13. August – Loßburg – Rastatt (73 km)

Wir hatten eine angenehme Nacht in unserem komfortablen Zimmer im Hirschen. Das Frühstücksbuffet war opulent. Draußen regnete es zum ersten Mal auf dieser Reise ganz ernsthaft. Keine schlechten Voraussetzungen also, um mal wieder einen Pausentag einzulegen. Aber erstens wollten wir weiter, zweitens gab es in Loßburg nicht wirklich etwas zu tun oder zu sehen und drittens hatten wir ja unser nächstes Hotel auch schon gebucht. Also packten und zahlten wir, wie immer mit Kurtaxe, und wie immer in diesen Tagen im Schwarzwald erhielten wir eine Kurkarte, die uns zu allerlei berechtigte, was wir nicht in Anspruch nehmen konnten oder wollten.

So holten wir denn, als es gerade einmal zu regnen aufgehört hatte, unsere Räder aus der Garage, wo sie in netter Gesellschaft die Nacht verbracht hatten, luden auf und fuhren los. Unser erster Weg führte wieder einmal zum örtlichen Supermarkt, und während Friederike einkaufte, wartete ich draußen und sah zu meinem Vergnügen den noch etwas linkischen Kellner vom Vorabend, nun schweren gestiefelten Schrittes, angetan mit einem bodenlangen Grufti-Mantel, daherkommen. Ich hätte ihn ja gerne gegrüßt, aber er hatte mich wohl auch erspäht und gab sich sichtlich Mühe, an mir vorbeizuschauen.

Noch einigermaßen trocken – den Regen betreffend, nicht den Schweiß – schafften wir den steilen Anstieg durch den Wald von 666 m auf 820 m und erreichten dann, schon wieder abwärts fahrend, Freudenstadt. Da begann es dann, nach leichtem Niesel, tatsächlich so zu regnen, dass wir unsere Regenkleider anzogen. Von da aus ging es stetig bergab auf dem Murgtal-Radweg. Der verläuft nur in einigen kurzen Stücken auf der Autostraße, zwei weitere nahmen wir als kleine Abkürzungen hinzu, ansonsten ging es durch wunderschöne Flusslandschaft, von der wir bei gutem Wetter bestimmt noch größeren Genuss gehabt hätten, aber es war auch so schon wunderbar, zumal es bald auch eine längere Regenpause gab.

Gelegentlich begegnete uns einer der stadtbahnähnlichen Züge der Murgtalbahn, die Freudenstadt und Rastatt verbindet und zum S-Bahn-System von Karlsruhe gehört.

Das Tal ist manchmal weit, mit Siedlungen an seinen Flanken,

manchmal eng und schroff, mit steil aufragenden Wänden.

 

Einmal gab es eine Weide mit Ziegen und einem laut rufenden Esel. Zwei türkische Familien erschienen mit voller Picknickausrüstung und wenig weiter fanden auch wir eine Bank für unsere Rast. Als wir gerade wieder aufsteigen wollten, begann es noch einmal kräftig zu regnen, allerdings nur kurz und von den noch am Morgen angekündigten Nachmittagsgewittern wollte der Wetterbericht später zum Glück auch nichts mehr wissen.

Der in unserer Fahrtrichtung wirklich sehr zu empfehlende Murgtal-Radweg geht, abgesehen von wenigen kurzen Steigungen, tatsächlich in seinem fast 60 km langen Verlauf von Freudenstadt bis Rastatt stetig und manchmal ganz beträchtlich bergab. Er gehört, wie gelegentliche Markierungen hervorheben, zum Radnetz von Baden-Württemberg, auf dem wir einen Großteil unser Tour in diesem Bundesland fuhren.

Langsam weitete sich das Tal, wir kamen noch an einer recht großen völlig vernachlässigten Obstplantage vorbei und dann begann es kontinuierlich städtischer zu werden.

Schließlich erreichten wir Rastatt und unser vietnamesisch geführtes Hotel. Vor dem reichlichen und guten Essen in den Ratsstuben, in denen wir die einzigen Gäste waren, liefen wir ein Wenig durch die aufgeräumt und ziemlich leer wirkende Stadt.

Nach dem Essen gingen wir noch zum nahen Schloss, das im letzten Abendlicht leuchtete,

gönnten uns noch ein Eis auf einer Bank am Marktplatz und gingen dann in unser Hotelzimmer mit dem blauen Betthimmel.