14. August – Rastatt – Speyer (93 km)

Es war recht ruhig im Hotel Trang und wir hatten eine angenehme Nacht. Der Hauptplatz der Stadt war Baustelle, und wie uns das schon bei der Ankunft behindert hatte, so mussten wir uns auch am Morgen zwischen Häusern und Bauzaun durchzwängen und der nahe Edeka war nur auf Umwegen zu erreichen. Danach ging es schnell der Murg entlang auf den Rhein zu, dem wir den Tag über folgen sollten. Rechts zeigten sich noch gelegentlich die Höhen des Schwarzwaldes, im Westen tauchten immer wieder die Vogesen auf.

Am Rhein fuhren wir über lange Strecken auf oder direkt unter dem Hauptdeich, links und rechts die wundervolle Flusslandschaft mit großen alten Bäumen, toten Baumriesen, an denen man die Arbeit der Spechte sehen konnte, und schier undurchdringlichem Unterholz.

Nahe der Ortschaft Steinmauern begannen dann erste Probleme. Die Trasse des Rheinradwegs war durch eine Baustelle unterbrochen, ordentliche Hinweise über die Größe und brauchbare Umfahrungsmöglichkeiten fehlten ebenso, wie eine ordentliche Absperrung. Da anscheinend nicht gearbeitet wurde, fuhren wir geradeaus weiter, ein Baggerfahrer, der telefonierend in seiner Maschine saß, schimpfte heraus, aber alsbald wurde die Straße unpassierbar und wir bogen in die angrenzende Siedlung ab. Dort fanden wir dann auch manchmal Umleitungsschilder für Radfahrer, manchmal aber eben nicht, so dass wir auf unser Navi, einen weiteren Fehlversuch und eigene Findigkeit angewiesen waren, um wieder an den Rhein zu gelangen. Da war es dann auch wieder sehr schön, bis wir bei Karlsruhe an das Steinkohle-Dampfkraftwerk der EnBW gelangten, das uns den Weg versperrte. Da gab es einige Tafeln, auf denen die Technik scheinheilig als ein Beitrag zur Sicherung der Energiewende deklariert wurde, und ein lückenhaftes System von Wegweisern, das uns um das Kraftwerk herum zu einer Überquerung der Hafeneinfahrt führen sollte.

Statt einer Brücke fanden wir dort aber nur eine hohe steile Metalltreppe mit einer schmalen Schiene am Rand, in der wir unsere Fahrräder schieben sollten. Das war bei unserer Beladung unmöglich und die Beschilderung dieses Treppenübergangs als Radwegverbindung fanden wir ignorant und unverschämt. <in Versuch und Irrtum fanden wir schließlich eine sogenannte „Alternativroute“ für Fahrräder mit Anhänger, die allerdings das ganze Hafengelände entlang stadtwärts und auf der anderen Seite an Müll- und Wertstoffsortieranlagen vorbei wieder rheinwärts führte und deren Wegweisungslücken wir nur mit Hilfe des Navi schließen konnten. Die Umfahrung endete an einer ebensolchen Treppenanlage auf der anderen Seite des Hafenbeckens. Nach einem kurzen Stück am Fluss mussten wir auf die andere Rheinseite wechseln.
Auf der Hauptfahrbahn der Brücke herrschte reger LKW-Verkehr und die Schwerlastzüge versetzen die Brücke in deutlich spürbare Schwingungen. Auf der anderen Seite kehrten wir in einem weiten Bogen an den Rhein zurück und fuhren dann lange Zeit durch die wunderbare Landschaft des weiten Stromtales.


Gelegentlich trafen wir auf andere Radler und einige, die in gleicher Richtung unterwegs waren, wie wir, trafen wir mehrmals, weil sie zu anderen Zeiten Pause machten. Brotzeit gab es, wie meistens, auf einer netten Bank, zum Kaffee hielten wir in einem Naturfreundehaus.


Schwere Lastenkähne mit Kohle brachten den Brennstoff für das Großkraftwerk, das wir umfahren hatten. Als wir uns an einer Schleife unserer Route vom Hauptfluss entfernten, sahen wir zurückblickend das Atomkraftwerk Philippsburg.

Die Umwege hatten unsere Wegstrecke weit über die ohnehin schon ehrgeizige Planung hinaus verlängert, aber da es fast durchwegs eben war, kamen wir schließlich doch um etwa 18 Uhr nach Speyer und staunten  sehr über einige riesige Flugzeuge, die in einem Freilichtmuseum aufgestellt waren.


Unweit davon fanden wir auch die Jugendherberge, in der wir für die Nacht ein Zimmer gebucht hatten. Es war klein, rational eingerichtet und hatte, wie üblich, ein Stockbett, aber wir hätten es gut genug gefunden, gleich für eine zweite Nacht zu nehmen und etwas in der Stadt zu bleiben. Leider war aber ausgebucht und so mussten wir unsere Pläne ändern. In der nahen und gut bevölkerten Innenstadt fanden wir ein nettes Restaurant. Ich probierte Saumagen, fand ihn aber nicht so gut, dass ich ihn nochmal essen würde. Zum Schluss gab es noch ein riesiges Eis für nur 1 Euro pro reichlich bemessener Kugel, dann ging es wieder zurück. Zeitgleich mit uns kam eine Familie zurück, die am frühen Abend mit uns angereist war. Sie waren zu Fuß unterwegs, wir mit den Rädern. Tagsüber hatten sie uns zweimal mit enormem Tempo überholt.