigen Wasserausläufen in der Mauer hingen Eiszapfen und es wehte eisiger Wind. Wir bedauerten die Wachsoldaten am Präsidentenpalast und wärmten uns in einem charmanten Café nebenan auf.

DSC_1617Dann wanderten wir weiter zur Matthias-Kirche mit erstaunlicher Innendekoration, aber leider wegen Renovierung nur teilweise zugänglich. Außerhalb, auf der Flussseite, die Galerien und Türmchen der frisch renovierten Fischerbastion, von der aus sich schöne Blicke auf die Stadt boten. Auf dem Platz ließen sich Touristen mit Greifvögeln auf der Lederhand fotografieren.DSC_1587

Dann im weiten Bogen hinunter zur Margareteninsel, auf der Brücke hinüber, die bei jeder Trambahn vibrierte, als gäbe es ein Erdbeben. Am anderen Flussufer hatten wir die Straßenbahn nehmen wollen, aber alle Fahrkartenautomaten waren defekt, aus dem Fahrer war kein verständliches Wort herauszubringen und so fuhr die Tram schließlich ohne uns los und wir liefen zu Fuß. Das gab uns Gelegenheit, noch einen Blick in die imposante Stefans-Basilika zu tun, wo allerdings ein Abendgottesdienst im Gang war, so dass wir nur kurz von hinten schauen, aber nicht umhergehen konnten.

An Marktständen gab es Langos und Baumstriezel und dann entschlossen wir uns, für eine Weile ins Hotel zu gehen. Da war es so gemütlich, dass wir fast nicht mehr fortgekommen wären. Wir verhandelten lange über die Reste unseres ungarischen Geldes und was wir uns dafür wohl leisten könnten, wenn anderntags noch ein Frühstück und etwas Reiseproviant drin sein sollten und wurden über das Rechnen mit großen Summen von Forint so träge, dass wir beinahe hungrig ins Bett gegangen wären, statt uns nochmal hinaus zu begeben. Schließlich überwog aber doch der Appetit. Wir gingen einen Geldautomaten suchen, besserten unsere Barschaft auf und besuchten die Pizzeria gleich an der Ecke beim Hotel. Man isst in dieser Stadt wirklich gut und günstig. DSC_1645DSC_1647

Auffallend ist allerdings, dass es in dieser Stadt auch recht viel Armut zu geben scheint. Oft sahen wir ärmlich gekleidete Menschen, Leute, die sich in Eingängen ungenutzter Läden häuslich eingerichtet hatten, Männer, die in Hausmülltonnen nach Getränkedosen und anderen Wertstoffen wühlten und einmal wollte Pia ein öffentliches Toilettenhäuschen aufsuchen, entdeckte dann aber eine darin wohnende Frau. Auch im Stadtbild zeigt sich häufig Geldmangel. Einige Gebäude sind sehr gut renoviert und in Stand, aber viele Häuser sind heruntergekommen, schäbig und manche auch in baufälligem Zustand. Aber wir finden alles in allem, dass Budapest durchaus einmal eine längere Reise wert wäre. Zu einer wärmeren Jahreszeit allerdings.Track_130324

Veröffentlicht unter Istanbul 2013 | Kommentare deaktiviert

Istanbul 2013 – 01 – München-Budapest – 23.03.2013

Coole acht Stunden Zugfahrt sind kein schlechter Ferienstart. Der komfortable Österreichische RailJet war zwar etwas voll und in den Gängen standen Menschen und Koffer, aber wir hatten unsere reservierten Plätze und in Deutschland und Österreich auch recht anständigen Internetzugang und so konnten wir mit letzten Mails und Schreibereien langsam aus dem Alltag in den Urlaub hinübergleiten.

Bei der Fahrt durch Ungarn sahen wir Reste von beachtlichen Schneewehen an den Böschungen entlang der Bahnlinie und es schaute draußen überhaupt noch recht kalt aus. So waren wir dann auch froh über unsere Winterkleider, als wir in Budapest ausstiegen und zu unserem vorgebuchten Hotel liefen. An einem Geldautomaten versorgten wir uns mit Landeswährung und mussten kräftig rechnen, bis wir die benötigte Summe ermittelt hatten. Als Bewohner von Euroland ist man dergleichen Zahlenakrobatik gar nicht mehr gewohnt.

