6. August
Heidenheim an der Brenz – Sulzbach am Kocher

Wir schliefen wunderbar im Hotel Bäuchle. Der Raum, in dem wir das Frühstück einnehmen sollten, war ebenso überladen, wie das übrige Haus. Wir sollten an einem Tisch Platz nehmen, an dem zwei Gäste eben ihr Frühstück beendeten. Ich ging selbstverständlich davon aus, dass Brotkorb und Wurst-Käseplatte für alle am Tisch gedacht seien. Aber weit gefehlt. Ich hatte mir gerade ein Wurstbrot belegt, da wurde alles abgetragen, um für uns neu hergerichtet zu werden. Das wollte die Wirtin selbst erledigen, während ihre Helferin Sanella andere Arbeiten zugewiesen bekam. So verzögerte sich zwar unser Frühstück, aber die Platte, die dann aufgetragen wurde, war überaus üppig beladen. Es gab Wurst, Hartkäse in Scheiben, Camembert, Paprika, Melone, Trauben und von allem mehr, als wir verspeisen konnten. Die Wirtin ermunterte uns, nur ja ordentlich zuzulangen und davon auch noch reichlich  als Proviant einzupacken. So etwas hatten wir noch nie erlebt, aber wir mussten auch dann noch etwas von dem Aufgetragenen übrig lassen, denn es war einfach sehr viel

Unsere Abreise verzögerte sich auch noch etwas, weil die Wirtin in ihrer herb-gutherzigen Art noch einiges über das Lokal und aus ihrem Leben zu erzählen hatte. Zum Schluss lernten wir auch noch die beiden Mohrenkopfpapageien kennen, die sie in einem Zimmer hielt. Dann packten wir, begleitet von ihren Reden, auf, verabschiedeten uns und fuhren ab.

Wir passierten den Itzelberger See und amüsierten uns über ein Tretboot in Form eines Schwans. In Königsbronn schauten wir ins klare Becken des Brenz-Ursprungs, betrachteten das schmucke Rathaus  und entdeckten ein Haus, in dem des Hitler-Attentäters Georg Elser gedacht wurde, weil der im Ort seine Jugend verbracht hatte.

Fast ohne es zu merken überquerten wir anschließend die Wasserscheide zwischen Donau und Rhein und folgten dann immer leicht abwärts am Kocher entlang nunmehr dem Kocher-Jagst-Radweg. In Oberkochen sahen wir die weiträumigen Gebäude der Firma Zeiss und deckten uns in einem Supermarkt mit Verpflegung ein.

In Aalen machten wir eine kleine Runde durch die nette und sehr belebte Altstadt, fanden überaus freundliche Menschen, die bereitwillig Auskunft erteilten und sogar anboten, vom Cafétisch aus auf unsere Räder aufzupassen, während wir einen Besichtigungsrundgang machten. Das war aber nicht nötig, denn wir hatten den  Aalener Spion schon gezeigt bekommen, der oben am Turm den Kopf hin und her wendet, die Stadtkirche hatte geschlossen und wir wollten ja auch weiter.

Nahe der Burg Niederalfingen fanden wir eine Bank am Fluss, wo wir Brotzeit machen konnten und dann ging es immer im Flusstal ganz entspannt weiter dahin. Nur einige lärmenden Motorräder störten die Ruhe und die zu einer Wettfahrt in Untergröningen anreisenden Rallye-Autos mit ihren röhrenden Motoren. Eher ruhig fuhr eine endlos lange Kolonne Motorradfahrer dahin, auf deren Ende wir am Ortsausgang von Untergröningen warten mussten, bis wir die Straße überqueren konnten.

Schließlich erreichten wir Sulzbach, wo wir im Hotel Krone reserviert hatten. Das erwies sich als freundlicher, gediegener, modern-komfortabler und, als Kontrast, angenehm schnörkelloser Aufenthalt. Es gab gute Internetverbindung, so dass wir Route und Unterkünfte für die nächsten Tage planen konnten.

Nebenan schnatterten Enten, die dem Bach entstiegen waren und Einlass in ihren Stall begehrten. Ein Mann kam, zog die Klappe auf und sie verschwanden dahinter. Wir gingen hinüber ins Lokal, bekamen gut, genug, aber nicht überreichlich zu essen und kehrten zufrieden in unser Zimmer zurück.