Seltsam auch, seit langem erstmals wieder in einem Land zu sein, von dessen Sprache wir kein einziges Wort verstehen. Das machte sich gleich im Hotel bemerkbar, wo die nette, aber etwas unbeholfene junge Frau am Empfang in holprigem Englisch endlose Formalitäten vollzog,  die durch sprachliche Schwierigkeiten noch umständlicher wurden, als sie ohnehin schon waren. Am Ende aber hatten wir dann doch unser ordentliches Viererzimmer, zogen ein und breiteten uns aus.

Am Abend spazierten wir in Richtung Donau, studierten unterwegs die Speisekarten vor den Restaurants, warfen einen Blick auf die spektakulär erleuchteten Bauten am gegenüberliegenden Flußufer und blieben gleich da, denn das Menü im Restaurant Dunacorso sagte uns zu. Bei den Klängen eines ambitionierten Gitarrenspielers aßen wir vorzügliche Gerichte einheimischer Provenienz. Donauwaller und Paprikahuhn, gebackenen Käse und Krautwickel, Speck, Kotelett und eine kräftige Wurst auf Sauerkraut. Am Ende schwelgten die Damen noch in drei verschiedenen Desserts, die sie unter Jauchzen und Augenrollen herumreichten, bis alles verzehrt war. Das Ganze zu umgerechnet siebzig Euro für vier Personen war ein prima gelungenes Entree in die kulinarischen Entdeckungen dieses Urlaubs.

BudapestNacht01

Veröffentlicht unter Istanbul 2013 | Kommentare deaktiviert

E-Parallel-Tandem-Fahren am Chiemsee

Öfter mal was Neues. Eine Bekannte, die das gerne einmal ausprobieren wollte, hatte bei tour-me in Chieming ein holländisches Parallel-Tandem mit Elektro-Unterstützung namens Fun2Go zu leihen genommen. Unsere Fahrt damit, zwischen See und Alpenpanorama, war nicht nur wunderschön, sondern teilweise auch recht bergig. Von alleine bewegt sich das Gefährt nicht, sondern Mensch muß an Steigungen ordentlich arbeiten und der Elektromotor gibt das Quentchen zu, das nötig ist, damit der Berg erklommen werden kann.

Parallel Tandem Fun2GoFahrerseitig, also links, gibt es eine 8-Gang-Schaltung. Der Abtrieb dreht eine quer liegende Welle, die zugleich mit Freilauf und konstanter Übersetzung von der Beifahrerseite aus angetrieben wird. Über eine lange Kette wird die Kraft von dieser Welle an die Hinterräder übertragen. Der Elektroantrieb zur Unterstützung liegt in der Vorderrad-Nabe. Eine Elektronik ermöglicht die Wahl zwischen drei Leistungsstufen. Die Zuschaltung des Motors erfolgt über einen Drehgriff – und nur dann, wenn fahrerseitig genügend Eigenleistung erbracht wird.

Seeblick vom Restaurant "Al Dente", ChiemingIn der Ebene geht es so recht flott dahin. Bei Steigungen muß man ordentlich mithelfen, sonst tut der Motor auch nichts. Das wurde bei einigen kräftigen Anstiegen dann doch recht sportlich schweißtreibend. Nach einem besonders langen und steilen Straßenstück setzte die Elektro-Unterstützung eine Weile aus, bis sich die Akkus wieder erholt hatten.

PanoramaWer sonst nur mit Muskelkraft fährt, wundert sich zunächst darüber, wie so ein Antrieb auf die Schaltung reagiert. Denn erstens wirkt die Tretkraft auf die Hinterräder, zweitens bestimmt sie auch, ob die Elektrounterstützung greift. Schaltet man wie gewohnt herunter, um leichter zu treten, registriert eventuell auch die Unterstützung zu geringe Tretkraft und lässt nach. Es hat eine Weile gedauert, bis ich damit einigermaßen intuitiv umgehen konnte und reichweitenfreundliches Stromsparen in etwa mit der erwünschten Entlastung unter einen Hut bringen konnte. Interessieren würde mich, ob überhaupt etwas unternommen wurde, um die im holländischen Flachland beheimatete Abstimmung der Technik an das voralpine Hügelland am Chiemsee anzupassen.

Am BachEs war jedenfalls ein interessantes Radl-Erlebnis.  Anders, als das Wort E-Bike vermuten ließe, war es durchaus auch ein ordentlicher Workout. Und bei herrlichem Wetter, in der wunderbaren Landschaft des Chiemsees, begleitet von angenehmen Gesprächen, war es einfach auch ein prima Herbsttag. Last not least: Das Restaurant Al Dente in Chieming, wo wir in herrlicher Sonne am See zu Mittag gegessen haben, hat meinen obligatorischen Spaghetti-Carbonara-Test mit Bravour bestanden.

Panorama mit BachSeeuferweg

track_121004Etwas mehr als 30 km

Veröffentlicht unter Riemerlinger Radlrunden | 1 Kommentar

Kloster Fürstenfeld

Nach den vergleichsweise kargen und dunklen Kirchen des französischen Südens, die wir auf unserer Rad-Reise gesehen haben, fällt die lichtvolle Üppigkeit des bayerischen Spätbarock in der Klosterkirche in Fürstenfeld um so deutlicher auf. Das ist höfischer Prunk anstelle christlicher Frömmigkeit.

Reliquie des Hl. HyacinthusSeitenaltarSamariterin am BrunnenBemerkenswert auch die Gründungsgeschichte des Klosters: es wurde 1263 von Herzog Ludwig II, dem Strengen, als Buße dafür gestiftet, dass er seine Frau, Maria von Brabant, aus ungerechtfertigter Eifersucht hatte hinrichten lassen. Die Kirche entstand zwischen 1700 und 1766.

Nach Fürstenfeld hatte mich ein Fahrradausflug in den Westen Münchens geführt. Zu der eigentlich geplanten Umrundung des Ammersees hat es wegen einer abendlichen Verabredung nicht mehr gereicht.

Track_120828

Veröffentlicht unter Allgemein, Radtouren | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert

St. Antonius und das Kind

Diese Galerie enthält 8 Fotos.

Unter den Heiligenfiguren in den Kirchen sowohl in der Gegend um das italienische Triest, als auch in Frankreich, in der Auvergne und im Limousin, sind mir in diesem Jahr bemerkenswert süßliche Darstellungen des Antonius von Padua mit dem Jesuskind aufgefallen. … Weiterlesen

Weitere Galerien | Kommentare deaktiviert

Frankreich 2012 – 18 – Genf – München

Wir hatten eine erholsame Nacht im Etap-Hotel. Irgendjemand hatte die Verriegelung des Fensters geöffnet und vergessen, es wieder zu schließen, so dass es bei unserer Ankunft leicht offen stand. So konnten wir sogar bei Frischluft schlafen, ohne Zwangsklimatsierung. Wie gesagt, sind die Etap-Hotels vom Konzept her ganz in Ordnung. Aber immer wenn ich auf einer Reise viele Hotelzimmer gesehen habe, möchte ich am liebsten selbst ein Gästehaus aufmachen, um all die kleinen und großen Fehler zu vermeiden, die mir begegnet sind. So war zum Beispiel der Kloschrank in unserem Zimmer genau so groß, wie unbedingt nötig, aber es war kein Halter für die Reserve-Papierrolle vorhanden, also lag die am Boden. Bei so viel Perfektion ein seltsamer Mangel. Anstelle eines Griffes hatte die Glastür der Duschkabine ein Griffloch, durch das Wasser von der Brause direkt auf den Boden spritzte.

Dafür waren Brause und Armatur wirklich in Ordnung. Keine zehnfach verstellbare Massagebrause, die nur ein paar Wochen lang schick ist und für den Rest ihres Daseins ein schreckliches Ärgernis für jeden Gast. Sei es, dass nur mehr ein Rinnsal herauskommt, sei es, dass das Wasser nach allen Seiten davonspritzt, sei es, dass ein scharfer Strahl unerwartete Empfindungen an Stellen hervorruft, die man eigentlich nur waschen wollte. Ein besonderes Monster von Dusche gab es bei unseren beiden Besuchen in Aurillac. Dort standen Fertigduschen mit einer großen fest eingebauten Brause über dem Kopf, die am liebsten dann losging, wenn man die Haare trocken behalten wollte. Dann gab es sechs oder acht schwenkbare seitliche Düsen unterschiedlichen Verstopfungsgrades, die beim Versuch, sie zu schwenken, zum Herunterfallen neigten, und schließlich noch die obligatorische Handbrause mit fünf Massagefunktionen. Siehe oben. Wie einfach könnte das Leben sein.

Wie wäre es mit der Möglichkeit, das Handtuch in Greifnähe der Dusche aufzuhängen? Wie generell mit Gelegenheiten, Handtücher aufzuhängen, so dass man sie auch noch am nächsten Morgen auseinanderhalten kann? Überhaupt gibt es selten ausreichend Haken und Bügel, seine Sachen aufzuhängen. Die vom Schwitzen feuchten Sachen bei der Ankunft, die unterwegs verpackt gewesenen Sachen zum Aushängen, ehe man sie anzieht, die schnell mal herausgewaschenen Sachen zum Trocknen, die Hose und das Hemd während man schläft.

Steckdosen sind meist auch Mangelware. Entweder fernsehen oder das Mobiltelefon laden. Im Etap-Hotel Genf hätte ich einen Adapter gebraucht, um mein Netbook aufzuladen, weil der in Deutschland und Frankreich passende Schuko-Netzstecker hier in der Schweiz nicht zu gebrauchen war. Dies alles hier festzuhalten hatte ich die Muße, während Friederike nach unserem Frühstück in einer einfachen Bar beim Migros Proviant und Mitbringsel einkaufte.

Blumenuhr mit Touristenbähnle

Dann rollten wir weiter durch die Stadt, stellten fest, dass die berühmte Blumenuhr höchstens wegen der vor ihr posierenden Touristen interessant ist, dass Genf das Geld hat, riesige alte Bäume mit der Handbrause begießen zu lassen, dass wir inzwischen so gut trainiert sind, dass wir den steilen Weg hinauf zur Kirche St. Pierre samt Gepäck radeln können, ohne abzusetzen, dass es in der Kirche dann allerdings außer Kanzel und Chorgestühl kaum etwas zu sehen gibt, dass es aber beim Heim für Töchter in einer Ecke des Platzes eine lauschige Bank zum aufeinander Warten gibt, dass man von dem Berg nur schwer wieder ohne Treppen herabfindet, dass das Solar-Touristenbähnle am Quai Gustave Ador kurz hält, damit seine Bleiakkus mittels Hubwagen ausgewechselt werden können und dass das durchorganisiert ist, wie ein Reifenwechsel bei der Formel 1, dass sich ein Teil der genfer Businesspeople mittags gerne mit einer Schachtel Takeaway-Food auf Steinstufen am Fluss setzt, während die vermutlich besser verdienenden ein paar Schritte weiter teuer speisen. Wir setzten uns auf eine Steinstufe am Quai, schauten dem bunten Treiben zu und aßen Brot und Käse vom Migros. Der Montblanc lag im Dunst verborgen.

Mittagspause am Quai

Am Bahnhof herrschte die übliche Verwirrung, wo das Fahrradabteil des Zuges sein würde. Ich fragte einen Eisenbahner, aber der gab eine falsche Auskunft, so dass wir nach Einfahrt des Zuges den üblichen Spurt hinlegen mussten. Hastiges Einsteigen also, aber als Mitfahrer hatten wir einen Richter aus Toulouse, der sehr gut deutsch sprach, viel mit dem Fahrrad herumgekommen war und allerhand zu erzählen hatte. So wurde uns bis Zürich nicht langweilig. Dann umsteigen in den Zug nach München, wo wir für Menschen und Räder reservierte Plätze hatten. Auch das klappte alles recht problemlos. Ab Lindau schlich der Zug wegen Bauarbeiten auf irgendeiner Umleitungsstrecke dahin. Es gab Strom für mein Netbook, also schauten wir uns meine Fotos an, ich hörte Musik, Friederike las in ihrer französischen Krimisammlung. Uns war so langweilig, wie das klingt. Zudem stand uns noch die Radltour vom Hauptbahnhof nach Hause bevor, denn auf der S-Bahn-Stammstrecke in München wird an allen Sommerwochenenden gebaut.

Sonnenuntergang am Bodensee

Um nicht vor Hunger und Durst vom Rad zu fallen, gönnten wir uns kurz vor Schließung der Imbissstände am Hauptbahnhof noch einen Snack und je eine Flasche Augustiner, lernten dabei einen lustigen Bahnhofsfan kennen und fuhren dann, ganz ohne Navi, auf meiner „Nachtroute“ über Ramersdorf und Perlach nach Hause. Dort war alles noch an seinem Platz.

Gesamt-Track

 726 Fahrradkilometer

Veröffentlicht unter Frankreich 2012 | Kommentare deaktiviert

Frankreich 2012 – 17 – Aurillac – Genf

Kurze Nacht. Kein Frühstück. Frösteln in der Morgenkühle. Auf dem Weg zum Bahnhof holte Friederike in einer Boulangerie Croissants und Pains au Chocolat. Der Zug stand schon da, es war reichlich Platz für unsere Räder. Außerhalb der Ferienzeit wäre wohl in einem Frühzug um 7:55 Uhr bedeutend mehr los.

Räder im Zug ab AurillacAuf der Fahrt durchs Cantal suchten wir wieder bekannte Orte. Thiezac hat offenbar keinen Bahnhof mehr. Vor vielen Jahren waren wir hier mit einem scheppernden Zug zu unserem ersten Wanderurlaub in Frankreich angereist und hatten immer auch die Bahn zur Hin- oder Rückfahrt bei unseren Wanderungen über die Ränder des alten Vulkankraters benutzt. Um diese frühe Morgenzeit lag Tau auf den Wiesen und Nebel in einigen Teilen des Tals.

Blick aus dem Zugfenster im CantalIn Clermont-Ferrand gibt es leider weder Rampen noch Aufzüge, so dass wir Taschen und Räder separat schleppen mussten. Allerdings sind wir inzwischen ein gut eingespieltes Team und schaffen das Rauf und Runter in Rekordzeit, ohne dabei die Kontrolle über die Lenkertaschen mit den Wertsachen, die Räder und das übrige Gepäck zu verlieren. Die Übergangszeit erlaubte es uns, gegenüber dem Bahnhof in Ruhe einen Milchkaffee zu trinken, Wasser und Kekse zu kaufen und eine ganz kurze Runde in der Stadt zu drehen, bevor wir uns im Zug nach Lyon einrichteten. Da gab es wieder Hängevorrichtungen für die Räder, so dass wir alles Gepäck separat verstauen mussten. Außerdem sind die Aufhängungen für niedrigere Fahrräder konstruiert, so dass die Leute immer an den Lenkern und vor allem an unseren Rückspiegeln hängen bleiben. Würden die Konstrukteure solcher Waggons selbst mit dem Fahrrad reisen, gäbe es bestimmt Stellplätze, an denen man beladene Fahrräder sicher abstellen könnte. Schon für ganz normale Koffer ist in vielen modernen Zügen nicht ausreichend Platz. Die Konstrukteure fahren vermutlich im Alltag mit dem Auto und verreisen mit dem Flugzeug. Dort wird an das Gepäck gedacht.

Am Bahnhof in Clermont Ferrand hatten wir erfragt, dass es eine Zugverbindung nach Genf gäbe, die uns drei Stunden Wartezeit ersparen würde. Einziges Handicap: nur achtzehn Minuten Übergangszeit in Lyon. Aber mit den Rampen am dortigen Bahnhof wäre das zu schaffen. Wir räumten also beizeiten unsere Taschen in die Nähe des Ausgangs, nahmen Aufstellung und versuchten, zu raten, auf welche Seite der Bahnsteig sein würde. Gepäck raus auf den Perron, Fahrräder von den Haken, ohne irgendetwas aus den Augen zu verlieren, Fahrräder beladen und zwischen Bahnsteigkante und gedrängten Reisenden fast die ganze Bahnsteiglänge bis zu den Rampen und hinab. An Gleis B keine Rampe, nur ein Aufzug, vor dem viele Leute warteten. Dahinter eine Rolltreppe. Rolltreppe fahren mit beladenen Rädern hatten wir schon. Mit guten Bremsen kein Problem. Oben das bekannte Ratespiel, wo die Fahrradabteile sein würden. Als der Zug kam, stellte sich heraus, dass wir es mit unserem Standort nicht schlecht getroffen hatten. Wir waren die ersten Radler im Zug. Hinter uns kam noch eine Familie aus Luzern, mit zwei Kindern, zwei Rädern, Kinderrad, Kinderanhänger und mords Gepäck. Aber ebenfalls gut organisiert. Alle erstmal rein, dann Plätze reservieren, Gepäck abladen im Getümmel der übrigen Fahrgäste, Gepäck verstauen, hinsetzten, durchatmen, geschafft! Wir hatten einmal Umsteigen in Bellegarde gespart und würden dreieinhalb Stunden eher in Genf sein.

Genfer SeeDie Fahrt ging dann auch ganz problemlos. An den Haken baumelten ein Kinderrad und vier teure Fahrräder mit Rohloff-Schaltung.  Die Schweizer hatten sogar Zahnriemen-Antrieb statt Kette (bis sie einmal im Winter damit fahren und gefrorener Matsch in den Riemenscheiben festfriert, wie damals bei Pias stolzem Patria-Kinderrad). Wir fuhren durch schöne Landschaft, aßen restliches Baguette und Kekse und freuten uns auf einen netten Abend in Genf. Das Etap-Hotel war leicht gefunden, der Weg bergauf dorthin angesichts des Trainingszustandes, den wir in den letzten Tagen erreicht hatten, auch kein echtes Problem. Wir sicherten unsere Räder vor dem Haus mit der schweren amsterdamer Kette, machten uns frisch und radelten dann in die Innenstadt und dort ein Wenig umher, durch ein paar Straßen mit teuren Lokalen, dann an den See. Wir wechselten fünfzig Schweizer Franken ein, stellten fest, dass die Preise noch höher sind, als in München und landeten nach einigem Suchen zum Abendessen in einer sehr reellen Pizzeria in einem innenstadtnahen Wohnviertel.

Dann radelten wir in der Abenddämmerung die Quais entlang, saßen eine Weile auf einer noch sonnenwarmen Steinmauer in der lauen Abendluft, sahen den Leuten zu, schauten aufs Wasser hinaus und auf die Lichter der Stadt und fuhren am Ende wieder den langen Berg hinauf zum Hotel.

Genfer See bei Nacht

Veröffentlicht unter Frankreich 2012 | Kommentare deaktiviert

Frankreich 2012 – 16 – Marcolés – Aurillac

Die Nacht in unserem schönen grossen Zimmer zum Hauptplatz von Marcolés war etwas unruhig. Die Wimpelleinen vor dem Haus flatterten hörbar im kräftigen Wind und fast die ganze Nacht über kamen gelegentlich lärmende und offenbar auch betrunkene Festgäste vorbei. Diese Sommerfeste in der Haupt-Urlaubszeit, wie wir sie jetzt hier in Frankreich erleben und auch aus Italien kennen, haben wohl etwas damit zu tun, dass viele Einheimische entweder im eigenen Land oder gar nicht verreisen. Bei uns sind Feste eher vor den Sommerferien, weil danach sehr viele weg sind. So waren am Morgen auch alle im Haus mit emsigen Festvorbereitungen beschäftigt. Straßensperren wurden aufgestellt, Getränke gekühlt, Tische und Bänke hergerichtet. Am Vorabend hatten wir in der Kirche sehen können, dass auch die Jungfrau Maria zu ihrem Geburtstag, dem 15. August, besonders hergerichtet wurde.

Baum in FeldernTrotz des Feiertags hatte der kleine Supermarkt vormittags geöffnet, so dass wir uns wieder versorgen konnten, ehe wir losfuhren. Wir waren lange Zeit fast allein auf den kleinen Straßen, die uns auf und ab durch kühle Flusstäler und über weite Höhen führten. Auf den Weiden standen Kühe, in der Luft kreisten immer wieder Greifvögel. Bald tauchte vor uns in der Ferne wieder die Berglandschaft des Cantal auf. Der recht starke Wind, der schon nachts ums Haus gepfiffen hatte, dauerte an, kam aber zum Glück fast nie von vorne. Er kühlte angenehm, denn eigentlich war es recht heiss. Als wir nach einer Brotzeitpause am Bouleplatz von X wieder aufbrachen und auf der breiten sonnenbeschienenen Ortsstraße aufstiegen, zeichneten sich meine Reifenspuren im aufgeweichten Asphalt ab.

FeldwegAuf einer Weide beobachteten wir Kühe, die sich gegen die lästigen Insekten gerne die Hilfe von Vögeln gefallen ließen, die sich ihnen sogar auf die Schnauze setzten und dort herumpickten.

KüheNachdem unsere Tagesroute nicht lang war, konnten wir uns bei den Aufstiegen Zeit lassen, hatten allerdings im Internet auch die Gewitterwarnungen für den Nachmittag gesehen und wollten gerne bei gutem Wetter nach Aurillac kommen. Als wir den Ort aus einigen Kilometern Entfernung unten vor uns liegen sahen, begannen sich hinter uns bereits dunkle Wolken zusammenzuziehen. Wir erreichten aber problemlos die Stadt und fanden auch gleich unser Hotel, Le Renaissance, wo man bei heftiger gewordenem Wind bereits begann, die Außentische abzuräumen. Als wir uns aber frisch gemacht hatten und wieder auf die Straße kamen, hatte der Wind nachgelassen und das angekündigte Unwetter war zumindest vorerst ausgeblieben. Während wir beim Nachmittagskaffee saßen, drang sogar wieder die Sonne durch die Wolken.

Blumenampeln in AurillacWir wanderten einige Zeit durch die Gassen der Stadt. Aurillac ist nicht wirklich das, was man einen malerischen oder hübschen Ort nennen würde. Es gibt viele heruntergekommene Gebäude, einige horrende moderne Bausünden und viel gestalterische Lieblosigkeit, auch wenn in manchen Straßen große gut gepflegte Blumenampeln hängen. Natürlich sieht eine Stadt anders aus, wenn auch noch feiertagshalber die Geschäfte zu sind. Aber unser Gesamteindruck war nicht enthusiastisch.

Am frühen Abend setzten wir uns vor das moderne Café, wo wir schon ein paar Stunden zuvor gewesen waren, tranken Bier vom Fass und schauten allerlei illustrem Volk zu, das in dem Lokal verkehrte. Im Hintergrund standen wieder finstere Wolken, aber es blieb warm und trocken.

Im Hotel ist der W-Lan-Zugang kaputt und wegen des Feiertags gibt es niemanden, der ihn reparieren kann. Ein überraschendes Phänomen auf dieser Reise war, dass es in fast allen Unterkünften einen kostenlosen Internet-Zugang per W-Lan gab. Mehr noch: auch auf dem Land konnte ich ohne Probleme meine Blog-Photos hochladen und hatte den Eindruck, dass die Internet-Anbindung immer im Bereich mittlerer DSL-Geschwindigkeit, also bei mindestens 5 MBit lag. Davon können vergleichbare Gegenden in Bayern nur träumen.

Als wir zum Abendessen in unser Hotel hinübergingen, begann es zu regnen. Das Abendessen war gut und ein durchaus passender  Abschluss für den kulinarischen Aspekt dieser Reise. Die Darbietung war eher sachlich. Den Näpfchen, in denen die einwandfreien Pommes Frites angeboten wurden, fehlten drei Fünftel von vier Henkeln.

Track120815Profil120815

Veröffentlicht unter Frankreich 2012 | Kommentare deaktiviert